Auslagerungs-Spezialist will Verhandlungen mit der Deutschen Bank zügig abschließen
Xchanging zielt auf deutsche Versicherer

Der britische Outsourcing-Spezialist Xchanging will in Deutschland mit Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern ins Geschäft kommen. "Hier zu Lande gibt es beispielsweise immer noch 320 Wertpapierabwickler auf rund 15 Plattformen. Bei der erwarteten Konsolidierung in den kommenden Jahren wollen wir eine aktive Rolle spielen", sagt Martin Thomas, Deutschland-Chef von Xchanging, dem Handelsblatt.

FRANKFURT/M. Die Philosophie des Unternehmens sieht eine gemeinsame Verantwortung mit dem Kunden nach der Auslagerung von kompletten Geschäftsprozessen vor. Dazu wird mit dem Partner ein Joint Venture eingegangen, wobei Xchanging aber die unternehmerische Leitung anstrebt. Momentan verhandelt Xchanging mit der Deutschen Bank über einen Einstieg bei deren Wertpapierabwickler European Transaction Bank AG (etb). Nach Angaben aus Verhandlungskreisen wollen die Briten 51 Prozent der etb übernehmen. Die etb wickelt etwa die Kundenorders der früheren Bank-24, der Sparda-Banken und des Bankhauses Sal. Oppenheim ab. Thomas erwartet einen Abschluss der Verhandlungen bis zum Sommer, momentan stünden vor allem noch regulatorische Genehmigungen seitens der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aus.

Mit dem Ausgliedern von Informationstechnologie versuchen die Banken, fixe Kostenblöcke in besser verdauliche variable Zahlungsströme zu verwandeln. Die eigene Entwicklung und Pflege der EDV ist für viele Institute nicht mehr rentabel. Aber es gibt auch Risiken beim Outsourcing. So muss der externe Dienstleister die Prozess-Sicherheit gewährleisten, dass heißt, die Abwicklung muss reibungslos, ohne Unterbrechungen, laufen.

Thomas, der früher als leitender Manager für das operative Privatkundengeschäft der Deutschen Bank tätig war, beziffert die mittelfristig erzielbaren Einsparungen bei den Kosten auf 35 bis 40 Prozent.

Schon im ersten Jahr nach der Übergabe garantiert Xchanging der Deutschen Bank Einsparungen mindestens im einstelligen Millionenbereich. Nach Abschluss des technischen Übergangs sei Xchanging dann offen für die Aufnahme weiterer Partner auf die Plattform. Branchenbeobachter können sich dabei etwa die Hypo-Vereinsbank oder die Commerzbank vorstellen. Letztere führt gegenwärtig allerdings Sondierungsgespräche mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Große Wachstumschancen sieht Thomas in der deutschen Versicherungslandschaft. In den Bereichen Schadenregulierung, Verwaltung des Neugeschäfts sowie im Prämieneinzug stecke noch deutlicheres Rationalisierungspotenzial. In der Outsourcing- Branche heißt es, Xchanging stehe bereits in Kontakt mit zwei großen Münchener Versicherungen bezüglich möglicher Auslagerungen. Einen Durchbruch in dieser Branche erzielte Xchanging - das weltweit 1800 Mitarbeiter zählt und einen Umsatz von rund 280 Mill. Pfund macht - mit zwei großen Outsourcing-Verträgen bei Lloyd's of London. Thomas hält Xchanging mittlerweile für börsenreif, entsprechende Vorbereitungen liefen bereits. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass es in diesem Jahr noch zu früh ist für das Börsendebüt. Thomas selbst will lediglich bestätigen, dass ein IPO "von der allgemeinen Lage an den Börsen in den kommenden Jahren" abhänge.

Xchanging wurde 1998 von David Andrews, dem heutigen Vorstandschef, gegründet. Vorbild von Andrews soll die Methodik "Six Sigma", die der legendäre General- Electric-Chef Jack Welch bekannt gemacht hat, sein. Six Sigma ist ein System, um die Fehlerrate bei Prozessen, Produkten und Dienstleistungen zu senken. Kritiker halten das System nur bei Großunternehmen für angebracht, weil es auf hochkomplexen statistischen Instrumenten basiere.

An Xchanging ist der angelsächsische Wagniskapitalgeber General Atlantic Partners maßgeblich beteiligt, dessen Deutschland-Strategie von dem früheren Mannesmann - Chef Klaus Esser gesteuert wird.

Quelle: Handelsblatt Nr. 074 vom 16.04.04 Seite 27

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