Außenminister Fischer fliegt Freitag wieder in die USA
Ruf nach UN-Präsenz in Kabul

Nach dem Aus des Taliban-Regimes in Kabul ist der Ruf nach einer UN-Friedensmission in Afghanistan lauter geworden. Der Außenminister der siegreichen Nordallianz, Abdullah, bat am Dienstag in Kabul um UN-Teams für den Aufbau einer Übergangsregierung. Zunächst solle der Verteidigungsminister der Allianz, Mohammed Fahim, einen militärischen Sicherheitsrat zur Verwaltung der Stadt leiten.

ap KABUL/WASHINGTON. Auch Pakistan, Deutschland und Großbritannien drangen auf eine zentrale Rolle der Vereinten Nationen bei der Bildung einer neuen Regierung. Die USA begrüßten den überraschend schnellen Abzug der Taliban aus Kabul als Durchbruch im Krieg gegen den Terrorismus. Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, sagte, US-Präsident George W. Bush sei "sehr erfreut über die Fortschritte und die jüngsten Entwicklungen". Nach Berichten über Racheakte und Plünderungen der siegreichen Nordallianz in den eingenommenen Städten hätten die USA den Diplomaten James Dobbins entsandt, der den Aufruf Bushs zum Gewaltverzicht überbringen solle. Nordallianz-Minister Abdullah wies die Berichte von Gräueltaten zurück.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf forderte die umgehende Entsendung einer UN-Friedensmission nach Kabul. Ein entmilitarisierter Status für die afghanische Hauptstadt sei dringend notwendig, um Blutvergießen zu vermeiden, sagte er in Istanbul. Die Friedensmission sollte von der arabischen Welt gestellt werden, die Türkei und Pakistan könnten dabei einen wichtigen Beitrag leisten.

Der britische Premierminister Tony Blair forderte wie Musharraf schnellstmögliche UN-Präsenz in Afghanistan, um eine stabile Regierung aufzubauen, die auch ein verlässlicher Partner für die Nachbarstaaten sein müsse. Die Nordallianz wird von Usbeken, Tadschiken und anderen Minderheiten dominiert und hat kaum Rückhalt beim Mehrheitsvolk der Paschtunen. Außerdem werden Kämpfe der einzelnen Gruppen innerhalb der Allianz befürchtet.

Die UN müssten nun in enger Abstimmung mit den USA und der Europäischen Union "mit allerhöchstem Nachdruck" einen Mechanismus für eine Übergangsregierung suchen, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Bundesaußenminister Joschka Fischer beabsichtigt, am Freitag erneut zu Gesprächen mit der amerikanischen Regierung in die USA zu reisen.

Robinson fordert Einhaltung der Menschenrechte

UN-Vertreter riefen die Nordallianz zu Mäßigung und Gewaltlosigkeit auf. Die Welt werde Racheakte und die Misshandlung der Zivilbevölkerung nicht tolerieren, warnte UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson. Wer immer die neue Regierung Afghanistans bilde, müsse die Rückkehr der Rechtsstaatlichkeit und das Ende der Anarchie gewährleisten.

Auch Frankreich forderte die Nordallianz zu verantwortungsbewusstem Handeln auf. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac verlangte ebenfalls eine schnelle politische Lösung für Afghanistan, erinnerte jedoch das von den USA geführte Bündnis daran, nicht zu vergessen, dass seine Hauptaufgabe der Kampf gegen den Terrorismus sei. Russland begrüßte den Fall Kabuls als "wichtigen Erfolg der Anti-Taliban-Koalition", wie es in einer Erklärung des Außenministeriums hieß.

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