Ausschreitungen in mehreren Städten
Deutschland feiert Einzug in das WM-Finale

Zehntausende Fans sahen am Dienstag auf vielen öffentlichen Plätzen, vor Großbildleinwänden, in Kneipen und Cafes den 1:0-Erfolg der deutschen Mannschaft gegen Südkorea im Halbfinale in Seoul. In vielen Unternehmen und Behörden wurde in der Zeit der TV-Übertragung der Arbeit kaum oder gar nicht mehr nachgegangen.

dpa HAMBURG. Mit Hupkonzerten, Autokorsos und reichlich Bier haben Zehntausende in Deutschland den überraschenden Einzug der deutschen Nationalelf ins Finale der Fußball-WM gefeiert. In zahlreichen Städten sahen Anhänger am Dienstag auf vielen öffentlichen Plätzen, vor Großbildleinwänden, in Kneipen und Cafés den 1:0-Erfolg der deutschen Mannschaft gegen Südkorea im Halbfinale in Seoul. Die Freude wurde allerdings durch Ausschreitungen in mehreren Städten getrübt.

Nach dem Schlusspfiff bildeten sich wie schon nach dem Sieg im Viertelfinale gegen die USA Autokorsos. Vielfach wurde ein ohrenbetäubendes Hupkonzert veranstaltet. Die Menschen schwenkten jubelnd die Fahnen. Sie riefen "Finale, Finale" und feierten den Teamchef Rudi Völler mit "Rudi, Rudi"-Rufen. In vielen Unternehmen und Behörden wurde in der Zeit der TV-Übertragung kaum oder gar nicht mehr gearbeitet.

Einen der größten Menschenaufläufe gab es auf dem Hamburger Fischmarkt. Dort hatten sich vor einer Großbildleinwand nach Schätzungen der Polizei rund 50 000 Fußball-Fans versammelt. Auf dem Spielbudenplatz im Hamburger Stadtteil St. Pauli zählten die Behörden 20 000 Menschen. Der Jubel über das Siegtor durch Michael Ballack in der 75. Minute war kilometerweit zu hören.

Auch in Berlin und Hannover kamen die Anhänger der deutschen Mannschaft zusammen. Der Sony Center in der Bundeshauptstadt war Treffpunkt für 3000 Fans, darunter auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Sein niedersächsischer Kollege Sigmar Gabriel stand in mitten eines schwarz-rot-goldenen Fahnenmeers auf dem Opernplatz in Hannover und ließ seine Amtsgeschäfte als Ministerpräsident für einige Zeit ruhen. Ähnliche Szenen spielten sich in Großstädten wie in München, Dresden oder Leipzig ab.

In der Mannheimer Innenstadt kam es dagegen nach dem Spiel zu schweren Ausschreitungen. Eine Gruppe von mehreren hundert Skinheads und Hooligans warf nach Polizeiangaben mit Flaschen und feuerte Leuchtspurmunition auf Polizisten. Drei Beamte wurden verletzt, einer von ihnen musste ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Polizeipferd wurde von einer vollen Bierflasche am Kopf getroffen. Insgesamt rund 3000 Menschen hatten sich am Dienstagabend am Mannheimer Wasserturm versammelt, um den Finaleinzug der deutschen Elf bei der Weltmeisterschaft zu feiern.

In Heilbronn verletzte ein 28-jähriger Randalierer zwei Polizisten. Der Mann hatte eine Rauchbombe geworfen und soll am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden. Drei weitere Männer wurden festgenommen. Im niedersächsischen Hildesheim verletzten betrunkene Fußballfans einen Polizisten durch einem Flaschenwurf.

In Düsseldorf nahm die Polizei am Abend fast 100 Randalierer in Gewahrsam. Während Tausende von Fußball-Verrückten friedlich feierten, sei die Gruppe aus der Altstadt kommend über die Königsallee gezogen und habe in einem Einkaufszentrum Feuerwerk gezündet, berichtete die Polizei. Daraufhin hatten zahlreiche Beamte die Chaoten eingekesselt. Ein 28-Jähriger wurde verletzt, als ein Autofahrer mit seinem Wagen in eine jubelnde Menge steuerte. Bei Ausschreitungen in Essen erlitt ein Polizeibeamter Verletzungen. Dort umstellte die Polizei rund 100 Randalierer, nachdem diese Wagen beschädigt und Autofahrer angegriffen hatten. Drei von ihnen wurden festgenommen.

Am Mittwoch hoffen unzählige Türken in Deutschland auf den Finaleinzug ihrer Mannschaft. Die Kölner Polizei wirbt mit Blick auf die Halbfinal-Begegnung zwischen Brasilien und der Türkei vorsorglich im Internet auf türkisch für friedliche Siegesfeiern der Fans. (Internet: Türkische Fan-Seite der Polizei Köln: http://www.polizei.nrw.de/koeln)

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