Ausschließlich institutionelle Investoren im Visier
Neuer Schub für den Verbriefungsmarkt

Der deutsche Verbriefungsmarkt bekommt weiteren Schwung. Kommenden Montag wird erstmals ein deutscher Fonds aufgelegt, der fast ausschließlich in Verbriefungen (Asset Backed Securities / ABS) investiert. Die Asset-Management-Tochter der Commerzbank, Cominvest, bringt den Fonds auf den Markt und erwartet innerhalb der kommenden zwölf Monate Anlagen in dreistelliger Millionenhöhe. Der Fonds der Cominvest ist der erste dieser Art, der von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt wurde.

FRANKFURT/M. Die Cominvest-Geschäftsführung geht davon aus, dass Wettbewerber dem Beispiel rasch folgen werden. Zu Recht: Die Fondstochter der Deutschen Bank, DWS, plant einen offenen ABS-Fonds für institutionelle Investoren, bestätigte Markus Hammes, verantwortlich für ABS-Produkte bei der DWS.

"Wir sind überzeugt, dass der ABS-Markt in Europa und besonders in Deutschland stark wachsen und für institutionelle Investoren zunehmend interessant wird", sagte Cominvest-Geschäftsführer Claus Weltermann dem Handelsblatt. Er erwartet, dass nach der Reform des EU-Investmentrechts weitere ABS-Fonds in Deutschland zugelassen werden. 2004 soll die OGAW-Richtlinie (Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren) in Kraft treten und ABS-Fonds mehr Spielraum geben.

Der Markteintritt von Fonds dürfte dem Verbriefungsmarkt in Deutschland jetzt auch von der Nachfrageseite zusätzlichen Antrieb geben. Auf der Angebotsseite hatten im April die Großbanken zusammen mit der KfW und der Sparkassen-Gruppe eine Verbriefungsinitiative gegründet, um gemeinsam ABS anzubieten. Sie hatten Druck gemacht, in Deutschland bislang erschwerte True Sale-Transaktionen rechtlich und steuerlich zu fördern, was der Gesetzgeber im Mai umgesetzt hat. Bei True-Sale-Verbriefungen werden Forderungen wirklich verkauft - bei den bislang meist genutzten synthetischen Verbriefungen werden nur die Risiken übertragen. "Die True-Sale-Initiative ist für unseren Fonds interessant. Wir werden stark investieren, wenn die Bedingungen stimmen", so Weltermann. Die Commerzbank nimmt an den Gemeinschaftsemissionen teil. Einen Interessenkonflikt mit der Cominvest gebe es aber nicht, da die Bank keinen direkten Einfluss auf die Wahl der zu verbriefenden Kredit habe.

Der Fonds der Cominvest kann europaweit in ABS-Tranchen mit gutem oder sehr gutem Rating (Investment Grade) investieren. Die Zielgruppe sind ausschließlich institutionelle Anleger, vor allem Versicherungen und mittelgroße Banken. Für sie ist die Direktanlage heute mühsam. "ABS sind komplexe Produkte und erfordern hohen Analyseaufwand. Zudem sind die Tranchen oft wenig liquide. Das erschwert die Direktanlage und macht Fonds interessant", sagte Christian Redhardt, Leiter des Institutionellen Marketings bei der Cominvest.

Gerade die im Vergleich zu Aktien oder Unternehmensanleihen geringe Transparenz des ABS-Marktes und die niedrigere Liquidität sorgen aber für attraktive Renditen. Ende April lag beispielsweise der Renditeaufschlag von "AA"-gerateten ABS über Swap (Satz für den Tausch variabler in feste Zinsen) bei 65 Basispunkten. Mit Unternehmensanleihen gleicher Bonität konnten Investoren nur die Hälfte dieses Aufschlags erzielen. "Banken und Versicherer können zudem mit ABS-Fonds ihre Risiken diversifizieren", sagte Redhardt.

Die bisherige Entwicklung an den Kapitalmärkten zeigt, dass ABS und andere Wertpapiere wie Aktien oder Staatsanleihen wenig korrelieren: Wenn Aktien fallen, fällt der Wert von ABS deutlich geringer, und umgekehrt. Das erhöht die Stabilität des Gesamtportfolios und ist zum Beispiel attraktiv für Versicherer, die kontinuierlich einen Mindestzins erwirtschaften müssen.

Experten erwarten, dass der Verbriefungsmarkt in Deutschland und Europa stark wachsen wird. Die Ratingagentur Moody?s beispielsweise prognostiziert, dass der europäische Markt in diesem Jahr rund 400 Mrd. Euro erreichen wird, nach knapp 350 Mrd. Euro im Vorjahr und 260 Mrd. Euro in 2001. Der Wermutstropfen: Mehr Transparenz, höhere Liquidität und eine steigende Zahl von Marktteilnehmern seien wahrscheinlich "das Rezept für sinkende Renditeauschläge", sagen die Analysten der Deutschen Bank.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%