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Ausstellung zeigt Tragik und Triumphe der deutschen Elf

Speyer (dpa) - «Das Wunder von Bern» (1954), das Wembley-Tor (1966) oder Gerd Müllers Siegtreffer zum 2:1 gegen Holland 1974 - jedem Fußball-Fan läuft heute noch eine Gänsehaut über den Rücken, wenn er an die triumphalen oder auch tragischen Momente deutscher Mannschaften denkt.

Speyer (dpa) - «Das Wunder von Bern» (1954), das Wembley-Tor (1966) oder Gerd Müllers Siegtreffer zum 2:1 gegen Holland 1974 - jedem Fußball-Fan läuft heute noch eine Gänsehaut über den Rücken, wenn er an die triumphalen oder auch tragischen Momente deutscher Mannschaften denkt.

Unter dem etwas gestelzten Titel «Am Ball der Zeit - Deutschland und die Fußball-Weltmeisterschaften seit 1954» erinnert jetzt eine faszinierende Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer an Sternstunden des Sports. Rund 1000 Exponate, darunter Andreas Brehmes vergoldete Schuhe, mit denen er am 8. Juli 1990 in Rom den Elfmeter zum 1:0-WM-Finalsieg gegen Argentinien verwandelte, lassen die Herzen der Sportfans höher schlagen.

Zur Eröffnung kamen viele, die Rang und Namen im deutschen Fußball haben: Zu den mehr als 400 Ehrengästen gehörten die 54er-Weltmeister Ottmar Walter und Horst Eckel sowie «Kaiser» Franz Beckenbauer, um gemeinsam mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck das rote Band für den Ausstellungsbeginn zur durchschneiden. Die 2000 Quadratmeter große Schau ist im Stil einer Zeitreise vom Jahr 2004 zurück bis zum Gewinn der ersten Fußball-Weltmeisterschaft 1954 angelegt, wobei immer wieder das damalige gesellschaftliche und politische Zeitgeschehen mit einfließt.

In verschiedenen Themenräumen wird die Entwicklung von Trikots und Fußballschuhen, Fanartikeln und Bällen dargestellt. Auch der am rechten Außenrist deutlich abgewetzte Fußballschuh von Beckenbauer findet sich. Der «Kaiser» hat für den maroden Zustand seiner «Treter» aus dem Jahr 1970 eine einleuchtende Erklärung: «Ich bin sensibel und etwas abergläubisch - deshalb habe ich die Schuhe getragen, bis sie mir fast von den Füßen fielen.»

Auch ein schwerer Lederfußball aus den erfolgreichen WM-Spielen 1954 in der Schweiz ist zu sehen, der mit seiner harten Verschnürung bei Kopfbällen Spuren auf der Stirn hinterließ. Oder der Fußball vom WM-Endspiel am 30. Juli 1966 in England, der eine kleine Odyssee hinter sich hat: Jener Ball aus dem Wembley-Finale zwischen England und Deutschland, der sich nach einem Schuss von Geoff Hurst zum 3:2 für die Briten nach Ansicht des Schiedsrichters hinter der Torlinie befand. - Der Augsburger Nationalspieler Helmut Haller hatte sich nach dem Schlusspfiff den Ball gegriffen und aus dem Stadion geschmuggelt. Erst in den 60er Jahren konnte das National Football Museum in Preston den Ball bei Haller wieder loseisen - für angeblich 200 000 Pfund.

«Eine tolle Show», lobte Uwe Seeler, Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, nach dem Eröffnungsrundgang. Auch DFB - Vizepräsident Karl Schmidt war beeindruckt: «Eine großartige Darstellung von 50 Jahren Fußballgeschichte.» Als besonderer Clou ist eine virtuelle Pressekonferenz mit allen Bundestrainern seit Sepp Herbergers Zeiten zu sehen, dabie werden Original-Zitate eingespielt.

Der Zuschauer kann sogar selbst Qualifikations- und Endrundenspiele «nachspielen»: Sechs moderne Tipp-Kick-Spielfelder in Tischgröße bieten dazu Gelegenheit. Unvergessen ist etwa die Niederlage bei der Fußball-WM 1974 des bundesdeutschen Teams gegen die Elf der DDR durch Jürgen Sparwassers Treffer zum 1:0. Der SED- Staat kostete den Triumph damals fast propagandistisch aus. Einen anschaulichen Blick in den Alltag der Fußballfans bieten nachgebaute Fanzimmer, wobei deutlich wird, dass es dabei kaum Unterschiede in Ost und West gab. Die Schau ist noch bis zum 17. Oktober zu sehen, die Veranstalter rechen mit einer sechsstelligen Besucherzahl.

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