Ausnahmezustand in Inzell
Mama Friesinger hat Schüttelfrost

Auch ihre engsten Verwandten hat Olympiasiegerin Anni Friesinger auf eine harte Probe gestellt. "Ich hatte Schüttelforst und wusste nicht, ob ich krank werde, oder was sonst mit mir passiert.

HB/dpa INZELL. Ich brauche noch ein paar Tage, um das alles zu begreifen", rang die Mutter der 25 Jahre alten Eisschnellläuferin, Janina Friesinger, knapp zehn Stunden nach dem Triumph ihrer Tochter immer noch nach Worten.

Während im proppenvollen Festsaal von Friesingers Heimatgemeinde Inzell 600 Fans am Mittwoch gegen Mitternacht sogar eine Hymne auf "ihre" Anni intonierten, telefonierte das Gold-Kind bereits mit ihrer Mutter: "Mama, ich hab's geschafft. Mir fehlen einfach die Worte." Die Nerven fehlten dagegen ihrer "kleinen" Schwester Agnes. Die 17- Jährige schloss sich während der dramatischen Entscheidung über die 1500 m sogar in ihrem Zimmer ein. "Ich sollte ihr erst Bescheid geben, wenn alles vorbei ist", erklärte Janina Friesinger.

Diesmal zog sie es vor, die 1500-m-Rennen zu Hause vor dem Fernseher zu verfolgen und nicht im Festsaal wie vor zehn Tagen bei Annis viertem Platz über 3000 m. "Da kriegt man von dem Rennen ja gar nichts mit." Die begeisterten Anni-Anhänger bekamen aber beim Gold- Lauf ihrer Nachbarin, Bekannten, guten Freundin und ehemaligen Mitschülerin genug mit, um sich am Ende mit feuchten Augen in die Arme zu fallen.

Und die Hymne auf die 25-Jährige zu schmettern. Denn frei nach dem Gassenhauer "Ich bin der Anton aus Tirol" schallte es nach Anni Friesingers Triumph-Lauf gegen Mitternacht "Ich bin die Anni aus Inzell" durch den Festsaal. Bis in die frühen Morgenstunden ließen die begeisterten Gäste alle Fünfe gerade sein, bewirtet von Kellnern in frisch gedruckten T-Shirts mit Annis Konterfei.

Da mussten wohl einige Chefs am "Tag danach" ein Auge zudrücken. Denn: "Es ist schon Ausnahmezustand", schilderte Petra Lorenz, Sekretärin der Stadion-Leitung, die Stimmung. Eigens aus München oder Umgebung angereiste Friesinger-Fans hatten sich vorsorglich den Donnerstag frei genommen.

Gerne zur Arbeit zog es trotz Krankheit Bürgermeister Oskar Wimmer. "Mit diesem herausragenden Ereignis werden die Inzeller noch mehr hinter dem Eisschnelllauf stehen, als sie es ohnehin schon tun", sagte das verschnupfte Gemeindeoberhaupt, das auf Grund einer Antibiotika-Behandlung nicht einmal richtig auf den Sieg anstoßen konnte. Am kommenden Mittwoch wird Inzell seine Olympia-Teilnehmer am Rathausplatz begrüßen.

Tags zuvor steht Anni Friesinger in Berlin bei einer Pressekonferenz zum ersten Mal nach ihrer Rückkehr aus Salt Lake City Rede und Antwort, kündigte ihr schwäbischer Manager Klaus Kärcher an. Auch er habe ein Träne verdrückt. Vor allem als er mit der Weltrekordlerin telefoniert habe. "So habe ich Anni noch nie erlebt", meinte Kärcher.

Natürlich sei der Druck auf sie enorm gewesen und "wenn sie ohne Medaille nach Hause gekommen wäre, wäre der Spott und Hohn ins Unermessliche gestiegen". Auswirkungen auf die Vermarktung von Anni Friesinger hätte das aber nicht gehabt. "Unabhängig von Olympia gehört Anni schon wegen ihres Alters die Zukunft", sagte Kärcher.

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