Ausschreitungen am Fussballstadion
Lynchmord an afghanischem Tourismusminister

Mekka-Pilger haben nach Berichten von Augenzeugen den afghanischen Luftfahrtminister Abdul Rahman auf dem Flughafen von Kabul erschlagen, weil sie sich um ihre Reisemöglichkeiten betrogen fühlten. Unmittelbar vor Beginn eines Fußballspiels zwischen Afghanen und Soldaten der Internationalen Schutztruppe kam es am Freitag zu Krawallen.

rtr KABUL. Offiziell wurde der Tod des Ministers als "kriminelle Tragödie" bezeichnet, die Einzelheiten blieben zunächst unklar. Ein Augenzeuge berichtete der Nachrichtenagentur Reuters, Rahman sei am Donnerstag von vier Pilgern aus dem einzigen Flugzeug der afghanischen Fluggesellschaft Ariana Airlines gezerrt, die Gangway hinunter gestoßen und auf dem Rollfeld getötet worden. Rahman hatte mit dem Flugzeug nach Neu-Delhi reisen wollen.

Nach Angaben des Augenzeugen war die Menge in Wut geraten, weil viele Pilger schon seit Tagen bei grimmiger Kälte auf den Flug gewartet hätten. Während des Wartens seien zwei afghanische Frauen erfroren. Nach den islamischen Vorschriften müssen die Mekka-Pilger bis Sonntag in Saudi-Arabien eingetroffen sein, damit ihre Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten des Islam Gültigkeit hat. Bis zu 2 000 ? haben die Pilger aufwenden müssen, um ein Ticket zu bekommen. Gläubigen Moslems schreibt der Koran vor, mindestens einmal im Leben nach Mekka zu pilgern.

Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, einige Pilger seien in Zusammenhang mit dem Tod Rahmans festgenommen worden, bei dem auch der Chef der Ariana, Roohullah Aman, verletzt worden sei. Die afghanischen Sicherheitskräfte im Flughafen hätten die Lage offensichtlich nicht im Griff gehabt. Die internationale Friedenstruppe (ISAF), die Kabul schützen soll, kontrolliert nur den militärischen Teil des Kabuler Flughafens.

Vor Beginn des Fußball-Freundschaftsspiels zwischen einer afghanischen Mannschaft und Spielern der ISAF kam es am Freitag zu Unruhen, als Tausende Fans, die keine Karten mehr bekommen hatten, ins Stadion drängten. Bewaffnete Polizisten und deutsche Soldaten der ISAF gingen mit Schlagstöcken auf die Fans los. Um die Menge in Schach zu halten, feuerten die Polizisten in die Luft und zündeten Rauchbomben. Einige Fans warfen mit Steinen, die Polizei habe Steine zurückgeworfen, sagte ein Zeuge.

Die Unruhen begannen an einem Eingang des Stadions nahe der Moschee, in der die wartenden Pilger untergebracht waren. Ob auch Pilger in die Randale am Stadion verwickelt waren, war unklar. Das Spiel stand unter dem Motto "Spiel der Einheit" und sollte die guten Beziehungen zwischen Schutztruppe und Einheimischen fördern. Das ISAF-Team gewann mit 3:1.

Zu wütenden Reaktionen kam es nach Berichten von Augenzeugen am Freitag auch bei Mekka-Pilgern in Kandahar, wo ebenfalls rund 5 000 Personen seit Tagen auf eine Flugmöglichkeit warteten. Am Freitag wurde ihnen offiziell mitgeteilt, sie könnten nicht fliegen, weil die für die Flughafen-Kontrolle zuständigen US-Militärs die Nutzung der Piste verweigert hätten. Pilger machten ihrem Unmut durch Drohungen gegen die USA und die Regierung in Kabul Luft. Attackiert wurde auch ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters, der von den Pilgern irrtümlich für einen Vertreter der USA gehalten worden war.

Ein Sprecher des afghanischen Büros, das die Hadsch - die jährliche Pilgerreise nach Mekka und Medina - organisiert, teilte später mit, die Regierung habe ihn informiert, dass 2 800 von insgesamt 5 214 Personen eventuell von Kabul aus zur Pilgerfahrt nach Mekka starten könnten. Zweifelhaft sei aber, ob die Betroffenen die beschwerliche, 13-stündige Busfahrt von Kandahar nach Kabul antreten würden.

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