Ausland wird vom Wachstum profitieren
Fachkräfte-Mangel bremst Auto-Zulieferer

Die Automobil-Zulieferindustrie entwickelt sich in den kommenden Jahren zur Jobmaschine. Bis zum Jahr 2010 wird die Zahl der Arbeitsplätze der Branche um rund 50 % steigen - allerdings überwiegend im Ausland.

hof FRANKFURT/M. Verantwortlich dafür ist neben Kostennachteilen des Standortes Deutschland vor allem der Fachkräftemangel. Zu diesem Schluss kommen das Center Automotive Research (CAR), Pricewaterhouse-Coopers und der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) in einer nun vorgelegten Studie zum Automobil-Standort Deutschland.

So beklagen vier von fünf Systemlieferanten und Entwicklungsdienstleister aus der Automobilbranche in Deutschland einen Mangel an Fachkräften. Noch überraschender ist, dass im Schnitt fast jedes zweite Unternehmen vergeblich nach geeigneten Führungskräften sucht. Die Verantwortlichen der Studie sehen zwar dennoch "gute Voraussetzungen für Deutschland, vom Wachstum der weltweiten Zulieferindustrie zu profitieren". Doch steige das Risiko, dass die Entwicklung an Deutschland "vorbeiwandert", wenn es nicht gelingt, die Rahmenbedingungen zu ändern und eine "marktfähige Ausbildung" hierzulande zu garantieren.

Reformen müssten jedoch schnell greifen, denn bereits in den kommenden zehn Jahren, werde der Zulieferermarkt rasant wachsen, prognostiziert Ferdinand Dudenhöffer, Direktor von CAR. In dieser Zeit werde der weltweite Umsatz der Betriebe um 75 % steigen. Getrieben werde die Entwicklung nicht nur durch die steigende weltweite Autoproduktion. Dabei profitiere die Zuliefererbranche insbesondere von der Verlagerung der Wertschöpfung vom Hersteller auf die Zulieferer und vom Siegeszug der Elektrik und Elektronik im Fahrzeugbau. "Das Auto des Jahres 2010 entwickelt sich zum fahrenden Hochleistungsrechner", resümiert Dudenhöffer. Zum Ende des Jahrzehnts werden drei Viertel des Wertes eines Automobils - bezogen auf Entwicklung und Fertigung - auf Zulieferer entfallen, glaubt der Auto-Professor. Beim Kleinwagen Smart beträgt die Fertigungstiefe nach Angaben von Daimler-Chrysler schon heute weniger als 20 %, bei älteren Konzepten der C-,E- und S-Klasse noch deutlich über 30 %.

Die stärkste Konkurrenz im Zulieferbereich für den Standort Deutschland kommt von den EU-Beitrittskandidaten in Osteuropa. Sie waren, so die Verantwortlichen der Studie, "in den letzten fünf Jahren klare Gewinner bei den Neuansiedlungen" von Betrieben. Mehr als ein Viertel aller weltweit neuen Standorte der Zulieferindustrie lagen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Polen. Diese Verlagerung wird sich unter den aktuellen Bedingungen in Deutschland in Zukunft fortschreiben, glauben die Verfasser. Rund ein Fünftel der befragten Zulieferer gab an, bis 2010 neue Kapazitäten in Osteuropa aufbauen zu wollen. Hauptargument für die Standortentscheidung sind nicht etwa Vorteile bei Arbeits- und Gesamtkosten, sondern die Nähe zu den zu den Produktionsstätten der Automobilhersteller.

Genau darin liegt ein weiteres Problem des Standortes Deutschland. Denn die deutschen Automobilhersteller expandieren seit Jahren hauptsächlich im Ausland. Nach Berechnungen des VDA haben die deutschen Autobauer zwischen 1990 und 2001 ihre Produktion um fast 50 % von 6,8 auf 10,1 Millionen Fahrzeuge erhöht, der Anteil der Inlandsproduktion ging dabei allerdings von 74 auf 56 % zurück.

Im Vergleich dazu spielt der Standort Deutschland in den Zukunftsplänen der Zulieferer noch eine relativ große Rolle. Denn gut jedes vierte Unternehmen will seine Kapazitäten in den kommenden Jahren in den alten Bundesländern ausbauen, allerdings nur jede vierzehnte Firma will in den neuen Ländern Geld in den Ausbau stecken.

Quelle: Handelsblatt

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