Außer dem Attentäter keine Toten
Palästinenser sprengt sich in die Luft

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter hat sich am Montag nach Polizeiangaben auf israelischer Seite an der Grenze zum Westjordanland in die Luft gesprengt.

Reuters JERUSALEM. Erst am Vortag hatte Israel zur Abschreckung von Attentätern mit dem Bau eines Grenzzauns begonnen, was von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat verurteilt wurde.

Bei der Explosion sei nur der Attentäter selbst ums Leben gekommen, teilte eine Sprecherin der israelischen Polizei mit. Verletzte habe es nicht gegeben. Der Zwischenfall habe sich nördlich der Stadt Tulkarm ereignet. Eine israelische Grenzpatrouille habe eine verdächtige Person gesehen und sie aufgefordert anzuhalten. Plötzlich habe es eine Explosion gegeben.

Der israelische Verteidigungsminister Binjamin Ben-Elieser sagte, nach dem Selbstmordattentäter sei gefahndet worden. Er gehöre zu einer Gruppe von fünf Palästinensern, die Anschläge in Israel verüben wollten. Den Bau des 110 Kilometer langen Grenzzauns zum Westjordanland begründete der Minister mit zahlreichen Selbstmordanschlägen seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September 2000: "Vor einem Jahr gab es noch nicht jeden Tag zwei Selbstmordattentäter." Das Problem sei heute, diese Welle von Anschlägen zu beenden. Insgesamt soll der Grenzzaun 350 Kilometer lang werden. Die Kosten sind auf 220 Millionen Dollar (rund 230 Millionen Euro) veranschlagt.

Der palästinensische Minister Saeb Erekat warf Israel vor, mit dem Grenzzaun "ein neues Apartheid-System" aufzubauen - wie in Südafrika zur Zeit der Rassentrennung. Arafat sprach in Ramallah von einem "Anschlag auf unser Land" und einer "rassistischen Tat".

Die Bundesregierung in Berlin äußerte einerseits Verständnis für die Sicherheitsbedürfnisse Israels. Auf der anderen Seite sei es sehr wichtig, dass es keine Präjudizierung des Grenzverlaufs gebe, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Der Grenzverlauf solle einer politischen Lösung des Nahost-Konflikts vorbehalten bleiben.

Im Hinblick auf die bevorstehende Nahost-Erklärung des US-Präsidenten George W. Bush sagte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon, für die Gründung eines palästinensischen Staates sei es noch zu früh. Bush dürfte seine Pläne für die weitere Nahost-Politik noch in dieser Woche vorstellen.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hatte auf eine rasche Gründung eines unabhängigen Palästinenser-Staates gedrungen, dessen Grenzen später festgelegt werden könnten. Die Palästinenser streben den Staat auf dem gesamten Gebiet des 1967 von Israel besetzten Westjordanlandes und des Gaza-Streifens an. Probleme bereiten jedoch Ost-Jerusalem und die vielen jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten.

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