Aussichten der größten deutschen Fondsgesellschaften
Deka und Union gehört die Zukunft

Der Marktführer DWS steht besser da als je zuvor: Deutschlands größte Fondsgesellschaft mit über 77 Mrd. Euro in Wertpapier-Publikumsfonds hat im vergangenen Jahr weitere Marktanteile gewonnen. Die nächsten Jahre gehören nach Meinung von Experten allerdings den direkten Verfolgern der Deutsche-Bank-Gesellschaft. Die Investmentfirmen der Sparkassen und Volksbanken, Deka und Union Investment, haben dank ihrer flächendeckenden Filialnetze die größten Absatzpotenziale.

FRANKFURT/M. Hinter den Top Drei wird es enger. Das Schicksal der Allianz/Dresdner-Fondsfirma DIT hängt davon ab, ob sie es schafft, ihren Versicherungsaußendienst für den Fondsabsatz zu mobilisieren. Cominvest und Activest dagegen, Nummer fünf und sechs in Deutschland, haben die schlechtesten Karten. Die Zukunft ihrer Mütter Commerzbank und Hypo-Vereinsbank ist ungeklärt. Das belastet die Stimmung und die Verkaufschancen.

Der Konkurrenzkampf der Großen entscheidet sich auf den Feldern Vertrieb und Produktqualität. "Ein schlagkräftiger Vertrieb ist in den letzten Jahren wichtiger geworden", sagt Bernd Schumacher, Partner bei IBM Business Consulting Services, der früheren PWC Consulting. Für Min Sun, Geschäftsführer bei der Fondsresearchfirma Feri Trust, ist klar: "Auch der Leistungswettbewerb über Produktqualität und Performance ist in vollem Gange; nur wenige werden gewinnen, viele verlieren." Die Gesellschaften stehen noch vor anderen Herausforderungen. Sie müssen in der anhaltenden Aktienbaisse Kosten sparen, haben in einigen Fällen schwierige Umstrukturierungen hinter sich oder stehen kurz davor.

Im Vertrieb hat hat der Marktführer DWS die Deutsche Bank im Rücken. Deutschlands Nummer eins konnte außerdem im vergangenen Jahr mit der DVAG die größte deutsche Vermittlergesellschaft gewinnen, wie DWS-Chef Benkner im Interview unterstreicht. "Allerdings ist das zukünftige Verkaufspotenzial bei den Deutsche-Bank-Kunden begrenzt, denn die meisten haben schon Fonds in ihren Depots", sagt ein Marktbeobachter. Ähnlich ist es bei den anderen Großbanken Dresdner und Commerzbank.

Direkter Kundendraht bietet ideale Absatzchancen

Ganz anders sieht die Lage bei Deka und Union mit ihren sehr großen Filialnetzen aus: Die große Mehrheit der Deutschen unterhält ein Konto bei einer Sparkasse oder Volksbank, beispielsweise ein Girokonto. Der direkte Kundendraht bietet ideale Absatzchancen für Fondsprodukte. Der Deka werden sogar die größten Potenziale zugebilligt. "Die Sparkassen bilden die größte Bankengruppe, so dass aus dieser Sicht die Deka einen Vorteil hat", sagt Jens Kleine, Partner bei Mercer Management Consulting.

Für Schumacher steht "die Allianz/Dresdner-Gesellschaft im Vertrieb am Scheideweg". Die Absatzmöglichkeiten über die Dresdner-Bank-Kunden seien begrenzt. "Es muss gelingen, nach dem DVAG-Verlust den Allianz-Versicherungsdienst voll einzuspannnen", sagt der IBM-Mann. DIT-Chef Rieß äußerte sich zwar zuversichtlich. Joachim Meyer, Vorstand von Fonds Consult Research, macht dagegen "extreme Vertriebsprobleme" aus. Meyer: "Ich glaube nicht, dass der Versicherungsaußendienst den DVAG-Verlust wettmachen kann."

DWS hat gute bis sehr gute Managementteams

Auf dem zweiten Wettbewerbsfeld Produktqualität darf sich die DWS entspannt zurücklehnen. In Performance-Vergleichen schlägt sie ihre direkten Konkurrenten. Das bestätigt Sun von Feri Trust. Nach Meinung vieler Branchenkenner hat die DWS gute bis sehr gute Managementteams sowohl im Aktien- als auch im Anleihebereich. Flaggschiffe wie der Aktienfonds DWS Vermögensbildungsfonds I werden sogar in der Baisse gekauft. Das ist aber auch eine Verpflichtung: Wenn es einmal an der Performance hapern sollte, käme der Marktführer unter Druck.

Beim Thema Produkte schleppen einige Großbanken anscheinend auch noch Altlasten mit sich herum, was ebenfalls den Sparkassen und Volksbanken zu Gute kommt. "Bei den Großen lösen Kunden Depots auf und wandern zu Filialen der Bankenverbünde ab", sagt ein Beobachter, der nicht genannt werden will. Ein anderer Experte findet deutliche Worte: "Sparkassen und Volksbanken haben in der Euphorie-Hausse weniger stark auf Aktienprodukte gesetzt, deshalb ihre Kunden in der anschließenden Baisse auch nicht so verprellt; das zahlt sich jetzt aus."

So gesehen stehen die Chancen also gut. So gut, dass Ex-Deka-Chef Horst Zirener in einigen Jahren noch einen verspäteten Triumph feiern könnte. Denn vor einigen Jahren kündigte er das Überrunden des Marktführers DWS beim Marktanteil an. Er war auch ganz knapp dran. Doch die Aktientalfahrt machte ihm erst einmal einen Strich durch die Rechnung, da die Kursverluste das Deka-Fondsvermögen wegen der höheren Aktienfondslastigkeit stärker drückten als das der DWS.

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