Ausländische Konkurrenz greift an
Für US-Hersteller wird es eng

Mit der Strategie, ihre Modellpalette immer stärker aufzufächern, setzen die europäischen und japanischen Automobilkonzerne ihre amerikanische Konkurrenz mächtig unter Druck. Die ehemalige US-Domäne der Geländefahrzeuge ist durch das Angebot von Toyota, BMW und Co. schon längst gefallen, nun greifen als Erstes die Japaner auch im ureigensten amerikanischen Segment - bei den Pick-ups - an.

HB/je PORTLAND. Dadurch gerät eine der wichtigsten Ertragssäulen von Ford, General Motors (GM) und Chrysler in Gefahr, denn die großen drei hatten sich zuletzt stark auf die leichten Trucks fokussiert und andere Segmente dabei vernachlässigt. In der Liste der 20 meistverkauften Fahrzeuge 2003 belegen Pick-ups die ersten drei Plätze. Auf den Plätzen vier und fünf folgen PKWs - allerdings von Toyota und Honda.

Besonders Ford ist von den kleinen Lasteseln abhängig. Seit mehr als 20 Jahren ist der Ford-F-Pick-up die meistverkaufte Modellserie der USA. In den ersten acht Monaten 2003 verkaufte Ford 545 582 F-Modelle und führte mit Abstand die Liste der meistverkauften Autos an. Fachleute beziffern den Rohgewinn je Fahrzeug auf bis zu 10 000 Dollar und den jährlichen Beitrag zum Konzernergebnis auf 3 Mrd. Dollar. Zu Beginn des Modelljahres 2004 kommt eine neue Generation der F-Serie auf den Markt. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde die Liste der Extras erweitert, der Basispreis dagegen kaum erhöht, was den Gewinn um mehr als 1 000 Dollar pro Fahrzeug schrumpfen lässt. Zusätzlich startete Ford eine 100 Mill. Dollar teure Werbekampagne, die teuerste für ein einzelnes Modell in der Ford-Geschichte.

Noch immer treffen die aufgemotzten Kleinlaster den Geschmack der Amerikaner, noch immer lassen sich mit leichten Trucks - dazu werden auch Minivans und sportliche Geländefahrzeuge gezählt - gute Verkaufszahlen erreichen. So verkaufte GM im August 285 000 (+ 5,2 %) leichte Trucks, aber nur 188 000 (-8,1 %) PKWs. Ford verkaufte mit 211 000 (-7 %) mehr als doppelt so viele Autos in diesem als im PKW-Segment. Bei Chrysler stagnierte der Truck-Absatz bei rund 160 000 Einheiten, die PKW-Verkäufe brachen um fast ein Drittel auf 31 000 ein.

Doch nun holt die ausländische Konkurrenz auch bei den Pick-ups auf. Toyota brachte als erster ausländischer Hersteller einen in den USA gebauten, bulligen "Full Size"-Pick-up auf den Markt. Künftig sollen davon 250 000 Fahrzeuge pro Jahr produziert werden. Nissan wird von dem Pick-up-Modell "Titan", das mit einem 5,6-Liter-V8-Motor ganz auf US-Kunden zugeschnitten ist, 100 000 Stück pro Jahr in den USA bauen.

In der Konsequenz verloren US-Autohersteller auch im August Marktanteile an Ausländer. Chrysler verkaufte zum ersten Mal in einem Monat weniger Fahrzeuge als Toyota, obwohl die US-Hersteller je Auto im Schnitt mehr als 4 000 $ nachlassen. Chrysler und GM haben bereits neue Rabattpläne angekündigt, doch der Optimismus scheint ungebrochen: "Extrem starkes Ergebnis", kommentierte GM-Direktor Paul Ballew die August-Zahlen. "Der zweitbeste Monat des Jahres", erklärte George Pipas von Ford. "Wir erwarten weiterhin einen starken Markt", sagte Gary Dilts, Verkaufschef des US-Arms von Daimler-Chrysler. Pessimistischer sind allerdings die Analysten wie Robert Hinchliffe von UBS: "Das traditionell schwache dritte Quartal könnte in diesem Jahr besonders problematisch werden."

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