„Auslaufmodelle“ sollen die Medaillen holen
Angriff der Oldies

Traue jedem über 30! Ausgerechnet die "Auslaufmodelle" sollen bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Paris (23. bis 31. August) ein deutsches Desaster verhindern und die ersehnten Medaillen holen.

HB/dpa PARIS. Doch das wird schwer. Diskus-Riese Lars Riedel war schon fünf mal Weltmeister und ist mittlerweile 36, sein Kollege michael möllenbeck 33, Hammerwerfer Karsten Kobs 31, Diskus-Dame Franka Dietzsch 35, Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss 33. Die Hoffnungen der 31-jährigen Grit Breuer reduzieren sich diesmal ganz auf den Staffelstart über 4 x 400 Meter. Stabhochsprung-Hallenweltmeister Tim Lobinger will sich in Paris ein vorfristiges medaillengeschenk zu seinem 31. Geburtstag am 3. September machen.

"Favoriten sind diesmal die anderen", meint Realist Riedel und erteilt allen verfrühten Hoffnungen und Hochrechnungen eine Absage. Dem Recken aus Chemnitz stecken 20 Jahre Leistungssport in den Knochen, er hat Höhen und Tiefen erlebt - und alles erreicht. "Außerdem hat die Konkurrenz nicht mehr den Respekt vor mir wie früher", erklärt der Sachse. "Denn sie haben mich zu oft besiegt."

Fast ein Jahr war der Olympiasieger von 1996 wegen einer Verletzung außer Gefecht, erst im mai kam der "Herr der Ringe" zurück: mit 67,56 Meter gelang Riedel in Wiesbaden ein eindrucksvolles Comeback. Es war der drittbeste Saisoneinstieg seiner Karriere. Doch die Favoriten sind diesmal andere: Europameister Robert Fazekas (Ungarn) und der Litauer Virgilijus Alekna.

Auch möllenbeck hat medaillenchancen. Vielleicht gelingt dem Em- Dritten von münchen 2002, wo Riedel fehlte, auch in Paris eine Überraschung. Er ist gut drauf und optimistisch. Der Zwei-meter-mann hat den Diskus in diesem Jahr schon 67,42 m weit geschleudert, blieb damit nur 22 Zentimeter unter seiner persönlichen Bestleistung.

Und Astrid Kumbernuss? Die erfolgreichste Kugelstoßerin der Welt war schon 1990, als 20-Jährige, Europameisterin, später bestieg sie drei mal hintereinander (1995, 1997, 1999) den Wm-Thron. Ihre Traumjahre waren 1995 und 1996, als sie eine Superserie hinlegte und in 53 Wettkämpfen ungeschlagen blieb. Doch viele Verletzungen und mutterpflichten kosteten Kraft und Zeit. "Ich habe den Zenit überschritten", weiß Astrid Kumbernuss, für die selbst eine Bronzemedaille in Paris nochmal ein großer Sieg wäre.

Weil einige medaillenhoffnungen verletzt fehlen, ist DLV - Cheftrainer Bernd Schubert ganz glücklich über seine vermeintlichen "Auslaufmodelle". Offenbar hätte er gern noch mehr davon: "Wir sind froh, dass es Athleten gibt, die seit zehn Jahren das Steuer herumreißen." So wie Riedel und Co.

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