Auslöser einer massiven Regierungskrise
Porträt: Haider meldet sich in Bundespolitik zurück

Für einen Mann, der sich schon mehrmals endgültig aus der Bundespolitik zurückgezogen hat, ist der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider noch immer einer der einflussreichsten Politiker des Landes. Es ist seine erneute Rückkehr auf die politische Bühne, die die Regierungskoalition mit der konservativen Volkspartei (ÖVP) an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Die Zeichen stehen auf Neuwahlen noch in diesem Jahr.

Reuters WIEN. Der 52-jährige Haider ist weder Mitglied der Regierung, noch füllt er derzeit ein Parteiamt aus, ist aber noch immer die dominierende Figur in der Freiheitlichen Partei (FPÖ). Eine Partei, die er geformt und zum Erfolg geführt hat und - wie zuletzt gezeigt - mit eiserner Hand regiert.

Haider hatte sich nach der Regierungsbildung im Jahr 2000 nach 13 Jahren von der Parteispitze zurückgezogen und seitdem wiederholt erklärt, sich aus der Bundespolitik herauszuhalten. Erst in der vorvergangenen Woche hatte er wieder einmal seinen endgültigen Abschied aus der Bundespolitik verkündet.

Haider hat den Machtkampf in der FPÖ gewonnen und den Rückzug von Parteichefin Susanne Riess-Passer und von Finanzminister Karl-Heinz Grasser erzwungen.

Regisseur und Hauptdarsteller

Nun wird es vermutlich erneut Haider sein, der die Richtung vorgibt. Die jüngste Parteiversammlung im steirischen Knittelfeld hat offenbart, für wen das Herz der Partei schlägt. Mehr als die Hälfte der Delegierten folgten der Einladung Haiders und begrüßten ihn mit frenetischem Jubel. Und Haider führte Regie, als die Delegierten unannehmbare Forderungen an Riess-Passer formulierten - neben der Steuersenkung die Rückkehr Haiders auf die bundespolitische Bühne.

Beobachter sehen in Haiders häufigen Meinungsschwenks und seinen häufigen Rückzügen aus der Politik Taktik auf dem Weg zu seinem Ziel - Haider will selbst Kanzler werden.

Jörg Haider hat als Parteichef die FPÖ zur erfolgreichsten rechtspopulistischen Partei Europas gemacht. Als er 1986 auf einem Parteitag putschartig die Parteiführung an sich riss, kam die FPÖ bei den Parlamentswahlen im gleichen Jahr gerade einmal auf 9,7 % der Stimmen. Später gelang es dem Politiker, seinen Stimmanteil beinahe zu verdreifachen.

Umstrittener Porschefahrer

Lange Zeit wurde die FPÖ von den anderen Parteien ausgegrenzt und Haider als Aussätziger betrachtet. Der stets braun gebrannte Porschefahrer Haider ist einer der umstrittensten Politiker Österreichs. Im privaten Kreis oft als offen und einnehmend eingestuft, wird er bei öffentlichen Auftritten zum Populisten, der Ausländer mit Verbrechen in Verbindung bringt, gegen die "Alt"-Parteien ÖVP und die Sozialdemokraten (SPÖ) wettert und den Retter für die "anständigen, fleißigen und tüchtigen" Österreicher gibt.

Auch international hat Haider für Aufregung gesorgt. Ende Januar 2000 hat er Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac als "Westentaschen-Napoleon" bezeichnet. Über Bundeskanzler Gerhard Schröder spöttelte er mit dem Sprichwort, "Ich habe noch einen Koffer in Berlin". In Österreich gilt ein "Koffer" als dummer, einfältiger Mensch.

Rechte Ausfälle

Die erste große Niederlage kam 1991 als er nach einem Lob für "die ordentliche Beschäftigungspolitik im dritten Reich" vor dem Landesparlament in Kärnten als Landeshauptmann zurücktreten musste. Eine schwere Krise durchlebte Haider auch, als sich 1993 Generalsekretärin Heide Schmidt und fünf Abgeordnete von der FPÖ abspalteten und das Liberale Forum (LIF) gründeten. Für Kritik im In- und Ausland hatte Haiders Rede vor SS-Veteranen gesorgt, in der er sie als Männer mit "Ehre und Charakter" bezeichnet. Von all diesen Rückschlägen haben sich Haider und die FPÖ erholt. Im Frühjahr 1999 wurde Haider wieder Landeshauptmann (Ministerpräsident) von Kärnten.

Haider wurde am 26. Januar 1950 in Oberösterreich geboren. Er stammt aus einer Familie mit NS-Vergangenheit. Sein Vater war Mitglied der NSDAP, die Mutter Mitglied des Bundes deutscher Frauen. Die Eltern wären nach dem Krieg zu Demokraten geworden und hätten mitgeholfen, das Land wieder aufzubauen, sagte Haider einmal.

Der Jurist war schon als Student politisch tätig - als Vorsitzender des Ringes Freiheitlicher Jugend. 1976 wurde Haider nach drei Jahren als Assistent an der Juristischen Fakultät der Universität Wien Generalsekretär der FPÖ in Kärnten und begann seinen Aufstieg.

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