Ausreiseforderung soll überbracht werden
Taliban: Bin Laden verschollen

Die Taliban-Regierung Afghanistans weiß nach eigenen Angaben nicht, wo sich der von den USA gesuchte Islamist Osama bin Laden aufhält. Der Sprecher des Taliban-Anführers Mullah Mohammad Omar sagte am Sonntag, man suche Bin Laden, um ihm die von einem Klerikerrat beschlossene Aufforderung zur Ausreise zu übergeben.

Reuters ISLAMABAD. Die USA widersprachen der Darstellung und erklärten, die Taliban wüssten, wo Bin Laden sich aufhalte. Das britische Verteidigungsministerium nahm nicht zu Presseberichten Stellung, wonach eine Vorhut britischer Elitesoldaten bereits im Norden Afghanistans im Einsatz sei.

Ein Rat hochrangiger Geistlicher der Taliban hatte Bin Laden am Donnerstag zur freiwilligen Ausreise aufgefordert. Omar unterstütze die Forderung des Rats, sagte der Sprecher des Taliban-Anführers, der sich telefonisch bei der Nachrichtenagentur Reuters aus Kandahar meldete. Es sei nicht bekannt, ob sich Bin Laden noch in Afghanistan aufhalte. Bin Laden wird von den USA als Hauptverdächtiger für die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium bei Washington gesucht, bei denen vermutlich mehr als 6800 Menschen getötet wurden. Die USA fordern seine umgehende Auslieferung, dem die Taliban seit Jahren Gastrecht in Afghanistan gewähren.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld antwortete im Fernsehsender CBS auf die Frage, ob er der Darstellung des Taliban-Sprechers Glauben schenke: "Natürlich nicht. Sie (die Taliban) wissen, wo er ist." Die Darstellung der Taliban sei lächerlich. In den USA endete die von der Regierung ausgerufene Zeit der Staatstrauer, die nach den Anschlägen ausgerufen worden war. Auf dem Landsitz des US-Präsidenten in Camp David wurde in Bushs Beisein die US-Fahne von halbmast wieder auf volle Masthöhe gehisst.

Sanktionen aufgehoben

Die USA hoben ihre Sanktionen gegen die Atommächte Indien und Pakistan auf. Die Maßnahmen seien nicht im Interesse der nationalen Sicherheit der USA, sagte Bush. Das Ende der Sanktionen war erwartet worden, nachdem beide Staaten den USA ihre Unterstützung im Kampf gegen Bin Laden zugesagt hatten. Die USA hatten die Strafmaßnahmen als Reaktion auf deren Atomwaffentests 1998 verhängt. Indien und Pakistan begrüßten die Entscheidung Bushs.

Pakistan forderte die USA zugleich auf, öffentlich Beweise für eine Verwicklung Bin Ladens in die Anschläge vorzulegen. Der Sekretär des Präsidenten Pervez Musharraf, Tarik Asis, sagte, die Öffentlichkeit in Pakistan und in der Welt werde sich erst dann zufrieden geben, wenn Beweise für die Rolle Bin Ladens offen gelegt würden. US-Außenminister Colin Powell sagte dem Fernsehsender NBC, die USA würden in "naher Zukunft" Beweismaterial vorlegen, das Bin Ladens Verwicklung belege.

Größter Militäraufmarsch seit Golf-Krieg

Die USA setzten derweil den größten Militäraufmarsch im Mittleren Osten seit dem Golf-Krieg von 1991 fort. Aus dem US-Verteidigungsministerium verlautete am Wochenende, weitere Flugzeuge, darunter Tankflugzeuge, bewegten sich auf ein Gebiet in Reichweite Afghanistans zu. Sie sollten sich einer Flotte von fast 350 Flugzeugen anschließen, die in der Region bereits stationiert seien. Zudem sei die Einberufung weiterer rund 5000 Reservisten angeordnet worden.

Das britische Verteidigungsministerium kommentierte Presseberichte nicht, wonach bereits britische Soldaten in Afghanistan im Einsatz seien. Die Zeitung "Mail on Sunday" hatte berichtet, ein vierköpfiges britisches Aufklärungskommando der Elite-Einheit SAS habe sich am Freitag nahe Kabul ein Feuergefecht mit Taliban-Kämpfern geliefert. Die Zeitung "Sunday Times" berichtete, die SAS operiere im Norden Afghanistan gemeinsam mit dem britischen Auslandsgeheimdienst MI6 und dem amerikanischen CIA, um Bin Laden aufzuspüren.

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