Außenminister besucht Israel
Fischer: Holocaust nicht verdrängen

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) hat die gegenwärtige Antisemitismus-Debatte als Teil einer regelmäßig wiederkehrenden Diskussion über die Folgen aus der deutschen Geschichte gewertet. Fischer sagte dies bei einem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem.

Reuters JERUSALEM. Er warnte davor, den Holocaust aus dem Bewusstsein der Deutschen zu verdrängen. "Alle fünf bis zehn Jahre haben wir in Deutschland diese Debatte", sagte Fischer am Donnerstag in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem. Dabei habe es seit den 50er Jahren "viele Normalisierungsversuche", mal von Rechts, mal von Links gegeben. "Es hat nie funktioniert."

Fischer räumte ein, dass es für die Deutschen schwierig sei, ihre Geschichte mit NS-Zeit und Holocaust anzunehmen. "Aber wir haben keine andere Geschichte." Daher müsse man die Öffentlichkeit mit dieser Debatte konfrontieren. Überlegungen, die Zeit des Nationalsozialismus und den Holocaust aus dem deutschen Geschichtsbewusstsein zu verdrängen, würden keine Mehrheit finden, sagte Fischer weiter. "Das würde heißen, unsere Geschichte zu vergessen, das können wir nicht." Er fügte hinzu: "Was verdrängt wird, ist nicht weg, im Gegenteil." Fischer äußerte sich vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über die Konsequenzen aus der deutschen Geschichte für das Verhältnis zu den Juden und Israel, erwähnte die FDP jedoch nicht direkt.

Mit Blick auf die in Israel verbreitete Wahrnehmung eines wachsenden Antisemitismus in Europa sagte Fischer: "Es wäre ein Fehler für Israel, sich von Europa abzuwenden." In den vergangenen Monaten hatten zahlreiche Vertreter Israels und der Juden weltweit vor dem Hintergrund des verschärften Nahost-Konflikts die zunehmende Kritik an Israel als teilweise antisemitisch kritisiert und auf einen Anstieg antisemitischer Vorfälle in Europa hingewiesen.

Fischer hält sich derzeit im Rahmen einer viertägigen Nahost-Reise in Jerusalem auf, wo er auch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon zusammentraf. Am Donnerstag hatte er in Jad Vaschem einen Kranz zum Gedenken an die Opfer niedergelegt, später wollte er in Ramallah auch mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat zusammentreffen. Wenige Tage vor Fischer hatte FDP-Chef Guido Westerwelle vor dem Hintergrund der Diskussion um seine Partei ebenfalls Scharon und Arafat getroffen sowie Jad Vaschem besucht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%