Aussichten eingetrübt: EU-Kommission senkt Wachstumsprognose

Aussichten eingetrübt
EU-Kommission senkt Wachstumsprognose

Wirtschaftsflaute und hohe Ölpreise drücken nach Ansicht der EU-Kommission im laufenden Jahr das Wachstum in Euroland auf nur noch rund ein Prozent. Bisherige Prognosen der Kommission für das Wachstum im Euroraum hatten ungefähr 1,8 Prozent prognostiziert. Ein Irak-Krieg könnte das Wachstum 2003 weiter schmälern, so die Kommission.

dpa/vwd BRÜSSEL. Nach Angaben des Generaldirektors der Wirtschafts- und Währungsbehörde, Klaus Regling, führe die anhaltende Wirtschaftskrise in Verbindung mit den hohen Ölpreisen zu einer Korrektur der Wachstumsprognose auf rund ein Prozent. Die bisherige Schätzungen waren von einem Wachstum von 1,8 Prozent ausgegangen. In den vergangenen Wochen hatte EU-Währungskommissar Pedro Solbes lediglich erklärt, diese Prognose sei "optimistisch" und wegen der geopolitischen Situation und der allgemeinen Unsicherheit nicht mehr zu halten. Solbes deutete zudem an, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei Kriegsausbruch mit Zinssenkungen reagieren könnte, um das Vertrauen zu stützen. Solbes hatte vor wenigen Wochen ein durchschnittliches Realwachstum von nicht mehr als 1,25 Prozent für die Eurozone prognostiziert. Für das vergangene Jahr hatte die Kommission ein BIP-Wachstum von 0,8 Prozent und für 2001 von 1,5 Prozent vorausgesagt. Die Frühjahrsprognose der EU-Kommission soll am 8. April veröffentlicht werden.

Regling wies in Brüssel neuerlich auf die mit großen Unsicherheiten behafteten Prognosen wegen des drohenden Kriegs im Irak hin. Da jedoch dieser noch nicht begonnen habe, enthalte die aktuelle Wachstumseinschätzung von "um ein Prozent herum" auch noch kein Kriegsszenario. Zugleich zeigte er sich optimistisch, dass die Eurozone im kommenden Jahr ihr Potenzialwachstum erreichen sollte, weil die Unsicherheit bis dahin verschwunden sei, die Inlandsnachfrage angezogen haben und sich zudem das Investitionsklima in Europa weiter verbessert haben dürfte.

In dem Quartalsbericht erläuterte Solbes, dass die Rolle der Geldpolitik durch einen scharfen Anstieg der Ölpreise "komplizierter" werde. Allerdings sei die Kerninflation in einem Abwärtstrend, sodass dies den Währungshütern "Raum für Bewegung" gebe. Regling kommentierte dazu, die Geldpolitik und die Finanzierungsfrage seien nicht der Grund für die anhaltende Wachstumsschwäche in Europa, sondern die bisher ausgebliebenen strukturellen Reformen etwa auf den Arbeitsmärkten. Auch die Lissabon-Ziele, bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden, würden vom Wachstum nicht in Frage gestellt, sondern würden unverändert gelten. Es gehe hierbei um eine Reform der Arbeitsmärkte, höhere Beschäftigungsquoten sowie um eine Reform der Alters- und Sozialsysteme, erläuterte der Brüsseler Generaldirektor für Wirtschafts- und Währungsfragen. Den Euro hält Regling unterdessen gegenüber dem US-Dollar für richtig bewertet, zumal dieser nicht außerhalb des langfristigen Durchschnitts liege. Auch exportorientierte Unternehmen dürften wegen ihrer internen Absicherungen die Auswirkungen eines zu starken Euro-Kurses erst in einem oder zwei Jahren spüren, vermutete er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%