Ausländische Marktteilnehmer verstärken den Wettbewerbsdruck
Konzentration im Leasingsektor setzt sich fort

In der Leasing-Branche schreitet der Konzentrationsprozess weiter fort. Dabei entstehen immer größere Unternehmenseinheiten, die für einige Geschäftsbereiche unabdingbar sind. Aber auch die Neuausrichtung der Banken spielt eine wichtige Rolle.

KÖLN. Leasing hat in den letzten drei Jahrzehnten in Deutschland kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. So weist das durch Leasing finanzierte Investitionsvolumen seit Jahren einen stetigen Zuwachs auf und betrug im Jahr 2001 schätzungsweise 48,4 Mrd. ? . Damit lag die Leasing-Quote, d.h. der Anteil der über Leasing finanzierten Investitionen an den Gesamtinvestitionen bei knapp 17 %, 1970 waren es gerade einmal 2 %.

Im Mobilienleasing werden inzwischen mehr als ein Fünftel aller Investitionen durch Leasing finanziert, besonders stark ist das Leasing im Kfz-Bereich vertreten, auf den rund die Hälfte aller Leasing-Investitionen überhaupt entfallen. Inzwischen ist Leasing die bevorzugte Form der Beschaffung von Fahrzeuginvestitionen in der deutschen Wirtschaft geworden. Dazu hat sicherlich auch das Aufkommen des Flottenmanagements beigetragen, bei dem die Leasing-Gesellschaft neben der Finanzierungsfunktion auch das gesamte Fuhrparkmanagement mit allen damit verbundenen technischen Dienstleistungen und Risiken übernimmt.

Trotz der erheblichen Zunahme des Leasings als Finanzierungsform wurden in den letzten Jahren kaum noch Leasing-Gesellschaften gegründet. Während in der zweiten Hälfte der 80-er Jahre und - bedingt durch die Wiedervereinigung - Anfang der 90-er Jahre ein wahrer Gründungsboom mit über 100 Neugründungen von Leasing-Gesellschaften pro Jahr zu verzeichnen war, ist seit Mitte der 90-er Jahre ein deutlicher Rückgang festzustellen. Die Zahl der Gesellschaften ist daher in der letzten Jahren nur geringfügig gestiegen. Zu dieser Konsolidierung beigetragen haben auch eine Vielzahl an Fusionen und Übernahmen, die zu einer Bereinigung der Unternehmenslandschaft geführt haben.

Gut 2 000 Unternehmen teilen sich heute den deutschen Leasing- Markt auf. Von diesen werden ca. 180 bis 200 als groß bzw. als größere Leasinggesellschaft bezeichnet. Diese Gesellschaften weisen ein Grund- bzw. Stammkapital von mindestens 1 Mill. Euro auf; das Volumen ihres Neugeschäfts bewegt sich ab 50 Mill. Euro aufwärts pro Jahr.

Wie in anderen Bereichen des Finanzsektors ist auch in der Leasing- Branche ein dauerhafter Konzentrationsprozess mit einer Tendenz hin zu größeren Unternehmenseinheiten festzustellen. Gab es 1994 nur 22 Gesellschaften, die ein Nominalkapital von 10 Mill. Euro und mehr aufwiesen, so verdoppelte sich diese Zahl bis zum Jahr 2001. Die drei größten Gesellschaften vereinigen inzwischen ein Nominalkapital von rund 600 Mill. Euro auf sich. 1994 erreichten die "Großen" gerade einmal die 100-Mill.-DM-Grenze.

Der anhaltende Konzentrationsprozess mit der Tendenz zu immer größeren Gesellschaften hat mehrere Ursachen: In der weitgehend unregulierten Leasing-Branche wehte von jeher ein schärferer Wettbewerb als in der Kreditwirtschaft, verstärkte Markttransparenz durch moderne Informations- und Kommunikationstechniken und das Vordringen ausländischer Anbieter haben für zusätzlichen Wettbewerbsdruck vor allem für Standardprodukte gesorgt. Dies hat die Branche dazu gezwungen, durch Fusionen Synergieeffekt zu nutzen.

Verstärkt wurde der Konzentrationsprozess noch durch das zunehmende Engagement deutscher Leasing-Gesellschaften im Markt für "Big Tickets", dem Leasing von Großinvestitionen wie z.B. Verkehrsflugzeuge. Während das Marktsegment der Big Tickets früher die Domäne US-amerikanischer Leasinggesellschaften war, haben sich hier in den letzten Jahren auch deutsche Gesellschaften etablieren können. Um Projekte im Volumen von über 100 Mill. Euro finanzieren zu können, bedarf eines einer entsprechenden Eigenkapitalbasis und speziellen Know-hows. Über beides verfügen nur große Gesellschaften.

Schließlich sind deutsche Leasinggesellschaften verstärkt dazu übergegangen, ausländische Absatzmärkte zu erschließen. Denn zum einen ist nicht damit zu rechnen, dass die Wachstumsraten der Vergangenheit auch in der Zukunft dauerhaft auf dem heimischen Markt zu erzielen sind, zum anderen zwingt die zunehmende Globalisierung die Gesellschaften dazu, ihren Kunden auf dem Weg um den Globus zu folgen. Auch beim Cross- Border-Leasing ist spezielles Know- how gefragt, da unterschiedliche Steuer- und Bilanzierungssysteme sowie andersartige Handelsbräuche zu beachten sind.

