Aussagen von Issing als möglicher Grund
Analysten: EZB wird möglicher Zinssenkung der Fed nicht folgen

Die EZB wird einer möglichen Leitzinssenkung der Fed nach Einschätzung von Analysten nicht direkt folgen, was die Experten unter anderem mit den jüngsten Aussagen von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing begründeten.

Reuters FRANKFURT. "Issing hat die Zinssenkung vom 17. September als außergewöhnlich bezeichnet", sagte Stephan Rieke, Volkswirt der BHF Bank, mit Blick auf die konzertierte Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Fed vor zwei Wochen in Reaktion auf die Anschläge in den USA. Daher sei es unwahrscheinlich, dass die EZB einem Zinsschritt der Fed erneut folgen würde.

Die Fed tagt am Dienstag und wird nach überwiegender Einschätzung von Analysten ihren Schlüsselzins um weitere 50 Basispunkte auf dann 2,50 % senken. Die Entscheidung wird gegen 20.15 MESZ bekannt gegeben.

Allerdings weisen die Analysten darauf hin, dass die EZB auch auf die derzeit sehr schwache Konjunktur in der Euro-Zone reagieren werde. Die Mehrzahl der Volkswirte erwartet denn auch eine weitere Zinssenkung der EZB bis zum Jahresende, viele rechnen damit schon Ende Oktober.

Keine unmittelbare Reaktion erwartet

Da Issing darauf hingewiesen habe, dass die konzertierte Zinssenkung eine Not-Reaktion gewesen sei, erwartet etwa Manuela Preuschl von der Deutschen Bank Research keine unmittelbare Reaktion der europäischen Währungshüter. "Die EZB hat signalisiert, dass sie ihre Ziel nicht verändert hat." Weiterhin achte die Zentralbank auf den Erhalt der Preisstabilität und die Entwicklung der Konjunktur in der Euro-Zone.

Issing hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, die Zinssenkung um 50 Basispunkte auf 3,75 % im Schlüsselzins am 17. September sei vor allem mit Blick auf die psychologische Wirkung erfolgt. "Wir wollten bewusst ein Zeichen setzen. Dies ist und war ein Ausnahmefall nicht der Beginn einer Abkehr von unserer Strategie", sagte Issing. Er warnte davor, die Möglichkeiten der Geldpolitik zu überschätzen. "Der Geldpolitik häufig ein Einfluss unterstellt, den sie gar nicht haben kann."

Allerdings macht die ähnliche konjunkturelle Lage in der Euro-Zone und den USA den Analysten zufolge einen baldigen Zinsschritt der EZB wahrscheinlich. "Die EZB und die Fed sehen sich dem gleichen Problem einer sich rasant verschlechternden Wirtschaftslage gegenüber. Es gibt nicht so viele Reaktionsmöglichkeiten für die Geldpolitik", sagte Rieke. "Gleiche Probleme legen ähnliche Antworten nahe."

Konjunkturentwicklung mit dem entscheidenden Einfluß

Auch Preuschl wies darauf hin, dass zumindest indirekt die Konjunkturentwicklung einen entscheidenden Einfluss auf die Zinsentscheidung der EZB habe. "Die EZB schaut dabei vor allem auf die Inlandskonjunktur. Allerdings ist in einer vernetzten Welt keine vom globalen Geschehen isolierte Politik möglich."

Ein weiteres Argument für eine baldige Zinssenkung der EZB ist nach Ansicht der Volkswirte die rückläufige Tendenz in der Euro-Zone. "Von der Inflationsseite her gibt es Entwarnung", sagte Rieke. Die Jahresteuerungsrate nähere sich dem EZB-Referenzwert für Preisstabilität von zwei Prozent an und das Wachstum der Geldmenge M3 habe im Moment keine große Aussagekraft. Die Jahresteuerung ging in Deutschland im September auf 2,1 % zurück. Das Wachstum der Geldmenge in der Euro-Zone lag im August mit 6,4 % im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt deutlich über dem EZB-Referenzwert von 4,5 %. Die Notenbank selbst betonte aber, dass das Geldmengenwachstum aber nach oben verzerrt sei.

Sowohl Preuschl als auch Rieke rechnen nach eigenen Worten mit einer weiteren Zinssenkung der EZB im Oktober. "Wir erwarten schon im Oktober den nächsten Schritt um 25 Basispunkte und sehen die Leitzinsen bis zum ersten Quartal 2002 bei 3,0 %", sagte Preuschl. 45 von Reuters befragte Volkswirte erwarten im Mittel eine Reduktion des Schlüsselzinses der EZB um 25 Basispunkte auf 3,5 % bis zum Jahresende. Dass die Notenbank aber auf ihrem auswärtigen Treffen am 11. Oktober in Wien die Zinsen reduzieren wird, gilt als wenig wahrscheinlich. Deshalb rückt die übernächste Ratssitzung am 25. Oktober in den Mittelpunkt.

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