Außergerichtliche Einigung
Fondsmanagement ist nichts für Künstler

Der Prozess von Merrill Lynch gegen den Unilever-Pensionsfonds bleibt ohne Urteil - und hat dennoch weitreichende Wirkung.

Die außergerichtliche Einigung im Fall eines angeblich "nachlässig" verwalteten Milliardenvermögens bedeutet das Ende einer Anlagephilosophie. Irgendwann im Prozess kam einmal die Frage auf, ob Fondsmanager Künstler oder Wissenschaftler seien. Seit gestern lässt sich sagen: Ohne wissenschaftlichen Hintergrund haben Künstler in der Branche nichts zu suchen.

Das Ergebnis - die Einstellung des Verfahrens gegen eine vermutlich hohe Summe an die Unilever-Seite - interpretiert man in der Londoner City eher als Niederlage der von Merrill übernommenen Mercury Asset Management. Die Merrill-Seite, so die herrschende Meinung, musste im letzten Moment die Notbremse ziehen. Sonst hätte sich vermutlich gerichtlich bestätigt, was jeder in den bislang 28 Tagen vor dem High Court sehen konnte: Die Verantwortlichen haben haarsträubende Fehler gemacht. Sie ließen ihre Fondsmanager an einer zu langen Leine. Die internen Kontrollen waren schwach, um es freundlich zu umschreiben. Und die Kunden wurden nicht richtig informiert. So wusste der Unilever-Pensionsfonds jahrelang nicht, welche Person bei Mercury nun eigentlich sein Vermögen verwaltet.

Aus dem ebenso schillernden wie teilweise einer Seifenoper ähnelnden Verfahren ergibt sich zweierlei: Erstens dürften die Anwälte der Merrill-Seite in nächster Zeit noch mehr Arbeit bekommen. Potenzielle Nachahmer haben auf einen Ausgang des Prozesses mit dieser Interpretation gehofft. Die Supermarkt-Kette J. Sainsbury etwa hat Mercury vor Jahren einen Teil ihres drei Milliarden Pfund schweren Pensionsvermögens verwalten lassen. Sie prüft derzeit weitere Schritte.

Zweitens strahlt der Prozess auf die gesamte Branche ab. Von Goldman Sachs bis Schroders, von Gartmore bis zur DWS versichern derzeit wohl alle, ihre Standards seien höher als bei Mercury. Intern wird jedoch hektisch abgeklopft, ob man seinen Kunden in der Vergangenheit auch genug über Risiken und Nebenwirkungen der Anlagen erklärt hat.

Ob der unausgesprochene Erfolg von Unilever eine Welle von Klagen nach sich zieht, ist aber noch nicht gesagt. Merrill Lynch selbst wird alles dafür tun, nach der peinlichen Schlappe kritische Anfragen einstiger Kunden so unauffällig wie möglich zu bearbeiten. Und für die übrigen Fondsmanager ist es ein Vorteil, dass sich das Verfahren schon vor dem Prozess jahrelang außergerichtlich hingezogen hat. Diese Zeit haben schlaue Manager dazu genutzt, ihre Kunden die gewählten Strategien erneut zu verdeutlichen.

Das ist der positive Effekt für die Kunden der Fonds. Die Branche dürfte in Zukunft vorsichtiger arbeiten. Teilweise kommen den Managern schon jetzt erstaunliche Einsichten. Etwa, dass man eigene Werbeaussagen stärker an die tatsächliche Entwicklung der Portfolios anpassen sollte. Es ist zudem anzunehmen, dass Manager in Zukunft die Risikobereitschaft ihrer Kunden (noch) genauer ausloten, bevor sie die Konzepte verkaufen.

Nach Unilever gegen Merrill dürfte auch noch etwas klar geworden sein: Fette City-Katzen, die über ihre Boni und Luxus-Yachten diskutieren, werden es in Zukunft schwerer haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%