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Austrian Airlines will Mehrheit bei Lauda durch Kauf von Lufthansa-Anteil

rtr WIEN. Die österreichische Fluglinie Austrian Airlines will offenbar nun mit dem Erwerb der Mehrheitsbeteiligung an der Lauda Air ihren Streit mit der Gesellschaft beenden. "Wir müssen mehr Durchgriff haben, damit wir jene Maßnahmen umsetzen können, von denen wir glauben, dass sie für die ganze Gruppe große Vorteile bringen", sagte AUA-Vorstand Mario Rehulka am Mittwoch in Wien. Die AUA ist derzeit mit 35,9 % an Lauda beteiligt. Die Mehrheit erlangen will die Fluglinie nach eigenen Angaben durch den Kauf des 20-Prozentpakets der Deutschen Lufthansa an Lauda. Die Lufthansa wollte in der Sache auf Anfrage allerdings keine Stellungnahme abgeben.

Auslöser des von der AUA AG angestrebten Mehrheitseinstiegs bei Lauda sind Differenzen darüber, wie die zurzeit defizitäre Lauda Air am besten wieder flott gemacht werden kann. Lauda rechnet nach eigenen Angaben im aktuellen Geschäftsjahr mit einem Verlust von 558 Mill.Schilling (rund 80 Mill. DM). Firmenchef Niki Lauda will mit dem Verkauf und dem Zurück-Mieten von Flugzeugen ("Sale-And-Lease-Back") stille Reserven in Höhe von 1,1 Mrd. Schilling heben und damit die Bilanz ausgleichen. Die Großaktionärin AUA lehnte dies allerdings als reine Finanztransaktion ab und sprach von einem unzulässigen Vorgriff in die Zukunft der Gesellschaft. Zudem seien die von Lauda genannten Verluste zu tief gegriffen. Die AUA hatte in der vergangenen Woche erfolglos versucht, die von Lauda geplanten Transaktionen zu verhindern.

Nach Mehrheitsübernahme soll Lauda-Sanierung folgen

Der AUA-Vorstand will sich nach eigenen Angaben nun im Dezember vom Aufsichtsrat die Genehmigung holen, mit der Lufthansa in Gespräche über den Kauf des 20-Prozent-Anteils an Lauda Air einzutreten. 30 % werden vom Firmen-Gründer und früheren Formel-1-Weltmeister Niki Lauda gehalten. Nur über die Mehrheit sei der volle Durchgriff und die nachhaltige Sanierung der in den roten Zahlen operierenden Lauda Air möglich, sagte AUA-Vorstand Rehulka weiter. Die von Lauda geplanten "Sale-And-Lease-Back"-Geschäfte würden in den kommenden Jahren Kosten von 100 Mill. Schilling aufwerfen. Allerdings sei der Plan vom Lauda-Vorstand bereits umgesetzt und daher nicht mehr rückgängig zu machen. Nach erfolgter Mehrheitsübernahme müsse AUA dann Lauda sanieren, fügte Rehulka hinzu.

Rehulkas Worten zufolge solle eine Sonderprüfung der Lauda Air nun Klarheit schaffen und mögliche Verfehlungen aufzeigen. Lauda habe bereits bei der Veröffentlichung des Halbjahresergebnisses vermutlich falsche Angaben gemacht. Sollte eine Pflichtverletzung vorliegen, dann müßte der Aufsichtsrat Konsequenzen ziehen. Zwischen Niki Lauda und dem AUA-Management hatte es in den vergangenen zwei Wochen zum Teil heftige Auseinandersetzungen gegeben. Lauda hatte dem AUA-Management unterstellt, "dass sie die Lauda Air ausradieren und mich weg haben wollen". Die AU-Verantwortlichen hatten dies strikt zurück gewiesen. "Uns geht es um die Sache und um eine wirtschaftlich lebensfähige Lauda, nicht um Niki Lauda", hatte Firmenchef Bammer gesagt.

Ein öffentliches Angebot für den rund 14-prozentigen Streubesitz an der Lauda Air sei nicht auszuschließen, aber eher unwahrscheinlich, da die AUA auch beim Erwerb aller umlaufenden Papiere nicht die Mehrheit an Lauda bekommen würde, sagte Rehulka weiter. Nach österreichischem Übernahmerecht wäre jedoch ein Pflichtangebot an den Streubesitz notwendig, wenn sich die AUA mit der Lufthansa über den Kauf der Anteile einig würde. Die AUA hat darüber hinaus auch die Option, in einem ersten Schritt ab Juli 2001 knapp ein Viertel des Aktienpaktes von Niki Lauda zu übernehmen.

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