"Ausverkauf" von Bank-Aktien
Börse Tokio zum Wochenende knapp behauptet

Reuters TOKIO. Zum Wochenende schloss der Nikkei-Index zum vierten Mal in Folge im Plus. Er notierte mit 2,38 Punkten oder 0,02 % auf 13 383,76 Zähler moderat fester. Anleger hätten nach der Veröffentlichung der Regierungssmassnahmen zur Stützung der Wirtschaft Bankentitel zugunsten von Technologiewerten verkauft, sagten Händler.

"Das Paket sieht recht solide aus. Aber es sind noch viele Fragen unbeantwortet", erklärte ein Marktteilnehmer. Der Topix-Index kam wegen den massiven Abgaben im Bankensektor unter Druck und schwächte sich um 0,31 % auf 1 313,76 Zähler ab. In den vergangenen Sitzungen hatten Bankenwerte im Vorfeld des erwarteten Wirtschaftspakets insgesamt solide tendiert, da angenommen wurde, dass sie von Massnahmen profitieren dürften.

Das Problem des am Freitag vorgestellten Massnahmenpakets, die schliesslich den Ausverkauf bei den Banken nach sich zog, lag darin, dass kein definitiver Zeitrahmen bezüglich des geplanten Fonds angegeben wurde, hiess es in Händlerkreisen. Der öffentliche Fonds, der zur Stützung der Aktienkurse eingesetzt werden soll, wird von Marktteilnehmern als eines der Schlüssel-Elemente im Paket angesehen. Unsicherheit, ob das Parlament in den kommenden Sessionen die Einsetzung eines solchen Fonds beschliessen würde, zog deshalb Gewinnmitnahmen bei den Finanztiteln nach sich. "Der Fonds, wie er hier vorgestellt ist, hat so keinen Sinn", sagte ein Händler. Im Regierungskommunique hiess es, dass "der Fonds so schnell wie möglich implementiert" werde.



Das von der Regierung zwei Tage verspätet vorgestellte Stützungspaket legte den Schwerpunkt auf die Abschreibung fauler Bankkredite. Ausserdem sollen Banken zukünftig weniger den Schwankungen der Börse ausgesetzt sein. Zu diesem Zweck ist die Einsetzung eines öffentlichen Fonds vorgesehen, der einen Teil der Bankenbeteiligungswerte im Wert von 43 Billionen Yen oder 346 Mrd. US-Dollar übernehmen soll.



Mizuho Holdings sackten rund sieben Prozent auf 734 000 Yen ab. Noch am Vortag hatte die Aktie bei 789 000 Yen den höchsten Stand seit November letzten Jahres erreicht. Asahi Bank fielen 6,03 % auf 343 Yen und auch Sumitomo Mitsui Banking gaben rund sechs Prozent auf 1,155 Mill. Yen nach. Der Bankensubindex verlor 3,8 %.



Technologiewerte profitierten von den Nasdaq-Vorgaben und den Umschichtungen aus den Finanzwerten. Fujitsu legten 0,86 % auf 1651 Yen zu, Softbank kletterten 5,51 % auf 4790 Yen und NEC schlossen 2,54 % fester mit 1980 Yen.



Der Börsenumsatz der ersten Sektion betrug 975,19 (Vortag 1 129,15) Mill. Aktien.



Aus Enttäuschung über ein Konjunkturnotpaket der Regierung habe der Nikkei zwischenzeitlich mehr als 100 Punkte eingebüßt, sagten Händler. Das Konjunkturpaket sieht im Kern eine zuvor bereits angekündigte Zwei-Jahresfrist für 16 der führenden Banken zur Beseitigung ihrer faulen Kredite vor. Zudem wird "so bald wie möglich" die Schaffung eines Fonds angestrebt, der mit Staatshilfe Unternehmensbeteiligungen der Banken aufkaufen soll. Details sind allerdings noch unklar.



Die erstmals offizielle Rücktrittsankündigung des japanischen Ministerpräsidenten Yoshiro Mori spielte Händlern zufolge keine große Rolle, da ein baldiges Ausscheiden des unbeliebten Regierungschefs ohnehin erwartet worden war.



Das Vorhaben, Fristen für die Beseitigung der faulen Kredite im japanischen Bankensystem zu setzen, werde dem Ernst der Lage nicht gerecht, sagte Volkswirt Hiromichi Shirakawa von UBS Warburg. Die Regierungskoalition würde es weiter vermeiden, die "bittere Medizin" bezüglich dieses Problems zu schlucken, fügte Shirakawa hinzu. Er halte es für unwahrscheinlich, dass der Plan der Regierung, mit Hilfe eines Fonds die Überkreuzbeteiligungen der Banken aufzukaufen, noch vor Juni in die Tat umgesetzt werde. Vielmehr sei das Risiko, dass das Vorhaben liegen bleibe, gestiegen, da es Uneinigkeit darüber in der Regierung gebe.



Aktien vom Mikrochip-Herstellern schlossen im Plus, wenn auch unterhalb ihrer Tageshöchsstände. Hintergrund für die positive Tendenz sei das offensichtliche Ende des Preisverfalls bei DRAM-Speicherchips. Fujitsu stiegen um 14 Yen auf 1.640 Yen, NEC kletterten um 49 Yen auf 1.980 Yen und Hitachi legten 34 Yen auf 1.088 Yen zu.



Die äußerst feste Nasadaq vom Vortag sorgte für Gewinne bei den Technologie-Titeln. Jedoch blieben auch hier die Kurse unter ihren Spitzenwerten des Tages. Rohm gewannen 90 Yen auf 20.140 Yen, Advantest verteuerten sich um 380 Yen auf 12.820 Yen und Kyocera stiegen um 250 Yen auf 11.640 Yen.



Gewinnmitnahmen lasteten dagegen auf dem Banken-Sektor. Mizuho Holdings sackten um 55.000 Yen auf 734.000 Yen, UFJ Holdings verloren 44.000 Yen auf 783.000 Yen, während Mitsubishi Tokyo Financial Group unverändert zum Vortag bei 1,25 Mill. Yen notierten. Die Aktien des Automobilherstellers Mazda gaben 20 Yen auf 305 Yen ab. Das Unternehmen hatte seine Prognose für den Konzern-Verlust im Bilanzjahr 2001 von ursprünglich 49,5 Mrd. Yen auf 156,5 Mrd. Yen ausgeweitet. Grund für die Revision der Daten seien Tilgungsverpflichtungen und die Neubewertung von Immobilien.

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