Ausländische Investoren sollen angelockt werden: Kuwait fürchtet um Rolle im Ölgeschäft

Ausländische Investoren sollen angelockt werden
Kuwait fürchtet um Rolle im Ölgeschäft

"Es geht im Irak-Krieg nicht um Öl", nahm der kuwaitische Ölminister Scheich Ahmad Al-Fahd Al-Sabah noch vor wenigen Tagen die USA gegen Kritik in Schutz. Und er beteuerte: "Nie hat Amerika in den letzten Jahren versucht, unsere Ölpolitik zu beeinflussen."

KUWAIT-STADT. Doch was vielleicht in der Vergangenheit nicht direkt geschehen ist, könnte nun ein Irak-Krieg leisten: Die Öffnung des kuwaitischen Ölmarktes für ausländische, und damit auch für amerikanische, Investoren.

Tatsächlich hat die Aussicht auf einen Regimewechsel in Bagdad die Öl-Community in Kuwait aufgeschreckt. Auch wenn nach außen der Eindruck vermittelt wird, dass sich mit den bevorstehenden politischen Änderungen beim nördlichen Nachbarn große wirtschaftliche Chancen für Kuwait ergeben, so ist dies nur eine Seite der Medaille. "Solange der Irak abgeschottet ist, ist Kuwait ein attraktiver Platz für Investoren", sagte Nader H. Sultan kürzlich in einem Interview. Der Chef der staatlichen Ölfirma Kuwait Petroleum Corp. (KPC) fürchtet aber, dass die Attraktivität seines Landes nachlassen werde, wenn sich der Irak öffnet.

Genau diese Erkenntnis dürfte vor wenigen Wochen die Regierung und die KPC dazu bewogen haben, den Entwurf für ein Investitionsprojekt vorzulegen, an dem sich auch ausländische Firmen beteiligen können. Danach sollen Exploration und Entwicklung eines großen Ölfeldes im Norden des Emirats nun international ausgeschrieben werden.

Sollte dieser Schritt Realität werden, wäre dies für Kuwait eine Sensation. Denn die Erträge aus dem staatlichen Ölschatz wurden über Jahrzehnte nicht mit Ausländern geteilt. Da seit der Verstaatlichung der Ölfelder in den 70er-Jahren ausländische Beteiligungen gesetzlich verboten sind, wäre sogar eine Gesetzesänderung nötig.

Wettbewerb droht den Kuwaitis in doppelter Hinsicht. So könnten sich die Öleinnahmen verringern, wenn mit dem ölreichen Irak ein neuer, mächtiger Anbieter auf den Markt drängt, der die Preise drückt. Zum anderen aber dürfte der Wiederaufbau des Iraks, und dabei insbesondere der Ölanlagen, internationale Gelder an dem kleinen Emirat vorbeischleusen - Geld, das früher in Kuwait ausgegeben wurde.

Ölproduktion soll gesteigert werden

Um diese Ausfälle auszugleichen, aber auch um die eigene steigende Nachfrage zu decken, will Kuwait seine Ölproduktion deutlich steigern. Ein auf lange Sicht angelegtes Programm sieht nahezu die Verdopplung des kuwaitischen Anteils an der weltweiten Ölerzeugung von 3 % vor. Und Kuwaits Energiehunger ist groß: Die 2,4 Millionen Einwohner belegen beim Stromverbrauch im internationalen Ländervergleich einen Platz unter den Top Ten. Ein Grund dafür ist der steigende Wasserbedarf. Das Wasser wird in Kuweit über energieintensive Entsalzungsanlagen aus Meerwasser gewonnen. Der zum Betrieb benötigte Strom wird wiederum in Kraftwerken erzeugt, die ausschließlich mit fossilen Brennstoffen - also Öl - befeuert werden. Will Kuwait also zügig seine Ölproduktion erhöhen, braucht es ausländische Partner mit dem entsprechenden Know-how. Darin liegt der eigentliche Grund für die geplante Öffnung des Marktes.

Gleichwohl reicht auch das kuwaitische Öl nicht unendlich. Bleibt es bei der aktuellen Fördermenge von rund 2,1 Mill. Barrel pro Tag, würden die Reserven - etwa ein Zehntel der weltweiten Vorkommen - in 140 Jahren zur Neige gehen. Und: In der kuwaitischen Volkswirtschaft dreht sich noch immer alles ums Öl, dessen Export mehr als 80 % der Haushaltseinnahmen einspielt. Das verarbeitende Gewerbe macht gerade einmal rund 10 % des Bruttoinlandsprodukts aus, die eigene Landwirtschaft spielt praktisch keine Rolle.

So bemüht sich das Emirat in neuer Offenheit um andere, zukunftssichere Einnahmequellen. Der kuwaitische Botschafter in Berlin, Jamal M. A. Al-Nesafi, bot etwa jüngst in einem Gespräch mit dem Handelsblatt kuwaitische Investitionen in Deutschland an. "Ich vertrete keine Krisenregion, sondern ein Land, das in Deutschland mit 6 Mrd. Euro engagiert ist", bemühte sich Al-Nesafi um eine Imagekorrektur. Alle Branchen seien für Investitionen interessant. Und er fügte hinzu: "Wir wollen nicht nur vom Öl abhängig sein."

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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