Ausstieg zum Monatsende
ACG-Vorstandschef Bohn tritt zurück

Der Vorstandsvorsitzende des angeschlagenen Chipbrokers ACG, Peter Bohn, ist zurückgetreten. Wie die im Nemax 50 notierte Gesellschaft am Donnerstagabend in Wiesbaden mitteilte, hat Bohn im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt und wird zum Monatsende ausscheiden.

vwd/ddp-vwd WIESBADEN. Einen Nachfolger nannte das Unternehmen noch nicht. Bohns Aufgaben werden vorläufig vom bestehenden Vorstand weitergeführt.

Bei ACG wollte man sich am Freitag nicht weiter zu Bohns Ausscheiden äußern. "Wir wollen nun den Blick nach vorn richten", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die Investoren sollten aber ihr Augenmerk darauf lenken, dass nun die Unternehmensführung wieder vollständig in die Hände der Gründer zurückfalle, die für den bisherigen Erfolg des gut aufgestellten Unternehmes und das intakte Businessmodell maßgeblich verantwortlich seien, so der Sprecher.

Und schließlich seien die Firmengründer wegen ihrer Aktienpakete, die sie noch vollständig hielten, hoch motiviert, zum Erfolg des Unternehmens und damit auch zu Kurssteigerungen beizutragen. Man wolle eine "offene und ehrliche" Informationspolitik betreiben. Es seien natürlich schwierige Zeiten im Technologiesektor, sagte er. Der Vorstand sei jedoch zuversichtlich, den unternehmerischen Erfolg von ACG auszubauen, hieß es.

Der Kurs von ACG war nach einer am 9. Juli veröffentlichten, überraschenden Gewinn- und Umsatzwarnung unter Druck geraten. Der Betreiber eines Nachfragepools für Speicherchips und Chipkarten hatte seine Umsatz- und Ergebnisprognosen für das Jahr 2001 drastisch nach unten korrigiert. Als Grund für die deutlich zurückgenommenen Erwartungen hatte ACG die schlechtere Entwicklung im Halbleiter- und im Mobilfunkbereich sowie die allgemeine Marktschwäche bei Halbleitern und elektronischen Bauelemente angeführt.

In Analystenkreisen wurde die Personalentscheidung begrüßt, denn es gelte für den Chipkartenhersteller, seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Investoren wieder herzustellen. Und Peter Bohn habe mit seinen Äußerungen, dass es keine Umsatz- oder Gewinnwarnung geben werde, die sogar noch kurz vor der dann doch erfolgten Zurücknahme der Planungen aufrecht erhalten worden sei, die Vertrauenskrise der Anleger ausgelöst, sagte ein Analyst. Zwar habe Bohn beispielsweise bei der Integration der Töchter in den Konzern gute Arbeit geleistet, und vielleicht fehlende Managementerfahrungen der Gründer bei der Strukturierung der Holding ausgeglichen.

Doch nun gelte es vorrangig, die Kommunikation mit den Anlegern zu verbessern. So sieht Analyst Michael Geiger von Credit Suisse First Boston den Kurseinbruch infolge der Mitteilung über die Personalie als unverständlich an. "Vielleicht glauben einige Anleger, dass nun bei ACG noch Leichen aus dem Keller geholt werden. Ich glaube das nicht", sagt er. Es bleibe bei der Einstufung "Hold" für ACG mit Kursziel 12 Euro.

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