Ausschüttungen werden gestrichen
Nur die besten Banker bekommen noch Boni

Die Krise bei den Investmentbanken wirkt sich auch auf die Bezahlung der Beschäftigten aus. Nur noch wenige erhalten Bonus-Zahlungen.

FRANKFURT/M. In den Investmentbanken tobt der Verteilungskampf. In diesen Tagen laufen in vielen Häusern die entscheidendenV erhandlungen darüber, welchen Bonus die Institute im schwachen Geschäftsjahr 2002 an ihre einst so erfolgsverwöhnten Banker ausschütten.

Zu verteilen gibt es allerdings kaum etwas. Das Geschäft mit Übernahmen und Aktienplatzierungen ist 2002 noch einmal kräftig eingebrochen, mittlerweile durchleidet die Branche das dritte Krisenjahr. Die Folge: In diesem Jahr werden zahlreiche Banker leer ausgehen, nur noch die Besten können mit einer Ausschüttung rechnen. Aber selbst diese Stars müssen mit tiefen Einschnitten rechnen.

"Die Bonustöpfe sind leer", macht Helmuth Uder, Managing Director der Beratungsgesellschaft Towers Perrin, klar. Den so genannten Regenmachern, die auch in Krisenzeiten für Umsätze sorgen, wollen die meisten Banken aber trotz Ebbe in der Kasse einen Bonus zahlen. Nach Einschätzung Uders ist dies die richtige Strategie. Sollte die Motivation der Leistungsträger sinken, drohe den Instituten ein empfindlicher Produktivitätseinbruch. Diese Ausschüttungspolitik zwinge die Banken aber, viel stärker als in vergangenen Jahren zwischen Top- und Underperformern zu unterscheiden. "Für jeden Euro Bonus, den ein Leistungsträger bekommt, muss ein anderer Mitarbeiter auf einen Euro verzichten", erläutert der Berater. Im Klartext heißt das, dass viele durchschnittliche Banker leer ausgehen werden. Bereits 2001 hatten die meisten Institute ihre Ausschüttungen um rund die Hälfte zusammengestrichen. "Im vergangenen Jahr haben wir die Boni für alle Mitarbeiter pauschal gekürzt, 2002 werden wir stark nach Leistung unterscheiden", bestätigt der Vertreter einer angelsächsischen Investmentbank. "Weil wir unsere Spitzenleute nicht verlieren wollen, werden wir an sie trotz leerer Töpfe einen Bonus zahlen.

Aber auch die Top-Leute müssten sich im Vergleich zum Vorjahr auf ein drastisches Minus einstellen. "Wer in den guten Jahren einen Bonus von einer Million Euro oder mehr gesehen hat, muss sich jetzt oft mit 300 000 Euro zufrieden geben", sagt der Banker.

Der jährliche Bonus ist die entscheidende Messlatte für den Erfolg eines Investmentbankers, denn die Fix-Gehälter fallen in der Regel vergleichsweise bescheiden aus. Für Anfänger liegt das Einstiegsniveau bei etwa 45 000 Euro, dazu kam im vergangenen Jahr noch ein Bonus von ungefähr 15 000 Euro. Executive und Managing Directors stießen in den Boomjahren schnell in den siebenstelligen Bereich vor. Davon war allerdings nur ein Viertel fix, der Rest entfiel auf die Boni.

Wer nicht zu den Top-Bankern gehört, die sich auch 2002 über eine Ausschüttung freuen können, muss froh sein, wenn er seinen Job nicht ganz verliert. Gerade rollt wieder eine Entlassungswelle über die Investmentbanken hinweg. Credit Suisse First Boston will weltweit 20 % der Stellen im Investment-Banking streichen. Lehman Brothers hat gerade 80 von 400 Bankern im Europageschäft entlassen. Aber auch die anderen großen Häuser bauen durchweg Personal ab.

In diesem Jahr werde es drei Gruppen von Bankern geben, heißt es bei einem Wall-Street-Institut: "Regenmacher, die einen Bonus bekommen, Underperformer, die leer ausgehen und Underperformer die ihren Job verlieren".

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