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Außenminister Powell tritt zurück

US-Außenminister Colin Powell hat seinen Rücktritt eingereicht. Er habe immer vorgehabt, nur eine Legislaturperiode im Amt zu bleiben, sagte der 67-jährige Ex-General am Montag in Washington.

dpa WASHINGTON. US-Außenminister Colin Powell hat seinen Rücktritt eingereicht. Er habe immer vorgehabt, nur eine Legislaturperiode im Amt zu bleiben, sagte der 67-jährige Ex-General am Montag in Washington. Er bleibe allerdings noch ein bis zwei Monate im Amt, solange, bis sein Nachfolger vom Kongress bestätigt sei.

Als Nachfolger sind unter anderem die nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und UN-Botschafter John Danforth im Gespräch. In Europa wurde Powell als zuverlässiger Partner und Freund gewürdigt, unter anderem von Bundesaußenminister Joschka Fischer, dem britischen Premierminister Tony Blair und dem künftigen EU-Kommissionspräsidenten Jose Manuel Barroso. UN - Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete seine Beziehung zu Powell als "herzlich und "produktiv".

"Es war mir eine große Ehre, meinem Land zu dienen", sagte Powell in Washington. "Wir haben eine Menge erreicht." Er habe in den kommenden Wochen noch volles Programm, darunter die Reise zum Apec-Gipfel nach Chile und zur Irak-Konferenz in den ägyptischen Badeort Scharm-el-Scheich. Anschließend reise er nach Europa.

"Wie wir in den vergangenen Monaten besprochen haben, glaube ich, dass jetzt nach den Wahlen der Zeitpunkt für mich gekommen ist, um ins Privatleben zurückzukehren", schrieb Powell an Bush. "Ich freue mich, zu einem Team gehört zu haben, dass den weltweiten Krieg gegen den Terror begann und das afghanische und das irakische Volk befreite (...). In diesen und andere Bereichen war ihre Führungsstärke die treibende Kraft unseres Erfolgs." Er habe sich noch keine Gedanken über die Zukunft gemacht, sagte Powell.

Neben Rice und Danforth gilt auch der für Nahost zuständige und als Hardliner geltende Präsidentenberater Elliott Abrams als möglicher Nachfolger Powells. Interesse an dem Posten wird auch dem stellvertretenden Verteidigungsminister Paul Wolfowitz nachgesagt.

Fischer wurde in New York von der Rücktrittsnachricht überrascht. Er hob in einer Stellungnahme die gemeinsamen Interessen Europas und der USA hervor. "Wir stehen vor gemeinsamen Herausforderungen, vor allen Dingen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus." Die Zusammenarbeit mit Powell sei "nicht nur von Professionalität, sondern auch von Freundschaft" geprägt gewesen.

Powell war in der Bush-Regierung die führende gemäßigte Stimme. Er geriet mit so genannten Falken wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Richard Cheney mehrfach aneinander. Vor dem Irak-Krieg ließ er sich von den Hardlinern von der angeblich unmittelbaren Bedrohung durch Bagdad überzeugen. Er präsentierte im Weltsicherheitsrat "Beweise" für irakische Waffenprogramme, die sich im Laufe der vergangenen Monate als falsch herausgestellt haben.

Powell ist der erste schwarze Außenminister der USA. Seine Eltern wanderten aus Jamaika ein. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen in New York auf, machte im Militär Karriere und wurde schließlich als Vier-Sterne-General unter Bushs Vater Generalstabschef. 1996 erwog er vorübergehend eine Kandidatur für das Präsidentenamt.

Mit Powell reichten am Montag, zwei Wochen nach der Präsidentenwahl, auch Bildungsminister Rod Paige, Energieminister Spencer Abraham und Agrarministerin Ann Veneman ihren Rücktritt ein. Vergangene Woche waren bereits Justizminister John Ashcroft und Handelsminister Donald Evans zurückgetreten.

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