Auslieferung von Osama bin Laden gefordert
USA bringen Kampf gegen Terrorismus vor die UNO

Die USA setzen beim Kampf gegen die Hintermänner der Anschläge von New York und Washington nun auch auf die Unterstützung der Vereinten Nationen. Die USA legten dem UNO-Sicherheitsrat den Entwurf für ein Maßnahmenpaket vor, das etwa die Finanzstrukturen radikaler Gruppen zerschlagen soll.

Reuters NEW YORK. Zugleich kündigte US-Präsident George W. Bush eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen in Flugzeugen an. Während der US-Truppenaufmarsch am Golf weiterging, kündigte die Taliban-Regierung Afghanistans am Donnerstag ein weiteres Treffen einer pakistanischen Delegation mit ihrem Anführer in Kandahar an. Die USA fordern die Auslieferung des Hauptverdächtigen für die Anschläge, Osama bin Laden, dem die Taliban Gastrecht gewähren.

Nach Angaben von Diplomaten fand der Resolutionsentwurf am Mittwoch bei den Ständigen Mitgliedern im UNO-Sicherheitsrat weitgehende Zustimmung. Die US-Regierung hoffe auf rasche Verabschiedung des Pakets von Vorschlägen bei der UNO, möglichst noch vor Beginn der Anti-Terror-Debatte der Vollversammlung am kommenden Montag. Der Resolutionsentwurf sieht zahlreiche Regelungen für Einwanderungs- und Auslieferungsbestimmungen, für den Austausch geheimdienstlicher Informationen, und bei der Verfolgung von Tätern und Gruppen vor, die möglicherweise mit den Anschlägen vom 11. September in Verbindung stehen.

Die USA setzten unterdessen den Aufmarsch ihrer Militärstreitmacht am Golf und im Indischen Ozean fort, ohne konkrete Angaben über ihre militärischen Ziele zu machen. Japan bereitet nach Angaben seines Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi Gesetzentwürfe vor, die dem in seiner Nachkriegsverfassung auf Zurückhaltung verpflichteten Land eine militärisch-logistische Unterstützung der Kampagne gegen den Terrorismus erlauben soll.

Im Bemühen, das Vertrauen verunsicherter US-Flugzeug- Passagiere zurückzugewinnen, wird die US-Regierung nach den Anschlägen von New York und Washington 500 Millionen Dollar (umgerechnet 1,06 Milliarden Mark) für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen in Cockpits bereitstellen. Wie das US-Präsidialamt in Washington mitteilte, soll das Geld vom 1. Oktober an zur Verfügung stehen. Es solle in Umbauten investiert werden, damit Unbefugte nicht mehr in die Flugkanzel gelangen könnten oder ihnen der Zugang erschwert werde. Diese und andere Maßnahmen als Konsequenz auf die mit entführten Passagier-Flugzeugen begangenen Anschläge vom 11. September wollte US-Präsident George W. Bush bei einem Besuch des Flughafens von Chicago im Laufe des Tages vorstellen. Derweil wurden neue Verhandlungsinitiativen zur Beilegung der Krise nach den Anschlägen bekannt. Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saeef, sagte der afghanischen Nachrichtenagentur AIP, eine pakistanische Delegation von Geistlichen und Offiziellen werde zu erneuten Gesprächen mit dem Anführer der Taliban, Mullah Mohammad Omar, in die südafghanische Stadt Kandahar reisen. Vor zehn Tagen hatte bereits eine pakistanische Delegation dort über das Schicksal Bin Ladens beraten. Die Taliban-Führung Afghanistans hat Saeef zufolge zudem ein angebliches Vermittlungsangebot des US-Bürgerrechtlers Jesse Jackson akzeptiert. "Wir haben ihn nicht eingeladen, aber er hat uns ein Angebot zur Vermittlung unterbreitet, das unser Anführer ... gebilligt hat", sagte Saeef. Der amerikanische Vize-Außenminister Richard Armitage sagte hierzu, die Forderungen der USA an die Taliban seien nicht verhandelbar. Dies sei auch Jackson mitgeteilt worden, teilte Armitage im Fernsehender NBC mit. Offenbar gehe es den Taliban darum, Zeit zu gewinnen. Wegen wachsender Versorgungsprobleme und einer Massenflucht aus Afghanistan haben sich Vertreter der Vereinten Nationen (UNO) dafür ausgesprochen, die humanitäre Hilfe für das Land aufzustocken. Der UNO-Untergeneralsekretär für humanitäre Fragen, Kenzo Oshima, sagte am Donnerstag vor einem Treffen der "Afghanistan Support Group" in Berlin, die UNO werde noch am selben Tag ihre Mitglieder um zusätzlich gut eine Milliarde Mark bitten. Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) sprach sich für verstärkte Hilfe aus. Deutschland habe bereits 30 Millionen Mark zugesagt. Die UNO erwartet, dass wegen der erwarteten US-Angriffe gegen das Land 1,5 Millionen Menschen aus Afghanistan fliehen. In Lagern im Iran und in Pakistan befinden sich bereits 3,5 Millionen afghanische Flüchtlinge. bek/ast REUTERS 271726 Sep 01

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