Ausreißer-Sieg in Bordeaux
Jubiläums-Tour bleibt spannend

Erik Zabel und die anderen Sprinter hatten sich verrechnet. Bordeaux, das klassische Tour-Terrain für einen Massenspurt, empfing am Ende der 17. Etappe der 90. Frankreich-Rundfahrt nach 181 km eine Ausreißergruppe.

HB/dpa BORDEAUX. Bei der 17. Etappe der Jubiläums-Tour war Servais Knaven der Schnellste und holte sich den ersten diesjährigen Tagessieg für einen Niederländer. Der Sieger, der sich 18 km vor dem Ziel abgesetzt hatte und seinen ersten Tour-Teilsieg feiern konnte, verwies den Italiener Paolo Bossoni mit 17 Sekunden Rückstand auf den zweiten Platz.

An der Spitze der Gesamtwertung gab es wie am Vortag keine Veränderungen: Die Favoriten sparten ihre letzten Kräfte für das 49 km lange Einzelzeitfahren am Samstag von Pornic nach Nantes. Der vierfache Toursieger Lance Armstrong liegt weiter mit 1:07 Minuten vor Jan Ullrich und 2:45 Minuten vor dem Telekom-Fahrer Alexander Winokurow an der Spitze. Sie kamen gemeinsam mit dem Hauptfeld ins Ziel. "Für die Mannschaft kommt es darauf an, Jan zu schützen", beschrieb Bianchi-Teamchef Rudy Pevenage die Taktik bis zum Samstag.

Die Prognosen für die alles entscheidende Etappe am Samstag gehen weiter in Richtung Armstrong. "Auch, wenn noch viel passieren kann, sage ich: Mit Lance hat der richtige Fahrer die Tour gewonnen. Aber Jan ist super gefahren und hat eine gute Arbeit gemacht. Vielleicht hat er bei einigen Gelegenheiten einige Sekunden verschenkt", meinte vor dem Start der 17. Etappe Ullrichs ehemaliger Mannschafts-Kapitän und jetzige CSC-Teamchef Bjarne Riis, der die Tour ein Jahr vor dem gebürtigen Rostocker 1996 gewonnen hatte. "Jan wird am Samstag ein gutes Rennen fahren. Seine Form ist weiter ansteigend. Ob es noch ein Mal zu solch einem Ding fähig ist wie beim ersten Zeitfahren, kann ich nicht sagen", erklärte Bianchi-Teamchef Rudy Pevenage.

Das Feld reagierte zu spät

Die zehnköpfige Spitzengruppe - ohne deutschen Fahrer - hatte sich am Donnerstag, als zum ersten Mal bei der Tour leichter Regen fiel, kurz nach dem Start gebildet. Sie harmonierte und baute ihre Führung zeitweise auf über 15 Minuten aus. Dann erst reagierte das müde Feld - zu spät. Knaven, der vor zwei Jahren Paris-Roubaix gewonnen hatte, sprang 18 km vor dem Ziel von der Ausreißergruppe weg. Er konnte einen 17-Sekunden-Vorsprung vor seinen ersten Verfolgern retten. Das Feld erreichte Bordeaux erst 8:06 Minuten nach Knaven.

"Man hat das Gefühl gehabt, dass die Jungs vorn ein Mannschaftszeitfahren absolvieren. Ich bin die Etappe schon oft gefahren, aber so schnell war es noch nie", meinte Erik Zabel, der schon zwei Mal in Bordeaux siegreich war. Im Massensprint des Hauptfeldes konnte er diesmal nur wenige Pluspunkte sammeln im Rennen um das Grüne Trikot, das ihn nach eigener Aussage ohnehin nicht mehr interessiert. Der deutsche Meister unterlag im Kampf um Platz elf dem Australier Robbie McEwen. Hinter Zabel kam der Träger des Grünen Trikots Baden Cooke (Australien) auf Rang 13.

Am Morgen vor dem Start hatte der Telekom-Kapitän, der bei der diesjährigen Tour weiter auf seinen insgesamt 13. Etappenerfolg wartet, seine Äußerungen vom Vortag, der jahrelange Kampf um das Grüne Trikot hätte seine Karriere ruiniert, etwas relativiert. "Dadurch, das ich sechs Mal hintereinander die Punktwertung gewann, entstand ein unheimlicher Erwartungs-Druck, unter dem ich sehr gelitten habe. Ich versuche jetzt anders heranzugehen und sehe das jetzt alles lockerer. Das Trikot interessiert mich nicht", sagte der 33-Jährige, der mit dieser Einstellung vielleicht auch eine besondere Art der persönlichen Motivation gefunden hat.

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