Ein genaueres Bild des deutschen Leasing-Markts erhält man, wenn man die Gesellschaften nicht nur nach ihrer Größe, sondern vor allem hinsichtlich der zu finanzierenden Objekte und der Eigentumsverhältnisse unterscheidet. Den Löwenanteil machen die Firmen aus, die ausschließlich Mobilien-Leasing betreiben. Auf den Bereich des reinen Immobilien-Leasings entfallen nur ca. 5 % aller Gesellschaften, etwa 50 sind in beiden Segmenten tätig. Hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse ist zu unterscheiden zwischen herstellerabhängigen Leasinggesellschaften und solchen, die Tochtergesellschaften von Banken sind. Letztere haben ihren Marktanteil in den letzten Jahren ausbauen können und finanzieren mittlerweile knapp 62 % aller Leasing-Investitionen.

Greift man aus dem Mobilien-Leasing wegen seiner herausragenden Bedeutung das Segment des Fahrzeug-Leasings heraus, so dominiert hier das Hersteller-Leasing mit einem Marktanteil. Dieser ist in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen und liegt mittlerweile deutlich über 70%. Auf die sieben größten Leasing-Gesellschaften, darunter nur eine markenunabhängige Gesellschaft, entfällt allein ein Marktanteil von über 62 %, wobei auch hier die Konzentration in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat.

Für Automobilhersteller ist Leasing vor allem ein Absatzinstrument, dessen Bedeutung noch zunehmen wird: Durch die Einführung des Euros und durch absehbare Veränderungen in der Händlerstruktur wird sich der Wettbewerb auf dem Fahrzeugmarkt erheblich verschärfen. Um so wichtiger wird es künftig für die Automobilhersteller sein, nicht nur attraktive Produkte, sondern auch attraktive, auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnittene Finanzierungsformen anbieten zu können. Dass diese Entwicklung die Konzentrationsprozesse weiter fördern wird, liegt auf der Hand. Beim Immobilien-Leasing ist die Lage schon seit Jahren durch eine hohe Konzentration auf ganz wenige Firmen gekennzeichnet.

Banken aus dem In- und Ausland, Sparkassen sowie andere Unternehmen aus dem Finanzsektor halten rund 70 % aller Beteiligungen an Leasinggesellschaften, der Anteil der Industrie liegt bei 19 %. Unabhängige Gesellschaften, die weder von einem Hersteller noch von einer Bank abhängig sind, gibt es so gut wie gar nicht mehr.

Die Beteiligungsverhältnisse der Banken und Sparkassen und die jeweiligen Prozentanteile sind ständigen Veränderungen unterworfen, wobei die Banken teilweise sehr unterschiedliche Strategien einschlagen. So hat sich z.B. die Deutsche Bank im Zuge ihrer Umstrukturierungen aus dem Mobilien-Leasing zurückgezogen, indem sie ihre Tochter an die Société Général verkauft hat. Die Commerzbank hat ihre Leasing-Tochter kürzlich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und plant einen Börsengang. Die Dresdner Bank hat dagegen ihre Leasing-Beteiligungen aufgestockt, auch die HypoVereinsbank ist nach wie vor stark im Leasingbereich engagiert. Daneben haben einige ausländische Banken wie z.B. die Banque Nationale de Paris oder die Société Générale erhebliche Beteiligungen erworben.

Auch wenn die Strategien, die die einzelnen Banken einschlagen, sehr unterschiedlich sind, so wird doch ein gemeinsamer Trend sichtbar: Dort, wo Leasing als Kernkompetenz einer Bank definiert wird, werden die Aktivitäten ausgebaut. Ist dies nicht der Fall, trennt man sich vom Leasinggeschäft. Auch diese Entwicklung wird den Konzentrationsprozess in der Leasing-Branche weiter forcieren.

Für die Banken ist Leasing ein Alternativprodukt zur Kreditvergabe. Inwieweit die Banken an einer weiteren Ausweitung des Leasings interessiert sind, hängt daher entscheidend davon ab, wie sie ihre Position im Kreditgeschäft für die Zukunft definieren. Ein Faktor, der hierbei eine wichtige Rolle spielen wird, ist Basel II. Vor allem für Unternehmen mäßiger Bonität wird die Kreditfinanzierung auf Grund einer deutlich höheren Eigenmittelunterlegung erheblich teurer werden. Um so größer ist gerade für diese Kreditnehmer der Anreiz, auf das nicht von der Regulierung betroffene Leasinggeschäft auszuweichen.

Inwieweit dies möglich ist, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Gesellschaften in der Lage sind, Ausfallrisiken wirksam begrenzen zu können. Gefragt sind vor allem der Aufbau eines leistungsfähigen Risikomanagements sowie Objektkompetenz. Investitionen in dieses Know-how haben Fixkostencharakter, sie werden den Trend zur Konzentration in der Leasing-Branche weiter forcieren.

_______________

Prof. Dr. Thomas Hartmann-Wendels leitet das Forschungsinstitut für Leasing an der Universität zu Köln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%