Ausländische Manager müssen den belgischen Fiskus nicht fürchten
Benelux-Länder ködern Firmen

Die Entscheidungen sprechen Bände: 1999 schlägt Fujitsu Siemens Computers sein Hauptquartier in Amsterdam auf; die Fäden von Chryslers Europa-Aktivitäten laufen in Brüssel zusammen; Procter & Gamble und Hankook ziehen von Frankfurt am Main in den Benelux-Raum um.

BRÜSSEL. Die Liste namhafter Unternehmen, die entweder von Deutschland abwandern oder sich direkt entschließen, ihre Zelte in Belgien oder den Niederlanden aufzuschlagen, ist so lang, dass sich dieser Trend sicher nicht nur mit einem Plus an Weltoffenheit und besseren Englisch-Kenntnissen der Straßenbahn-Schaffner erklären lässt. Die Niederlande und Belgien bieten ausländischen Investoren besondere steuerliche Bonbons und dazu einen Service: Wer sein Geld nach Benelux trägt, weiß schon vorher, was an Belastungen in den nächsten fünf Jahren auf ihn zukommt.

In beiden Länder empfängt der Staat künftige Steuerzahler mit einem hohen Maß an Transparenz. So genannte Service-Center berechnen die fiskalischen Rahmenbedingungen des Engagements im Land, was den Unternehmen Planungssicherheit gibt. Stimmen die Angaben der Firma, sind beide Seiten an die Absprache so lange gebunden, wie sich die Daten nicht wesentlich ändern.

Ein weiterer Vorteil gegenüber Deutschland ist die tolerante Besteuerung von Gewinnen: In Belgien wie in den Niederlanden wird nur ein niedriger, "fiktiver" Gewinn an das Finanzamt gemeldet, der als Prozentsatz von den Betriebskosten berechnet wird.

Die Vorteile reichen noch weiter: Das niederländische "Mixer-System" bietet die Möglichkeit, Gewinne aus Ländern mit einer hohen Steuerbelastung in die Niederlande zu transferieren. Umgekehrt hält der Fiskus nicht mehr die Hand auf bei Profiten aus einem Niedrig-Steuerland. Die Überzeugungsarbeit am ausländischen Investor endet schließlich bei dessen Gehaltsscheck: Kleine Geschenke vertiefen die Freundschaft - das hat in Belgien bereits seit über 40 Jahren Tradition. So muss ein Manager zum Beispiel nur sein "belgisches" Einkommen versteuern. Ausgleichszahlungen seines Arbeitgebers werden von den Steuerbehörden nicht angetastet.

Die Maßnahmen zahlen sich aus: Eine Studie der Unternehmensberatung Booz, Allen und Hamilton hat errechnet, dass in den neunziger Jahren beinahe doppelt so viele ausländische Direktinvestitionen in die Niederlande und Belgien geflossen sind wie nach Deutschland. Die Situation habe sich zwar inzwischen verändert, doch Benelux hat nach wie vor die Nase vorn.

Die belgische Regierung arbeitet weiter hart an den Standortvorteilen: Eine kürzlich beschlossene Unternehmensteuerreform senkt die Belastung vom Jahr 2003 an von heute 40,17 % auf 33,99 %. Der Steuersatz für Kleinunternehmer fällt von 28 % auf 24,25 % - ein Ausgleich für die hohen Lohnkosten. Finanzieren will das Kabinett von Ministerpräsident Guy Verhofstadt den Nachlass durch das Stopfen von Steuerschlupflöchern.

Manche Regelungen, die Ländern wie Belgien lieb sind, gehen EU-Wettbewerbshütern entschieden zu weit. Seit 1982 locken die Belgier grenzüberschreitend tätige Unternehmen mit einem formidablen Steuergeschenk ins Land. Internationale Konzerne können "Koordinationszentren" in Belgien einrichten, über die globale Aktivitäten verwaltet und finanziert werden. Diese Zentren - inzwischen rund 300 - erhalten einen Steuernachlass von bis zu 95 % auf ihren Gewinn, den sie dank der Doppelbesteuerungsabkommen unbelastet nach Hause überweisen können. "Manchen Unternehmen werden so massiv Kosten erlassen", sagt ein Sprecher von Wettbewerbskommissar Mario Monti. Für den sind dies unerlaubte Beihilfen, seit Februar läuft ein Verfahren gegen Belgien. Die Regierung nimmt es gelassen. Premier Verhofstadt will die Vorteile der Zentren in ein anderes System überführen: "Bevor wir darauf warten, dass Europa etwas beschließt, nehmen wir die Sache in die Hand."

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