Auslieferung der Verantwortlichen verlangt
Israel droht Palästinensern mit Vergeltung

Nach der Ermordung des israelischen Ministers Rehawam Seewi hat Israel hat die palästinensische Autonomiebehörde ultimativ zur Festnahme und Auslieferung der Verantwortlichen aufgefordert.

ap JERUSALEM. Sonst werde Israel die Regierung von Präsident Jassir Arafat als "den Terrorismus unterstützende Einrichtung" einstufen und entsprechen handeln, hieß es in einer am frühen Donnerstag verabschiedeten Erklärung des Sicherheitskabinetts. Israelische Panzer rückten derweil ins Westjordanland vor. Bei Gefechten wurden drei Palästinenser getötet.

Nach dem Mordanschlag vom Mittwoch nahmen palästinensische Sicherheitskräfte am Donnerstag im Gazastreifen drei Mitglieder der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) fest, die sich zu dem Anschlag auf Seevi bekannt hatte. Bislang hat die Autonomiebehörde aber noch nie mutmaßliche Extremisten an Israel ausgeliefert. "Israel muss verstehen, dass wir keine Befehle entgegennehmen", sagte der Generalsekretär des palästinensischen Kabinetts, Ahmed Abdel Rahman. 25 weitere gesuchte PFLP-Mitglieder sind nach Angaben der Sicherheitskräfte untergetaucht. Ein Sprecher der Gruppierung, Ali Dscheradat, wurde vorübergehend zur Befragung in Gewahrsam genommen, später jedoch wieder freigelassen.

Für den Anschlag auf Seewi machte das israelische Sicherheitskabinett Arafat verantwortlich. Er habe militante Gruppen frei gewähren lassen. "Diese Art von Schutz ist genau der, wie ihn auch die Taliban in Afghanistan gewähren", sagte Kabinettsekretär Gideon Saar. Ministerpräsident Ariel Scharon kündigte "einen Krieg bis zum Ende gegen Terroristen, ihre Helfer und Auftraggeber" an.

Laut "Maariv" setzte Scharon Arafat eine Frist von einer Woche, die israelischen Forderungen zu erfüllen. Saar sagte allerdings, ein Datum sei den Palästinensern nicht vorgegeben worden. Arafat hatte den Anschlag verurteilt und erklärt, seine Autonomieregierung bleibe dem Waffenstillstand mit Israel verpflichtet.

Beim Vorrücken israelischer Panzer auf die Städte Dschenin und Ramallah im Westjordanland kam es unterdessen zu Gefechten, in deren Verlauf zwei palästinensische Sicherheitskräfte in Ramallah getötet wurde. In Dschenin wurde das Klassenzimmer einer Grundschule von Schüssen aus Panzern getroffen. Dabei kam nach Angaben palästinensischer Ärzte ein zwölfjähriges Mädchen ums Leben, ein Mitschüler wurde schwer verletzt. Im Jerusalemer Vorort Issarieh wurde eine Ausgehsperre verhängt. Soldaten mit Hunden durchsuchten Häuser, darunter laut Augenzeugen auch das des palästinensischen Ministers Siad Abu Sajjad.

PFLP bekennt sich zu Selbstmordattentat

Die PFLP bekannte sich auch zu einem Selbstmordattentat in der Nähe des israelischen Grenzzauns zum Gazastreifen. Der Angreifer hatte sich am Mittwochabend in die Luft gesprengt und dabei zwei israelische Soldaten verwundet, wie die Militärführung mitteilte. Auf einem Videoband der PFLP wurde ein Mann gezeigt, der vor einem PFLP-Symbol einen Koran in der Hand hielt. Es wäre der erste Selbstmordanschlag einer säkularen palästinensischen Gruppe. US-Präsident George W. Bush verurteilte das Attentat auf Seewi aufs Schärfste, wie sein Sprecher Arie Fleischer in Washington mitteilte. Die Autonomiebehörde müsse nun mit aller Entschiedenheit gegen Terroristen vorgehen.

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