Ausrichtung auf defensive Werte
Deutsche Bank: Anschläge ändern Anlagestrategie kaum

Die Deutsche Bank wird nach Worten eines ihrer Aktienstrategen wegen der Anschläge in den USA vermutlich wenig an ihrer Anlagestrategie in Europa ändern.

Reuters FRANKFURT. "Wir überprüfen unsere Strategie selbstverständlich. Allerdings waren wir bereits zuvor auf schwache Märkte ausgerichtet, so dass sich wahrscheinlich wenig ändern wird", sagte Europa-Stratege Bernd Meyer. Die Deutsche Bank werde nicht viel an ihrer Sektorallokation in den Portfolios ändern. "Wir hatten bereits vor den Anschlägen Versicherungen untergewichtet und Öl übergewichtet."

Anders als die Deutsche Bank hatte die Investmentbank Goldman Sachs am Mittwoch in einem Analyse-Papier mitgeteilt, die Ereignisse in den USA stelle die Anlagestrategie des Instituts in Europa auf den Kopf.

Entscheidungen über mögliche Neuausrichtungen werden Meyer zufolge zurzeit durch die hohen Unsicherheiten infolge der Anschläge erschwert. "Die Anschläge könnten sich auf das Verbraucher- und Geschäftsvertrauen auswirken", sagte Meyer. Ob dies aber eintrete, hänge vor allem von der Reaktion der Politik ab. "Die Frage ist: Wie wird Amerika reagieren und werden alle anderen mit im Boot sitzen", sagte Meyer. Auf den Golfkrieg vor zehn Jahren hätten die Börsen positiv reagiert, allerdings sei im Moment noch kein klarer Feind für die USA zu erkennen.

Der Markt befindet sich nach Einschätzung Meyers nach wie vor in einer Situation wie in anderen Abschwungsphasen auch. "Der Markt hatte jetzt noch einmal einen drauf bekommen, aber auch in anderen Abschwungsphasen waren die Kurse zum Teil für Monate auf günstigem Niveau", sagte Meyer. Es sei nicht zu erkennen, warum sich der Abschwung fortsetzen sollte, allerdings deute sich auch noch keine deutliche Erholung an.

Ausrichtung auf defensive Werte

Die Strategie der Deutschen Bank sei bereits zuvor auf defensive Werte ausgerichtet gewesen, sagte Meyer weiter. "Vielleicht gehen wir vorübergehend noch etwas stärker in defensive Werte", sagte Meyer. Er nannte vor allem Versorger und Nahrungsmittel- und Getränkewerte, die seiner Einschätzung nach von den Anschlägen profitieren dürften.

Eine weitere Untergewichtung von Versicherungswerten sei fraglich, da hausinterne Branchen-Analysten die kräftigen Abschläge bei den Versicherern als übertriebene Marktreaktion einschätzten. Werte aus dem Gesundheitsbereich würde die Deutsche Bank trotz der starken Gewinne der zwei vergangenen Tage eher nicht stärker gewichten, da diese Werte bereits sehr teuer seien. "Es wäre Wahnsinn, dort jetzt einzusteigen", sagte Meyer. Auch Aktien aus dem Sektor der Nicht-Zyklischen Güter seinen eher zu teuer.

Öl-Werte wurden bisher "übergewichtet"

Öl-Werte hatte die Deutsche Bank nach Worten von Meyer schon vor den Anschlägen in den USA übergewichtet. Ein noch stärkeres Gewicht werde man wohl nicht auf solche Werte setzen, da die ersten Reaktionen der Ölpreise übertrieben gewesen seien, sagte Meyer. Im Gegensatz zum Golfkrieg werde nach jetztigem Stand nicht das Angebot nachlassen, sondern die Nachfrage nachgeben. "Die Opec-Staaten wollen tolle Weltbürger sein", sagte Meyer. Daher werde es nicht zu einer Angebotsverknappung kommen. "Die Opec wird den Ölpreis in der von ihr angestrebten Spanne von 22 bis 28 Dollar je Barrel (159 Liter) halten. Die momentane Lage der Weltwirtschaft und auch Aktionen wie die gestrichenen Flüge vieler Fluglinien sprächen für eine nachlassende Öl-Nachfrage.

Für eine Aussage über die Aktien von Touristik-Unternehmen seien die Unsicherheiten noch zu groß. "Die Unsicherheit ist groß, besonders weil die Märkte so schnell reagiert haben", sagte Meyer. Es sei nun die Frage, ob in den Kursverlusten der vergangenen Tage nicht doch schon alles eingepreist sei und ob die Märkte nicht überreagiert hätten. Die Entwicklung besonders der Touristik-Werte werde davon abhängen, wie die Verbraucher weltweit auf die Anschläge und die noch ausstehenden politischen Aktionen reagieren werden, sagte Meyer.

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