Außergerichtlicher Vergleich
EM.TV einigt sich mit Morgan Grenfell

Die EM.TV & Merchandising AG hat einen langwierigen Rechtstreit mit der Investmentbank Morgan Grenfell mit einem außergerichtlichen Vergleich beigelegt. Die EM.TV-Aktien reagierten mit einem Kurssprung von mehr als 20 % auf 0,75 ?.

rtr FRANKFURT. Über den Inhalt des Vergleichs sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte der auf Kinder- und Jugendprogramme spezialisierte TV-Rechtehändler am Montag mit. In Finanzkreisen hieß es, EM.TV zahle einen "sehr kleinen Betrag", um den Fall ad acta legen zu können. Früheren Angaben zufolge hatte Morgan Grenfell den Streitwert mit 230 bis 315 Mill. ? beziffert. Unterdessen hat ein EM.TV-Aktionär in einem gerichtlichen Vergleich mit seiner Bank 8500 ? Schadenersatz herausgeholt.

Die Investment-Tochter der Deutschen Bank hatte auf dem Höhepunkt des Börsenbooms im Jahr 2000 Anteile an der Formel 1 an die Münchener Gesellschaft verkauft und dafür EM.TV-Aktien erhalten. Nach einer überraschenden Gewinnwarnung und weiteren Hiobsbotschaften des Unternehmens verloren die Aktien im Jahr darauf mehr als 90 % ihres Wertes. Morgan Grenfell machte daraufhin Gewährleistungsansprüche geltend und reichte Ende 2001 Klage ein. "Die Vereinbarung mit Morgan Grenfell ist ein weiterer Schritt bei der Restrukturierung von EM.TV. Wir können damit die Risiken im Konzern weiter reduzieren und uns auf den Ausbau des operativen Geschäfts konzentrieren", sagte EM.TV-Chef Werner Klatten.

Die Anwaltskanzlei Rotter teilte unterdessen am Montag mit, die Sparkasse Regen-Viechtach in Ostbayern habe einem Vergleich zugestimmt, einem EM.TV-Aktionär wegen einer zweifelhaften Kaufempfehlung für EM.TV-Aktien 50 % seines erlittenen Schadens von 17 000 ? zu erstatten. Dies sei der erste Vergleich, den geprellte EM.TV-Kleinaktionäre bei Schadenersatzklagen vor Gericht erzielt hätten. Die Sparkasse bestätigte die Einigung auf Anfrage. Auch das Landgericht Deggendorf bestätigte einen Vergleich, machte zum Inhalt mit Hinweis auf den Datenschutz keine Angaben.

Das Landgericht Deggendorf habe die Bank haftbar gemacht, weil sie noch in der zweiten Jahreshälfte 2000 zum Kauf der EM.TV-Aktie geraten habe, teilte die Kanzlei mit. Zu diesem Zeitpunkt wurden Zweifel laut, ob das Münchener Medienunternehmen noch seine Prognosen für das Gesamtjahr einhalten konnte.

Zahlreiche Kleinaktionäre haben EM.TV oder Banken auf Schadenersatz verklagt, nachdem die Aktie des einstigen Vorzeigeunternehmens am Neuen Markt ab Sommer 2000 abgestürzt war. Unternehmensgründer Thomas Haffa trat im Sommer 2001 nach anhaltender Kritik ab.

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