Auswärtiges Amt sieht erhöhtes Risiko bei Reisen nach Fernost
Epidemie verunsichert deutsche Konzerne

Die hoch ansteckende Lungenentzündung SARS hat Asiens Börsen erreicht. Neben anderen Werten aus der Reisebranche zählten gestern die Fluggesellschaften Singapore Airlines und Cathay Pacific (Hongkong) zu den Hauptverlierern. Zwar halten sich die Weltgesundheitsbehörde WHO und auch das Auswärtige Amt (AA) in Berlin mit offiziellen Reisewarnungen zurück.

DÜSSELDORF. Doch die Fluggesellschaften spüren bereits eine deutliche Zurückhaltung bei Buchungen: "Wer nicht unbedingt fliegen muss, der fliegt im Moment nicht", sagte eine Sprecherin von Cathay Pacific.

Das AA hat gestern erstmals von einem "etwas erhöhten Risiko" bei Reisen nach Hongkong, China, Singapur und Vietnam gesprochen. Reisen dorthin sollten "sehr sorgfältig abgewogen werden".

"Wir beobachten die Lage sehr genau und werden, wenn nötig, die Kapazität auf den entsprechenden Routen anpassen", sagte ein Konzernsprecher von Singapore Airlines (SIA). Auch deutsche Manager werden in den nächsten Tagen seltener in den Maschinen nach Asien sitzen. So empfehlen die Konzerne BASF und Alstom ihren Mitarbeitern bereits, Reisen in SARS-Gebiete zu verschieben. Es handele sich aber lediglich um Ratschläge, betonte eine Sprecherin der Alstom LHB in Salzgitter. Siemens, Bayer und die Post-Tochter DHL sehen zurzeit keine Bedrohung durch die Krankheit. Geschäftsreisen nach Fernost würden uneingeschränkt genehmigt. Das gilt beispielsweise für die Transrapid-Baustelle in Schanghai, wo sich neben Siemens-Ingenieuren auch zahlreiche Thyssen Krupp-Mitarbeiter - aufhalten. Bombardier Transportation, mit deutschen Kräften zurzeit am Bau einer U-Bahn-Linie in Guangzhou (Kanton) beteiligt, hatte gestern noch keine Entscheidungen in Sachen SARS getroffen.

Deutsche Touristik-Unternehmen sehen noch keinen Anlass zur Reaktion

Bei den deutschen Reiseveranstaltern tagten erste Krisenstäbe. Übereinstimmend heißt es jedoch, dass es bisher keinen Grund gebe, Reisen nach Fernost abzusagen oder vorzeitig zu beenden. Ohnehin ist die Zahl der Urlauber zumindest in China derzeit gering. Das Reich der Mitte, so ein Tui-Sprecher, sei ein Sommerziel. Der Düsseldorfer Fernreise-Spezialist Explorer Reisen äußerte nach Informationen aus Hongkong und Singapur die Überzeugung, dass es sich bei der Krankheit "nicht um eine große Killerepedemie" handele. Auch andere Veranstalter sehen nach Recherchen in den Zielgebieten keinen Anlass zum Handeln, solange das AA keine Reisewarnung ausspricht.

In der Bewertung der Krankheit sind sich die Mediziner nach wie vor uneins. Nach Ansicht des Mikrobiologen Bernhard Fleischer wird die Infektionswelle in den nächsten Wochen abflauen. "Wir können nicht damit rechnen, dass es eine weltweite Epidemie gibt, die sich auf die Bevölkerung auswirkt. Wir haben Glück, dass das Virus nicht so ansteckend und leicht übertragbar ist, als erst befürchtet wurde", sagte der Direktor des Bernhard- Nocht-Instituts für Tropenmedizin in Hamburg. Claudia Stern, Ärztin beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, stuft die Krankheit indes gefährlicher ein als die Pest: "Aus medizinischer Sicht würde ich jedem massiv abraten, dort noch hinzufliegen", sagte sie dem Handelsblatt. Die Ansteckungsgefahr stufte sie als hoch ein.

Asienreisenden rät Fleischer, einen Mundschutz ins Reisegepäck zu legen und ihn etwa bei Busfahrten zu verwenden. Bei der Lufthansa gibt es, so Personalvorstand Stefan Lauer, bisher "keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen". Die Vorsorge müsse in den Ländern betrieben werden. Thomas Cook, die gemeinsame Reisetochter von Lufthansa und Karstadt Quelle, hat die Kabinenbesatzungen seiner Ferienflieger angewiesen, "aufmerksam die Passagiere zu beobachten". Im Falle von SARS-Symptomen sollten die jeweiligen Passagiere möglichst isoliert werden. Am Zielflughafen sollen zudem die Gesundheitsbehörden informiert werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%