Ausrüster will in der Krise zukaufen
Süss Microtec profitiert von neuer Chip-Technologie

Mit einem neuartigen Herstellungsverfahren für Chips will Süss Microtec in den nächsten Jahren seinen Konkurrenten Marktanteile abringen. Analysten halten den Hersteller von Geräten für die Chipfertigung wegen seines technologischen Vorsprungs gerade im Branchenabschwung für gut gerüstet.

MÜNCHEN. Franz Richter ist mutig. Mitten in der Chipkrise denkt der Vorstandschef der Süss Microtec AG an Akquisitionen. "Im dritten Quartal werden einige Firmen mit für uns interessanter Technologie Cash-Probleme bekommen", sagt Richter. Der Hersteller von Fertigungs- und Prüfsystemen für Halbleitertechnik und Mikroelektronik liegt mit einer Kriegskasse von 35 Mill. Euro auf der Lauer und kann zudem ein genehmigtes Kapital von 6 Mill. Aktien einsetzen. Konkreter will Richter aber nicht werden.

Die offensiven Äußerungen des Vorstandschefs erscheinen auf den ersten Blick erstaunlich. Immerhin droht dem Markt für Geräte zur Halbleiterproduktion, der im Boomjahr 2000 noch um 85 % gewachsen war, in diesem Jahr ein Einbruch um ein Drittel. Konkurrenten wie die holländischen Firmen ASML und SEZ sowie die US-Firma Applied Materials leiden stark unter dem Negativtrend. Anders Süss: Richter rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von 30 % auf 210 Mill. Euro und einer Steigerung des Gewinns nach Steuern von 12 auf 16 Mill. Euro. Die Prognose hat er in der vergangenen Woche noch einmal bekräftigt.

Neuartige Herstellungsverfahren

In der Halbleiter-Branche, so erläutert Analyst Markus Krämling von UBS Warburg, werde bei den derzeitigen Überkapazitäten nicht in Kapazitätserweiterung, sondern fast ausschließlich in neue Technologie investiert. Und die bietet Süss an. Bis 2004, so glaubt Richter, werden 15 % der Hersteller das neuartige Herstellungsverfahren verwenden - heute sind es weniger als 2 %.

Technologisch kann es mit Süss nur die US-Firma Ultra Tech Steppers, San Jose, aufnehmen. Die Technologie des Wettbewerbers ist nach einer vergleichenden Studie des japanischen Elektronikkonzerns Fujitsu zwar etwas exakter für spezielle kleinere Halbleiterserien, aber bei der Massenfertigung habe Süss eindeutig Kostenvorteile.

Die Kundenliste von Süss liest sich wie das "Who is Who" der Chiptechnik: Intel, Siemens, IBM oder Motorola. Intel wendet bereits beim Pentium 4 Prozessor die Süss-Technologie an. Der weltgrößte Prozessorenhersteller ist auch der größte Kunde von Süss. Prozessoren machen aber nur rund ein Viertel der weltweiten Halbleiterfertigung aus. Gelingt Süss auch der Sprung in die Speicher-Chipfertigung (so genannte D-Rams), dann wäre das Unternehmen in kurzer Zeit kein Nischenanbieter mehr. Die Chancen dazu bestehen durchaus. So vertraut die Siemens-Tochter Infineon bei ihrer Testproduktion für die zukunftsweisende 300-Millimeter-Wafer-Fertigung im neuen Werk in Dresden auf Süss-Geräte.

Die Aktie schlägt sich wacker

Der Durchbruch bei Speicherchips würde auch dem Aktienkurs, der in den letzten Wochen von 40 Euro auf 31 Euro zurückging, wieder Schwung verleihen. Doch verglichen mit den sonstigen Kursstürzen am Neuen Markt nimmt sich dieser Rückgang bescheiden aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Papieren in diesem Segment notiert Süss auch noch deutlich über dem Emissionskurs von 13 Euro im Mai 1999. Trotz der Skandalgeschichten am Neuen Markt strebt Richter die Aufnahme von Süss in den Nemax-50-Index der größten Wachstumswerte an. Immerhin liegt der Kurs der Süss-Aktie um 130 % über dem Ausgabekurs, während der Nemax 50 in der gleichen Zeit rund 70 % verlor.

"Das Unternehmen erweist sich ausgerechnet im Halbleiter-Abschwung als sehr gut gewappnet", sagt auch Uwe Schupp von ABN Amro. Das stimme ihn erst recht positiv für den nächsten Aufschwung. Wegen der starken Abhängigkeit vom sehr zyklischen Halbleitermarkt und vom US-Dollar - 40 % des Umsatzes wird in den USA erzielt - hat Krämling von UBS Warburg die Aktie vorerst nur auf "halten" gestellt. Gino del Bufalo von der Deutschen Bank sieht bei Süss hohes Potenzial und empfiehlt den Kauf. Allerdings könne die Wachstumsperspektive durch eine langfristige Rezession in der Halbleiterindustrie sich mittelfristig einschränken. Langfristig werde sich die Technologie von Süss aber durchsetzen, sagt del Bufalo. Zudem müsse man auch beobachten, wie sich Ultra Tech Steppers technologisch weiterentwickele. Insgesamt ist das Votum der Analysten aber positiv: Die Kursziele liegen teilweise deutlich über 40 Euro.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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