Ausreichende Zahl an Bewerbern
Bayer hält an Hörster fest und sucht einen Sportdirektor

Die Angst sitzt tief. "Es tut weh, zwei Wochen auf den Abstiegsplatz gucken zu müssen. Doch wir werden uns neu positionieren." Reiner Calmund, Manager von Bayer Leverkusen, will in der Ruhe der Länderspielpause die Kraft zum bisher vergeblichen Aufbäumen seiner Fußball-Profis gegen den Absturz finden.

HB/dpa LEVERKUSEN. Platz 17 schreckt, aber bis zum ersten April-Wochenende soll die Neuorientierung nach oben umgesetzt sein. Dabei stellt Calmund eines nicht in Frage: Die Position des umstrittenen Trainers Thomas Hörster. Der 46-Jährige tapst mit unbedachten Äußerungen von einem Fettnäpfchen in das nächste, steht aber nicht zur Disposition. "Klipp und klar: Der Trainer bleibt im Amt", erklärt Calmund unwirsch.

Paul Breitner hat Zweifel, ob diese Nibelungentreue richtig ist. "Reiner Calmund ist sich sicher dessen bewusst, dass er einen Fehler gemacht hat, an Klaus Toppmöller zu lange festgehalten zu haben", meinte der Ex-Nationalspieler. Das Risiko, jetzt mit Hörster weiter zu machen und dann eventuell in die 2. Liga abzusteigen, könne zu groß sein. Am Ende müsse Calmund "die Verantwortung für diesen Abstieg in erster Linie tragen". Dazu ist der Bayer-Manager auch bereit: "Ich habe die Verantwortung und kann damit leben."

Nicht ausgeschlossen ist, dass Leverkusen zur Stärkung im sportlichen Existenzkampf kurzfristig noch einen Sportdirektor engagiert. "Nach wie vor wollen wir den Posten besetzen. Wir haben auch ein, zwei Kandidaten, die jedoch momentan nicht frei sind", sagte Calmund. Und: "Wir wollen die richtige Lösung finden, egal, ob derjenige alt oder jung ist."

Damit pocht der 54 Jahre alte "Mr. Leverkusen" auf seine Handlungsfreiheit, die er durch Äußerungen des Sportbeauftragten des Bayer-Konzerns, Meinolf Sprink, eingeschränkt sehen musste. Schließlich hatte Sprink angesichts der Bemühungen um den ehemaligen Meistertrainer Otto Rehhagel davon abgeraten, einen Experten aus der "alten Garde" zu verpflichten.

An Bewerbungen fundierter Kenner um den Sportdirektoren-Posten, der seit Rudi Völlers Wechsel zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) verwaist ist, fehlt es offenbar nicht. "Obwohl wir auf einem Abstiegsplatz stehen, haben alle renommierten Persönlichkeiten, die momentan frei sind, Interesse. Damit könnten wir einen ganzen Bus füllen", sagte Calmund der dpa.

Doch Calmund weiß: Es wird nicht einfach werden, den Bundesliga- Untergang nach 13 Niederlagen und sechs Unentschieden in 26 Spielen noch zu verhindern. Mit Blick auf das Restprogramm sagt Calmund: "Es ist bitter, ja." Mit Hertha BSC, dem VfB Stuttgart und Schalke 04 warten zunächst drei Teams aus dem ersten Tabellen-Drittel auf Bayer. Hoffnung gibt in dieser schlimmen Lage die Aussicht auf die baldige Rückkehr von Weltmeister Lucio. Denn die zum Teil völlig verunsicherte Bayer-Abwehrreihe - mit 42 Gegentoren hat Leverkusen die fünftschlechteste Defensive der Liga - braucht Stabilität.

"Ich kann und will helfen", sagte der Brasilianer, der am Sonntag nach seiner Fußoperation vor Weihnachten erstmals mit dem neuen Coach Hörster zusammen traf. Lucio wird allerdings frühestens in Stuttgart am 12. April wieder im Kader stehen können.

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