Australier mehr und mehr ablehnend gegenüber Asylbewerbern
Hintergrund: Ein dünn besiedeltes Land kämpft gegen Zustrom von Flüchtlingen

Mit ihrer harten Haltung gegenüber den 460 Flüchtlingen auf dem norwegischen Frachter "Tampa" zieht die australische Regierung internationale Kritik auf sich. Australien - dessen weiße Besiedlung als Sträflingskolonie ihren Anfang nahm - ist seit Jahrhunderten das Ziel von Einwanderern. Doch das weite Land bietet viel Platz: Auf einer Fläche, die mehr als 21 Mal so groß wie Deutschland ist, leben gerade einmal 19 Mill. Menschen - das sind weniger als ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland.

ap CANBERRA. Warum also kämpft Australien, eines der reichsten Länder im asiatisch-pazifischen Raum, so hartnäckig gegen eine Schiffsladung Flüchtlinge? "Wir können es nicht zulassen, dass Australien für Asylsuchende auf der ganzen Welt als leichtes Einwanderungsziel gilt", erklärte Ministerpräsident John Howard. Seine konservative Regierung schätzte im Mai, dass die Kosten für illegal eingereiste Flüchtlinge bis zum Jahr 2003 auf jährlich 127 Mill. Dollar (145 Mill. DM/74 Mill. ?) steigen würden.

In Australien wird Ende des Jahres eine neue Regierung gewählt. In Umfragen liegt die oppositionelle Arbeitspartei in Führung. Sie unterstützt die harte Haltung Howards in der Flüchtlingsfrage zwar, wirft ihm aber zugleich vor, sich bei den Wählern anzubiedern, die der steigenden Zahl von Flüchtlingen zunehmend ablehnend gegenüberstehen. In der Tat befürwortet Umfragen zufolge eine große Mehrheit der Australier die Position des Regierungschefs.

Dabei wird Australien im Verhältnis zu seiner Landfläche nur von wenigen Flüchtlingen angesteuert: In den ersten drei Monaten dieses Jahres beantragten dort nach Angaben des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) 2 386 Menschen Asyl, in Deutschland waren es im selben Zeitraum 21 054, in Großbritannien 17 000 und in den USA 15 000. Die Haltung gegenüber Einwanderern hat sich auf dem Kontinent mehrfach gewandelt. Kurz nach der Staatsgründung 1901 erließ die Regierung Gesetze zur Erhaltung eines "Weißen Australiens", um Asiaten und andere Nicht-Europäer fern zu halten. Diese Politik galt bis in die 60er Jahre.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Australien eine Vielzahl europäischer Einwanderer auf, seit den 70er Jahren kamen viele Asiaten, darunter zehntausende Vietnamesen und kambodschanische Bootsflüchtlinge. In den vergangenen Jahren hat die Aufnahmebereitschaft deutlich nachgelassen. Manche Flüchtlinge gelangen per Flugzeug nach Australien, die meisten aber kommen mit Schiffen und Booten, die von Menschenschmugglern betrieben werden. Die Schiffe legen in Indonesien ab und nehmen Kurs auf die zu Australien gehörende Weihnachtsinsel im Indischen Ozean, vor deren Gewässern nun auch die "Tampa" mit den meist afghanischen Flüchtlingen festliegt. Andere versuchen, direkt im Nordwesten des australischen Festlands an Land zu gehen.

Warten auf Asylverfahren in Lagern im Outback

Von Mitte 2000 bis Mitte 2001 erreichten 54 Schiffe mit insgesamt 4 141 Menschen das Land - überwiegend aus dem Nahen Osten, zunehmend aber auch aus Afghanistan. Yusuf Hassan, Sprecher des UNHCR in Islamabad, erklärte, die "humanitäre Katastrophe" in ihrem Land habe in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 400 000 Afghanen zur Flucht veranlasst. Viele zahlen den Menschenschmugglern bis zu 14 000 Dollar (16 000 DM/8 100 ?) für eine Passage nach Europa oder Australien.

In den vergangenen 18 Monaten hat die Behandlung der Asylbewerber in Australien heftige Kritik internationaler und örtlicher Menschenrechtsgruppen, Kirchen und sogar eines überparteilichen Parlamentsausschusses auf sich gezogen. Die Flüchtlinge werden in Sammellagern festgehalten, die sich häufig im Outback befinden, dem menschenleeren, heißen und trockenen Gebiet im Landesinneren. Ihre Asylanträge werden oft erst nach Monaten oder Jahren entschieden. Vor allem die Internierung von Frauen und Kindern stößt auf die Kritik von Bürgerrechtsgruppen. Einige der Betroffenen befinden sich seit mehr als drei Jahren in den Lagern.

In jüngster Zeit haben Asylbewerber mit Aufständen und Ausbruchsversuchen gegen ihre Lebensbedingungen und die lange Dauer der Asylverfahren protestiert. Die Regierung bemüht sich auf verschiedene Weise, die Zahl der Flüchtlinge einzudämmen. Dazu zählen etwa Abkommen mit Ländern wie Indonesien, um Bemühungen zu einem Stopp der Flüchtlingsschiffe zu koordinieren. Und die Einwanderungsbehörde produzierte sogar ein Video, mit dem potenzielle Asylbewerber abgeschreckt werden sollten: Darin wurden die Gefahren der australischen Wildnis wie Schlangen, Giftspinnen und Krokodile gezeigt, denen die Immigranten nach der riskanten Seereise ausgesetzt seien.

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