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Ausstieg bei Tui ebnet WestLB den Weg zur reinen Geschäftsbank

WestLB-Chef Thomas Fischer ist ein Schlitzohr. Hatte der Vorstandschef der Düsseldorfer Großbank in einem Interview am Dienstag noch angedeutet, das sich der Tui -Verkauf bis weit in 2005 hinziehen könnte, ist der Deal nur einen Tag später perfekt.

dpa-afx DÜSSELDORF. WestLB-Chef Thomas Fischer ist ein Schlitzohr. Hatte der Vorstandschef der Düsseldorfer Großbank in einem Interview am Dienstag noch angedeutet, das sich der Tui-Verkauf bis weit in 2005 hinziehen könnte, ist der Deal nur einen Tag später perfekt. "Wir haben unser Ziel, die Tui-Aktien noch in diesem Jahr zu einem angemessenen Preis in verantwortungsvolle Hände abzugeben, vollauf erreicht", frohlockte der Banker. Wie viel die WestLB für das 31-Prozent-Paket erlöste, darüber darf spekuliert werden.

In den Büchern stand das Paket zuletzt mit 16,50 Euro. Das ist auch der Preis, mit dem die Aktie am Mittwoch gehandelt wurde. Insgesamt haben die von der WestLB gehaltenen Tui-Papiere einen Marktwert von rund 900 Mill. Euro. Mit seinem Ex-Arbeitgeber Deutschen Bank, die im Verkaufsprozess nur eine Platzhalterrolle einnahm, dürfte Fischer einen guten Preis ausgehandelt haben. Schließlich wurden die Tui-Anteile für die spanischen Hotelketten von der Deutschen Bank mit Paketaufschlägen auf den Börsenkurs weiter veräußert.

'Verluste Hinzunehmen, Dazu Sind WIR Nicht Bereit'

"Verluste hinzunehmen, dazu sind wir nicht bereit", hatte Fischer in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder betont. Der Vorstandschef setzte auf Zeit. Zahlreiche Interessenten wurden ins Spiel gebracht. Selbst Gerüchte über eine bevorstehende Zerschlagung der Tui-Gruppe machten die Runde. Dann muss es plötzlich ganz schnell gegangen sein, als der WestLB ein Angebot der Deutschen Bank auf den Tisch flatterte. Und Fischer zögerte sich lange. In Branchenkreisen hieß es, die WestLB habe ihre Tui-Aktien mit Gewinn verkauft. Tatsächlich hat die Großbank auch nichts zu verschenken.

In den vergangenen zwei Jahren wurde das Institut von der tiefsten Krise in seiner Geschichte erschüttert. Riskante Auslandsgeschäfte führten zu hohen Wertberichtigungen und Verlusten von rund 3,6 Mrd. Euro. Vorstände nahmen ihren Hut, die Bank wurde grundlegend neu ausgerichtet und erhielt eine Kapitalspritze. Seit Anfang 2004 treibt Fischer den Umbau der WestLB voran, dazu gehört die Trennung von allen nicht-strategischen Beteiligungen. Ganz oben auf der Agenda: Das Anteilspaket an Tui.

Ende Einer Langen Tradition

Mit dem Verkauf endet zugleich eine lange Tradition mit dem niedersächsischen Unternehmen. Unter ihrem damaligen Vorstandschef Ludwig Poullain war die WestLB vor 35 Jahren (1969) bei der - damals allein im Stahlgeschäft tätigen - Preussag eingestiegen, der Vorgängerin des Tui-Konzerns. Dies war zugleich der Beginn einer Beteiligungspolitik, die später von dem inzwischen verstorbenen Friedel Neuber fortgesetzt wurde und dem öffentlich- rechtlichen Institut wegen des industriepolitischen Engagements (unter anderem Babcock, LTU, RWE, Hoesch, Kaufhof) und seiner Nähe zur Landesregierung viel Kritik einbrachte.

Inzwischen ist das Geldhaus in eine öffentliche Förderbank und eine privatwirtschaftlich agierende Bank getrennt. Die WestLB AG hat die mittelständische Kundschaft, die Sparkassen und den vermögenden Privatanleger in den Fokus gerückt. In der Branche steht die Bank schon bald im knallhartem Wettbewerb mit dem privaten Kreditgewerbe. Mitte 2005 verliert das Institut die Staatshaftung, die ihr erstklassige Bonitäten durch Rating-Agenturen und damit günstige Refinanzierungsmöglichkeiten gesichert hatten.

Kasse machen will die WestLB auch mit anderen Beteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Noch in diesem Jahr soll der Stahlhändler Klöckner (Klöco) einen neuen Eigentümer finden. Verhandelt wird derzeit intensiv mit der Beteiligungsgesellschaft Bessemer, Vogel & Treichl (BVT). Angeblich ist mit Investoren schon ein Vorvertrag unterzeichnet.

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