Außenpolitik
McCain profiliert sich in der Krise

Die Außenpolitik ist John McCains Domäne. In Krisen sieht Obama jung und unerfahren aus, McCain hingegen wirkt staatsmännisch. Das stellte er jüngst im Georgienkrieg unter Beweis: Der Republikaner reagierte schnell und wortmächtig - und punktete gegen den diplomatischen Obama.

WASHINGTON. Werden die Amerikaner gefragt, wem sie in der Außen- und Sicherheitspolitik mehr vertrauen, dem Republikaner oder seinem demokratischen Gegenspieler Barack Obama, so schneidet der 71-jährige Senator aus Arizona deutlich besser ab. Darauf baut McCain seine Hoffnungen, dass er bei der Wahl am 4. November als Sieger durchs Ziel gehen könnte. McCain setzt darauf, dass die Amerikaner in Zeiten von Krieg und Krise auf Erfahrung bauen. Diesen Ruf hat McCain in der Georgien-Krise verteidigt.

Kaum war der Konflikt um die abtrünnige georgische Provinz Südossetien wenige Stunden alt, forderte McCain den "sofortigen und bedingungslosen" Abzug der russischen Truppen aus dem umkämpften Territorium. Blitzschnell - schneller noch als US-Präsident George W. Bush - hatte McCain den Schuldigen für die Krise ausgemacht: Moskau nämlich.

Barack Obama verurteilte zwar noch am selben Tag die Verletzung der Souveränität Georgiens. Doch erst Tage später, aus seinem Heimat- und Urlaubsort in Hawaii, schlug Obama schärfere Töne Richtung Moskau an. Doch auch danach brach er seinen Urlaub nicht etwa ab, sondern kommentierte weiter von der fernen Pazifikinsel die Situation und ließ stattdessen Senator Joe Biden mit einer Reise nach Tiflis Profil für die Demokraten zeigen.

Am Ende jedoch lag McCain mit seiner ersten russlandkritischen Einschätzung richtig - zumindest nach Meinung der amerikanischen Medienöffentlichkeit. "Diese Woche gehörte McCain" hieß nahezu einhellig bei den amerikanischen Politexperten, die eine Zwischenbilanz zogen. Allerdings konnte McCain auch nur deshalb so leicht punkten, weil die Öffentlichkeit in den USA schon lange auf diese Lesart der Situation eingestimmt ist: Georgien gilt als heldenhaft, da es dem großen Nachbarn Russland die Stirn bietet.

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili, ausgebildet an der Columbia-Universität in New York und der George-Washington-Uni in der amerikanischen Hauptstadt, ist dabei die Galionsfigur dieses Heldentums. Eine Parteinahme für Georgien und gegen Russland konnte daher kaum schief gehen. Dass am Ende und mit zunehmender Kenntnis der Details des Konfliktes die Schuldzuweisungen vielleicht doch nicht mehr ganz so eindeutig vorzunehmen sind, geht im Wahlkampflärm unter. Gleichwohl sind sich die Experten einig, dass jede außenpolitische Krise McCain hilft. "Mit einer Ausnahme - Irak", sagt Rich Lowry, der als Kolumnist der New York Post Sympathien für den Vietnam-Veteranen hat. "Das Thema Irak ist für McCain heikel, weil der Krieg so enorm unpopulär ist".

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