Ausländische Ketten drängen auf den Markt
Deutsche Top-Hotels wecken Begehrlichkeit

Nach dem Einstieg des französischen Konzerns Accor bei Dorint sind weitere Beteiligungen oder Übernahmen auf dem deutschen Hotelmarkt denkbar. Die Top-Adressen Steigenberger und Martim winken zwar ab. Aber Maritim strebt umfangreiche Partnerschaften im Marketing an. Und bei Steigenberger ist das Nein nicht kategorisch.

DÜSSELDORF. Ausländische Hotelkonzerne drängen auf den deutschen Markt. Sie sind auf der Suche nach lukrativen Standorten und würden sich auch gerne bei deutschen Betten-Anbietern einkaufen. Nachdem der französische Beherbergungs- und Touristikkonzern Accor mit 30 % bei der angeschlagenen Mönchengladbacher Dorint AG eingestiegen ist und mittelfristig die Mehrheit übernehmen will, konzentriert sich das Brancheninteresse auf die beiden verbleibenden deutschen Top-Adressen: Steigenberger und Maritim. Doch beide winken ab.

"Natürlich sind wir ein Objekt der Begierde, und wir müssen uns strategische Optionen offen halten", sagte Karl-Anton Schattmaier, Vorstandssprecher der Steigenberger Hotels AG, dem Handelsblatt. Branchengerüchten zum Trotz gebe es derzeit aber weder Verkaufsabsichten noch konkrete Kontakte mit einem potenziellen Partner. Dieses Nein müsse naturgemäß nicht für alle Zeiten gelten. Jedoch stehe die Familie des Firmengründers Egon Steigenberger, die nahezu vollständig die Aktien der Frankfurter Hotelgruppe hält, zur ihrem Engagement.

Auch Christian Windfuhr, Sprecher der Geschäftsführung der Maritim Hotelgesellschaft mbH, Bad Salzuflen, beruft sich auf seine Eigentümer. Gesellschafterin Monika Gommolla, zugleich Vorsitzende des Maritim-Aufsichtsrates, betone stets die Eigenständigkeit der Gesellschaft und lehne Allianzen mit finanziellen Verflechtungen prinzipiell ab. Auch die weltweit operierenden britischen Millenium & Copthorne-Hotels, die wiederholt als Einstiegskandidat gehandelt wurden, blieben reiner Marketing-Partner für Maritim. Diese Partnerschaft sei so, wie sie sei, für Maritim "sehr vorteilhaft", weil sie der deutschen Gruppe die dringend benötigte internationale Präsenz im Vertrieb gebe. Dieses Problem hat der Wettbewerber Steigenberger nicht: Seine Häuser sind im Buchungs- und Reservierungsverbund SRS-Worldhotels, der 400 Häuser in 65 Ländern im Angebot hat, global am Markt. Maritim-Chef Windfuhr will mit Millennium & Copthorne er "drei, vier weitere Partner suchen". Die sollen im eigenen Land stark sein, aber nicht mit den anderen Mitgliedern einer solchen Marketing-Allianz konkurrieren. Wunschkandidaten gebe es vor allem in Italien und Spanien.

Zumindest in der iberischen Hotelbranche standen die Zeichen bisher eher auf Expansion denn auf Kooperation. Jüngstes Beispiel: Die spanische NH Hoteles S.A., Madrid, übernahm im Frühjahr die knapp 50 Astron-Hotels in Deutschland und kündigte an, den eingeführten Markennamen zugunsten des eigenen Logos aufzugeben. Im vergangenen Jahr hatte der aufstrebende spanische Hotelkonzern Sol Meliá versucht, bei Dorint, Maritim und Steigenberger über eine Kapitalbeteiligung einzusteigen, war aber bei allen drei abgeblitzt. Jedoch war dies vor den Anschlägen des 11. Septembers.

Umfirmieren werden auch die Dorint-Hotels. Mit dem Einstieg der Accor-Gruppe - die weltweit zu den Branchenführern zählt und lange schon in Deutschland mit ihren Häusern der Marken Sofitel, Novotel, Mercure, Ibis, Etap und Formule-1 größter Bettenanbieter ist - ist für Dorint ein "Co-Branding" vorgesehen. Die Häuser bekommen Doppelnamen und werden je nach Kategorie künftig als Dorint Dorint-Novotel-Sofitel, und Dorint-Mercure vermarktet, wie Accor verkündete. Ein Brancheninsider sagt: "Das ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Name Dorint verschwindet." Die Mehrheit könnte Accor zwischen 2008 und 2010 mit dem Kauf eines weiteren 25-Prozent-Paketes übernehmen.

Die beiden deutschen Wettbewerber im obersten Marktsegment sehen sich trotz schlechter Konjunktur vergleichsweise gut im Rennen. Beide Gesellschaften verzeichnen in den ersten neun Monaten dieses Jahres nur geringfügige Buchungsrückgänge unter zwei Prozent, doch sie verdienen weniger Geld. Steigenberger-Vorstand Schattmaier sagt: "Der Druck auf den Spitzenpreis ist erheblich." Das betrifft vor allem Stadthotels mit Geschäftsreisen- den-Klientel. Da beklagt auch Mari- tim-Geschäftsführer Windfuhr, dass vor allem große Firmenkunden "ganz brutal verhandeln", um bessere Konditionen herauszuholen. Wegen sinkenden Durchschnittspreise pro Zimmer rechnen beide Konzerne für dieses Jahr mit leichten Umsatzrückgängen. Die Prognose für 2003 formuliert Windfuhr so: "kein Megawachstum".

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