Außerbörsliche Dienstleistungen geplant
Börse rüstet sich für Übernahmen

Die Deutsche Börse hat sich am Mittwoch von ihren Aktionären Kapital von mehr als einer Milliarde Euro unter anderem für weitere Akquisitionen genehmigen lassen. Börsenchef Werner Seifert kündigte zudem an, die Börse werde stärker ins Geschäft mit Dienstleistungen für außerbörsliche Wertpapiertransaktionen eintreten.

Reuters FRANKFURT. "Wir haben unsere Akquisitionsstrategie langfristig angelegt, sind aber finanziell und organisatorisch in der Lage , innerhalb kürzerer Zeit für ein attraktives Objekt zu bieten", sagte Seifert am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Börse. Spekuliert wird seit langem über einen Zukauf in den USA für das Konzernunternehmen Eurex. Seifert hielt sich für die US-Expansion wie bereits zuvor die Optionen Akquisition und Eigengründung offen.

Aktionärsvertreter zeigten sich insgesamt außerordentlich zufrieden mit der Entwicklung des Unternehmens wie des Aktienkurses seit dem Börsengang. Sie kritisierten jedoch die deutliche Erhöhung der Bezüge der Aufsichtsratsmitglieder. Die Börsen-Aktie notierte am Mittwochnachmittag bei 42,20 ? und damit rund 25 % über dem Ausgabekurs von splittbereinigt 33,50 ? aus dem Frühjahr 2001. Seit Dezember 2002 ist die Aktie im Deutschen Aktienindex vertreten.

Kritisiert wurde von einigen Aktionärsvertretern die Erhöhung der Bezüge im Aufsichtsrat um mindestens 100 %. "Ich wehre mich gegen die Neidkomplexe in Deutschland, aber diese Anhebung ist zu hoch. Schließlich handelt es sich um eine nebenberufliche Tätigkeit", sagte Klaus Nieding, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dem hielt der wiedergewählte Aufsichtsratschef Rolf Breuer entgegen, die Arbeit im Kontrollgremium sei zuletzt immer anspruchsvoller geworden und die Bezüge bewegten sich im Mittelfeld gemessen an den übrigen Unternehmen des Dax. "Wir machen keine unangemessen Kapriolen", sagte er.

Die Grundbezüge eines Aufsichtsratsmitglied werden auf 40 000 ? von bisher 20 000 ? steigen. Zuzüglich wird es pro Jahr Aktienoptionen im Gegenwert von 40 0000 ? ausgegeben. Für die Mitgliedschaft in einem Ausschuss werden 20 000 ? pro Jahr gezahlt. Der Aufsichtsratsvorsitzende, der die doppelte Grundvergütung erhält, bezieht in Zukunft insgesamt also bis zu 140 000 ? im Jahr. Dabei ist die Mitgliedschaft in einem Ausschuss unterstellt. Die Neuregelung der Bezüge wurde von der Hauptversammlung mit gut 93 % der anwesenden Stimmen angenommen.

Die Börse wolle in das außerbörsliche Geschäft expandieren, "welches größer und wachstumsstärker als der börsliche Markt ist", umriss Seifert einen Teil der Strategie. Er verwies vor allem auf die Geschäftsbereiche Clearing (Abwicklung von Handelsgeschäften), Wertpapierverwaltung und Informationsprodukte. Insbesondere bei Derivaten und bei Anleihen wird bis heute der Löwenanteil der Geschäfte direkt zwischen den Banken abgewickelt.

Zum Thema Übernahmen hielt sich Seifert weitgehend bedeckt. "Lassen Sie mich an dieser Stelle sagen: Medien und Analysten entwickeln zu wenig Phantasie", sagte er ohne jedoch konkret Übernahmeobjekte zu benennen. "Sie können davon ausgehen, dass wir nicht nur bei Finanzprodukten wachsen werden", fügte er hinzu. Reuters hatte zuletzt aus Branchenkreisen erfahren, dass die Börse unter anderem auch mit dem US-Eigner der führenden europäischen Warenterminbörse (IPE) über eine Akquisition oder einen Allianz verhandelt. Damit würde die Börse erstmals in den Markt mit Rohstoffderivaten einsteigen.

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