Ausschlussregeln für Billigst-Aktien treten heute in Kraft
Am Neuen Markt läuft jetzt der Countdown

Obwohl die US-Technologiebörse Nasdaq die Penny-Stock-Regel wegen der Terroranschläge bis zum Januar 2002 ausgesetzt hat, hält die Deutsche Börse AG an ihren Plänen fest, Pfennig-Aktien nach einer gewissen Zeit vom Neuen Markt zu verbannen. Das verschärfte Regelwerk tritt für die meisten Firmen am Montag in Kraft.

ant FRANKFURT/M. Der Kurszettel des Neuen Marktes wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich deutlich lichten. Ab Montag läuft die Uhr - Titeln, die bei einer Marktkapitalisierung von weniger als 20 Mill. Euro unterhalb der 1-Euro-Marke notieren, soll nach dem Willen der Deutschen Börse im kommenden Frühjahr die Stunde schlagen. Aktien, die mehr als 30 Handelstage die Mindestkriterien nicht erfüllen, kommen auf eine Beobachtungsliste. Dort haben sie weitere 90 Tage Zeit, um sich zu erholen. Ein kleiner Kursausschlag reicht aber nicht aus, um die Verbannung vom Wachstumssegment zu verhindern: Sowohl die Marktkapitalisierung als auch der Kurs muss sich über mindestens 15 aufeinander folgenden Handelstagen erholt haben.

Diese Regeln treten jedoch nicht für alle Unternehmen gleichzeitig in Kraft. Ende August erreichte die - auf dem gegenwärtigen Kursniveau gar nicht vom Ausschluss bedrohte - Foris AG beim Frankfurter Landgericht eine einstweilige Verfügung. Das Gericht folgte der Auffassung der Berliner Gesellschaft, dass die Börse den Unternehmen zu wenig Zeit gelassen habe, sich auf die drastische Veränderung des Regelwerkes einzustellen.

Außer Foris gelang es auch der Advanced Medien AG, der Abacho AG und der Heiler Software AG, vor Gericht eine zusätzliche Frist von sechs Monaten zu erwirken. Die Börse ist nicht gewillt, dies hinzunehmen. Der Termin für das Berufungsverfahren am Oberlandesgericht steht jedoch noch nicht fest. Bis dahin hofft auch die GfN AG, ihren Antrag auf eine Gnadenfrist genehmigt zu bekommen. Die ebenfalls zu den potenziellen Ausschlusskandidaten zählende Cybernet AG setzt indes darauf, ihren Kurs noch rechtzeitig über die 1-Euro-Marke hieven zu können.

Mehr als 40 Titel erfüllen die neuen Mindestkriterien nicht

Als sich die Börse im Juli anschickte, das Image des neuen Marktes durch die Verschärfung des Regelwerkes aufzupolieren, notierten rund 20 Titel um die 1-Euro-Marke. Nach der neuerlichen Talfahrt an den Börsen, die auch mit den Terroranschlägen auf New York und der damit einhergehenden Unsicherheit über das politische Weltklima zusammen hing, erfüllen mehr als 40 Titel beide Mindestkriterien nicht mehr. Weitere 20 haben nur noch wenig Spielraum nach unten.

Die New Yorker Technologiebörse Nasdaq, deren Penny-Stock-Regel als Vorbild für die neuer Regelwerksverschärfung des Neuen Marktes gilt, reagierte mit der Ankündigung, die Regeln bis zum Jahreswechsel auszusetzen. Diesem Beispiel will die Deutsche Börse nicht folgen: "Im Gegensatz zu den US-Bestimmungen umfasst unsere Neuregelung neben dem Aktienkurs auch die Marktkapitalisierung der Unternehmen", rechtfertigte dies eine Sprecherin am Freitag. Gerade in diesen schweren Börsenzeiten sei es wichtig, das Profil des Neuen Marktes als Qualitätssegment zu schärfen.

Dazu soll auch der Ausschluss von Pleitefirmen beitragen, die einen Monat, nachdem das Insolvenzverfahren eröffnet oder aber mangels Masse abgewiesen wird, vom Kurszettel verschwinden sollen. Auch hier blieb die Neuregelung nicht ohne Widerspruch: Der Antrag des Insolvenzverwalters der zahlungsunfähigen Micrologica AG auf eine einstweilige Verfügung scheiterte allerdings. Dem Anwalt liegt die Begründung des Gerichts noch nicht vor. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte er, dass er damit rechne, in Berufung zu gehen. Die Entscheidung über den Antrag der ebenfalls zahlungsunfähigen Teamwork AG steht bislang noch aus. Deren Insolvenzverwalter hatte bereits im Sommer kritisiert, dass die Neuregelung eine Sanierung des Unternehmens erschwere.

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