"Außergewöhnliche Rücksichtslosigkeit"
Blair-kritische Ministerin zurückgetreten

Die britische Entwicklungshilfeministerin Clare Short ist am Montag wegen des Irak-Krieges von ihrem Amt zurückgetreten. In ihrem Rücktrittsgesuch warf die als "Gewissen" der Labour-Partei geltende Ministerin und überzeugte Kriegsgegnerin Premierminister Tony Blair Wortbruch zur Rolle der Vereinten Nationen vor.

HB/dpa LONDON. Blair, der den Rücktritt nicht persönlich kommentierte, ernannte umgehend die Staatssekretärin im Außenministerium, Baroness Valerie Ann Amos, zur Nachfolgerin. Die in Guyana geborene 49-jährige ist die erste schwarze Ministerin in Großbritannien. Short bleibt Labour - Abgeordnete im Unterhaus. Ein Downing-Street-Sprecher sagte: "Der Premierminister dankt ihr für alles, was sie getan hat."

"Ich fürchte, dass Sie das mir gegebene Versprechen über die Notwendigkeit eines UN-Mandats für die Einsetzung einer rechtmäßigen irakischen Regierung gebrochen haben", hieß es in dem Rücktrittsbrief Shorts, die sechs Jahre im Amt war. Sie hatte Blair bereits vor Beginn des Kriegs wegen seiner harten Haltung in der Irak-Frage heftig kritisiert und ihren Rücktritt für den Fall angekündigt, dass Blair ohne Zustimmung der UN in einen Irak-Krieg zieht. In diesem Zusammenhang hatte sie ihm "außergewöhnliche Rücksichtslosigkeit" vorgeworfen. Seitdem galt das Verhältnis zwischen den beiden als zerrüttet.

Trotzdem blieb Short während des Einmarsches der Alliierten im Irak im Amt und begründete dies damit, sie werde beim Wiederaufbau des Landes nach Ende des Krieges gebraucht. Dessen ungeachtet gab es immer wieder Spekulationen über ihren Rücktritt oder Entfernung aus Blairs Kabinett.

In Shorts Rücktrittsbrief hieß es weiter, Blair habe mit Außenminister Jack Straw im Geheimen über die UN-Resolution verhandelt. Das Ergebnis laufe ihrem Versprechen gegenüber dem Parlament zuwider, nach der die UN den Prozess der irakischen Regierungsbildung federführend begleiten sollte. "Dies macht meine Position unmöglich. Ich bin traurig, und es tut mit leid, dass es nun so geendet hat", hieß es in dem Schreiben. Ein Sprecher Blairs wies die Vorwürfe zurück.

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