Ausmaß der Katastrophe unterschätzt
Preiserhöhungen für Flut-Versicherungen befürchtet

Nach den verheerenden Flutschäden ist das Interesse an Hochwasser-Versicherungen so groß wie nie zuvor. Für besorgte Haus- oder Wohnungsbesitzer wird die Suche nach einem umfassenden Schutz zu einem erschwinglichen Preis nach Einschätzung von Verbraucherschützern und Versicherungsexperten aber schwer.

HB/dpa MÜNCHEN/BERLIN. "Die Versicherungen werden die Situation natürlich ausnutzen", sagte Wolfgang Scholl von der Bundeszentrale der Verbraucherschützer am Donnerstag in Berlin. Künftig würden die Versicherungen Hochwasserpolicen nur noch deutlich teurer anbieten und noch mehr Gebiete vom Versicherungsschutz ausschließen.

Die 2,2 Millionen deutschen Haushalte mit einer Hochwasser-Zusatzversicherung zahlen dafür nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Schnitt rund 40 bis 50 Euro pro Jahr, in Risikogebieten noch einmal deutlich mehr. "Mit einer Verdoppelung der Preise ist durchaus zu rechnen", sagt Carsten Zielke, Versicherungsexperte bei der WestLB. Kleine Versicherungen würden sich möglicherweise ganz aus diesem Geschäftsfeld zurückziehen. Langfristig würden große Anbieter wie die Allianz daher zu den Gewinnern gehören.

Durch saftige Preiserhöhungen wollen die Versicherer nach Einschätzung von Verbraucherschützer Scholl möglicherweise auch Kunden im Osten los werden, die dank der alten DDR- Haushaltversicherung noch immer zu günstigen Konditionen gegen Hochwasser versichert sind. "Die wollen sie weg ekeln." Nach der Wende hatte die Allianz Millionen der alten DDR- Haushaltversicherungen übernommen. Anders als bei der im Westen üblichen Hausratversicherung ist in dieser Versicherung auch der Schutz vor Hochwasserschäden enthalten. Auf diesem Weg sind noch einmal etwa 3 Millionen Haushalte gegen Hochwasser versichert.

Derzeit können besorgte Haus- oder Wohnungsbesitzer bei kaum einer Versicherung überhaupt eine neue Hochwasser-Police abschließen. Als Reaktion auf die Katastrophe an Elbe und Donau haben etliche Versicherungen, darunter die Allianz, den Verkauf der so genannten Elementarschutzversicherungen vorerst gestoppt. "Man kann nicht ein brennendes Haus versichern", begründet Stephan Schweda vom GDV die Entscheidung.

Das Ausmaß der Katastrophe habe auch die Versicherungen überrascht, sagt Schweda. "Mit so einem Ereignis hat niemand gerechnet." Es sei daher klar, dass die Versicherungen auf das neue Risiko reagieren müssten. "In welcher Form dies sein wird, lässt sich noch nicht absehen." Mögliche Folgen könnten sowohl Preiserhöhungen als auch höhere Selbstbeteiligungen sein. Denkbar sei auch, dass mehr Gebiete als bislang vom Hochwasser-Versicherungsschutz ausgeschlossen werden.

Zu den bereits bislang ausgeschlossenen Regionen gehören wegen des extrem hohen Risikos unter anderem ufernahe Gebiete in Passau und Köln. In den anderen Regionen müssen Haus- und Wohnungsbesitzer zusätzlich zur Hausratversicherung eine Elementarschutzversicherung abschließen, um gegen Hochwasserschäden versichert zu sein. Diese Versicherung leisten sich nach Angaben des GDV nur rund 2,2 Millionen Haushalte in Deutschland. Bei der nächsten Preisrunde dürften nach Einschätzung von Verbraucherschützer Scholl auch sie stärker zur Kasse gebeten werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%