Auslandsexpansion soll mit der Uniqa angegangen werden
R+V Versicherung ist fit für Übernahmen

Die R+V Versicherung hat sich dank einer vorsichtigen Anlagepolitik wacker im vergangenen Jahr geschlagen. Sehr vorsichtig geht der Versicherer des genossenschaftlichen Lagers auch seine Auslandsexpansion an. Angesichts von Sondereffekten erzielte der Versicherungskonzern einen Rekordüberschuss.

ali WIESBADEN. Mit ihrer neuen Holding-Struktur zeigt sich die R+V Versicherung offen für Übernahmen. "In den kommenden Jahren werden einige Versicherungsunternehmen Unterschlupf suchen", sagte Jürgen Förterer, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG, der Holding-Gesellschaft des Konzerns, bei der Bilanzvorstellung. "Wir sind aber nicht auf der Suche nach einem Übernahmeziel", dämpfte er gleich Spekulationen. Ein möglicher Kooperationspartner muss nach seinen Angaben vor allem in die Kultur der genossenschaftlichen Finanzgruppe passen. Die R+V ist der Versicherer der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken.

Ebenso vorsichtig geht die viertgrößte deutsche Versicherungsgruppe, die zu 73 % der DZ Bank gehört, ihre Auslandsexpansion an. Derzeit verhandelt die R+V über eine Abgabe ihrer Töchter in Polen und der Slowakei an die Uniqa. Im Gegenzug will sich die R+V "in geringfügigem Maße" an Uniqa, dem Marktführer in Österreich, beteiligen. Die Gespräche sieht der R+V-Chef auf gutem Wege, binnen vier Wochen sollen Ergebnisse vorliegen. "Gemeinsam stoßen Uniqa und R+V gleich in die Spitzengruppe in den Auslandsmärkten vor", begründete Förterer die Zusammenarbeit. Die Uniqa sei für sein Haus überdies der ideale Partner, da der österreichische Versicherer auch zum Lager des genossenschaftlichen Sektors zählt.

Der Konzernumbau zur neuen Holding-Struktur macht die R+V nicht nur fit für Übernahmen; sie brachte der Gruppe auch rund 450 Mill. Euro Sondererträge ein. Als Dachgesellschaft fungiert nun die R+V Versicherung AG, die auch als Konzernrückversicherer auftritt. Sie hält die Anteile zweier Holding-Gesellschaften: der R+V Komposit-Holding GmbH und der R+V Personen Holding GmbH. Die halten wiederum die operativen Töchter, wie R+V Leben und R+V Allgemeine.

"Beim Umbau des Konzerns haben wir zwischenzeitlich 37,4 Prozent der R+V Allgemeine an Finanzinvestoren verkauft und später zurückerworben", erläuterte Konzern-Chef Förterer. Da die R+V Allgemeine mit sehr niedrigen Werten in den Büchern stand, konnten mit Hilfe des Deals Bewertungsreserven gehoben werden. Unter dem Strich verblieb dem Konzern besagter Sonderertrag von 453 Mill. Euro.

Dank des Einmalbetrages und Sonderausschüttungen von Fonds von rund 90 Mill. Euro weist der Konzern einen Rekordüberschuss in 2002 von 727 Mill. Euro aus (siehe Tabelle). Davon sollen die Anteilseigner durch eine Sonderausschüttung 640 Mill. Euro bekommen. Diese behalten das Geld aber nicht, sondern stellen es der R+V wieder als Eigenkapital zur Verfügung.

Ohne oben beschriebene Einmaleffekte hätte der R+V-Konzern einen Ergebniseinbruch erlitten, aber noch schwarze Zahlen ausgewiesen. Hier zahlt sich die vorsichtige Anlagepolitik der Wiesbadener aus. Die Aktienquote inklusive der in Fonds enthaltenen Aktien beträgt nur acht Prozent. Trotzdem hinterließ die Kapitalmarktkrise Spuren in der R+V-Bilanz, aber weniger dramatisch als bei einigen Wettbewerbern wie Ergo oder Axa.

"Unsere stillen Lasten liegen bei 761 Millionen Euro. Rechnet man unsere stillen Reserven dagegen, so haben wir noch einen positiven Reserve-Saldo von 384 Millionen Euro", sagte Förterer. "Wir haben daher beide Stresstests der BaFin bestanden", freut er sich.

Auf Grund der Naturkatastrophen stieg die Schaden-Kosten-Quote deutlich von 99 % auf 105,2 %. Gute Zahlen zeigt die R+V dagegen beim Wachstum (siehe Tabelle): In jeder Sparte wächst der Konzern schneller als der Markt. "Auch das erste Quartal verlief sehr erfreulich", sagte der R+V-Chef. Hauptziel bleibe das organische Wachstum.

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