Ausschluss aus dem Olympiateam – Kollegen sind solidarisch mit der Reiterin
Pferd von Springreiterin Michaels-Beerbaum gedopt

Mit ausdruckslosem Gesicht saß Meredith MichaelsBeerbaum auf ihrem Pferd. Den Blick richtete die 34-jährige Springreiterin in die Ferne, drehte beim CHIO in Aachen stumm ihre Runden auf dem Vorreitplatz.

AACHEN. Kein Wort war ihr zu entlocken. Michaels-Beerbaum wollte in Athen als erste Frau in einer deutschen Springreiter-Equipe starten. Der Traum ist geplatzt. Ihr bestes Pferd, der elfjährige Wallach Shutterfly, war beim Weltcup-Finale in Mailand Ende April gedopt. Bei einer Kontrolle wurden Abbaustoffe des Beruhigungsmittels Acepromazin im Urin nachgewiesen. Eine von der Reiterin beantragte B-Probe bestätigte das Ergebnis.

Das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) wurde über den positiven Befund schon am Mittwoch informiert. Erst am Samstag teilte es mit, dass es Michaels-Beerbaum dem Nationalen Olympischen Komitee nicht zur Nominierung für die Olympischen Spielen in Athen vorschlagen wird. Dieser Schritt sei nicht einfach gewesen, aber "wir mussten auf die Fakten reagieren" sagte Hendrik Snoek, Vorsitzender des DOKR-Springausschusses. Zwar gilt Michaels-Beerbaum, die Schwägerin von Ludger Beerbaum, bis zu einer möglichen Verurteilung durch den Weltverband als unschuldig und ist bei Turnieren startberechtigt. Bei Olympischen Spielen aber ist es anders: Bei einer positiven A- und B-Probe ist keine Nominierung möglich. Das besagen die Reglements von NOK und IOC.

Michaels-Beerbaum fühlt sich unschuldig. Über ihren Anwalt Ulf Walz, der auch schon Dressurreiterin Ulla Salzgeber im Dopingskandal um ihren Rusty vertreten hatte, ließ die gebürtige US-Amerikanerin mitteilen, dass dem Pferd "ihres Wissens noch nie acepromazinhaltige Medikamente verabreicht wurden". Darüber, wie die Substanz in den Urin des Wallachs gelangen konnte, machte die Reiterin keine Angaben. Die Analyse sei "reglementwidrig durchgeführt worden", hieß es nur. Michaels-Beerbaum forderte vom Weltverband eine nachträgliche quantitative Analyse, die jedoch abgelehnt wurde, da im Pferdesport die Null-Lösung gilt. Die Menge einer Substanz ist irrelevant, bei einem Pferd darf in einer Dopingprobe überhaupt kein Medikament nachgewiesen werden.

Warum aber war Michaels-Beerbaum für die deutsche Equipe beim Nationen-Preis in Aachen überhaupt am Start? "Wir mussten erst klären, ob das Ergebnis der B-Probe rechtmäßig war", sagte DOKR-Geschäftsführer Reinhardt Wendt. Die deutsche Mannschaft siegte - auch danke eines Nullfehler-Rittes von Michaels-Beerbaum. Gestern beim Großen Preis wurde sie 15., Markus Fuchs siegte auf Tinkas Boy.

Moralische Unterstützung erhielt Michaels-Beerbaum von ihren Kollegen Ludger Beerbaum, Marcus Ehning, Marco Kutscher, Christian Ahlmann und Lars Nieberg. In einer Eidesstattlichen Erklärung teilten sie mit, dass Michaels-Beerbaum "einen Start in Athen aufgrund ihrer sportlichen Leistungen verdient" hätte. Die Regeln lassen sich damit freilich auch nicht umgehen.

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