Ausschluss des gedopten Maradona
USA 1994: Dopingsünder, ”Stinkefinger” und Brasiliens Rekord

Die XV. Titelkämpfe in den USA waren das Turnier der Premieren. Erstmals trafen sich die weltbesten Fußball-Teams zu einer WM in der Neuen Welt, die bis dahin dem Soccer nicht sonderlich zugetan war.

dpa HAMBURG. Erstmals gab es in Diego Maradona einen Dopingsünder, und auch der Champion stellte einen Rekord auf. Brasilien siegte zum vierten Mal und versetzte das eigene fußballverrückte Land durch den Final-Triumph über Italien in einen Taumel der Glückseligkeit.

Für das enttäuschende Team von Berti Vogts, der seine WM-Premiere als Bundestrainer gab, reichte alles Glück nicht aus. "Bertis Buben" kamen nie richtig in Schwung, schleppten sich mehr recht als schlecht ins Viertelfinale, wo gegen Bulgarien Endstation war. Das Abschneiden war wenig berauschend, den Vogel aber schoss Stefan Effenberg ab. Beim glücklichen 3:2-Sieg gegen WM-Neuling Südkorea musste er auf der ungeliebten rechten Seite verteidigen, wurde nach 75 Minuten ausgewechselt und zeigte den deutschen Fans den "Stinkefinger". Vogts war sich mit DFB-Präsident Egidius Braun einig und schickte den Unverbesserlichen postwendend heim - so wie es Beckenbauer 1986 mit Uli Stein getan hatte, der ihn "Suppenkasper" genannt hatte.

Die deutsche Mannschaft enttäuschte, obwohl sie als erster Titelverteidiger überhaupt mit einem Sieg in die Endrunde gestartet (1:0 gegen Bolivien) war. Auch das 1:1 gegen Spanien war alles andere als ein Augenschmaus. Stattdessen sorgten Bodo Illgners Fehlgriff gegen Goicoecheas verunglückte Flanke sowie die schlechte Stimmung und Form der Spieler für Ärger. "Wir müssen mehr miteinander sprechen, jeder muss jedem helfen", so "Leitwolf" Lothar Matthäus. Es nutzte alles nichts. Bei 50 Grad in der Cotton Bowl von Dallas gingen im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea selbst die deutschen Tugenden Kraft, Ausdauer und Wille verloren. Das magere 3:2 nach 3:0- Führung war das Vorspiel zum 1:2-Viertelfinalaus gegen Bulgarien. Das 3:2 im Achtelfinale gegen Belgien war zuvor nur ein Strohfeuer.

Die WM selbst war ein großer Erfolg. Tolle Spiele, 3,6 Millionen Zuschauer - im Schnitt 70 000 pro Spiel - und 420 Millionen Mark Gewinn. Doch es gab auch böse Nachrichten: Der Mord am Kolumbianer Andres Escobar, der ein Eigentor verursacht hatte und nach seiner Rückkehr aus einem Hinterhalt erschossen wurde. Auch der Ausschluss des gedopten Maradona gehörte dazu.

Das 4:0 der Schweden im "kleinen Finale" gegen Bulgarien war das erhoffte Fußballfest, das das Endspiel nicht wurde. Nach 120 torlosen Minuten holte sich Brasilien den vierten Titel im Elferschießen und sorgte für die Ehrenrettung von Trainer Carlos Alberto Parreira. Der hatte auf die gesunde Mischung mit Zauberern wie Romario und Bebeto sowie Kämpfern wie Dunga und Jorginho gesetzt. Mit dem Pokal in der Hand sagte er "meine Mission ist erfüllt" - und ging.

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