Aussteller kehren Fachmesse Popkomm den Rücken
Industrie führt Kopierschutz für CDs ein

Die Musikbranche leidet unter Schwarzbrennerei und privatem Kopieren von CDs sowie unter der Internet-Piraterie. „So wie es jetzt aussieht, werden wir das Jahr mit roten Zahlen beenden“, sagte Peter Zombik vom Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft.

KÖLN. Deutschlands Musikbranche leidet unter Schwarzbrennerei und privatem Kopieren von CDs sowie unter der Internet-Piraterie. "So wie es jetzt aussieht, werden wir das Jahr mit roten Zahlen beenden", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Peter Zombik, zum Auftakt der 13. Musikmesse Popkomm in Köln. "Die Situation hat den Rand der Bedrohlichkeit erreicht." Im Jahr zuvor hatte die Branche noch zulegen können.

Der Absatzeinbruch bei Tonträgern war im ersten Halbjahr 2001 so groß wie seit 20 Jahren nicht mehr, kommentierte Zombik die Zahlen. Die Musikindustrie verkaufte in den sechs Monaten 108,7 Mill. CDs, Musikkassetten, LPs und Singles. Das ist über ein Zehntel weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Umsatz ging um 12,6 % zurück.

Schuld an dem Rückgang sei nicht allein die anhaltend schwache Konjunktur. Vor allem das - in der Regel legale - häusliche Kopieren von CDs schädige die Branche. Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hatte ergeben, dass sich in der Zeit von April des vergangenen bis März dieses Jahres 133 Mill. CD-Rohlinge mit Musik bespielt wurden. Bei der vorletzten Studie habe die Zahl der Kopien noch 66 Mill. betragen.

Ärgerlich für die Branche sei, dass die Kunden ausgerechnet Songs kopieren, mit denen die Konzerne das Geld machen: die der Megastars nämlich. Internet-Downloads - präsentiert auf der begleitenden Online-Messe Phonokomm - sind besonders von Stars wie Madonna beliebt. Ralf Plaschke, Chef der für die Phonokomm zuständigen Poponline GmbH, hofft, dass die Zahl der Besucher auf der virtuellen Messe sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt.

Kopierschutz soll Abhilfe schaffen

Viele Musikverlage wollen dem CD-Kopieren in den kommenden Monaten einen Riegel vorschieben - durch einen Kopierschutz. Brenner können diese CDs nicht mehr lesen. Im vergangenen Jahr war ein Versuch der Bertelsmann-Musiktochter BMG mit einem Kopierprogramm allerdings schief gegangen: Viele normale Abspielgeräte erkannten die Songs auf der CD "Razorblade Romance" der finnischen Gruppe Him nicht.

Auch mit Kopierschutz erwartet Verbandschef Zombik "in den nächsten Monaten keine dramatische Veränderung zum Besseren". Er rechnet nicht damit, dass die Kopierwut der Deutschen nachlässt: "CD-Brenner waren der Renner im Weihnachtsgeschäft des vergangenen Jahres, und wir fürchten, dass das auch in diesem Jahr wieder so sein wird." Schließlich gebe es noch Millionen kopierbare CDs in deutschen Haushalten, und auch vom Radio ließen sich relativ leicht Lieder aufnehmen und auf CD bannen. Hinzu komme das Herunterladen aus dem Internet, das sich trotz der Stilllegung der Tauschbörse Napster weiter großer Beliebtheit erfreut.

Die diesjährige Popkomm hat in diesem Jahr erstmals einen Rückgang der Ausstellerzahlen zu verkraften. Kamen 2000 noch 914 Firmen, waren es in diesem Jahr nur noch 838. Neben den Dotcoms bleiben in diesem Jahr auch viele mittelständische Firmen weg, die unter der schwachen Konjunktur litten, sagte Markus Oster von der Köln Messe GmbH.

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