Ausweichmanöver mit Folgen
Heike Drechslers Albtraum in der Grube

Aus Angst vor einem Loch in der Weitsprung-Grube fiel Heike Drechsler in den WM-Abgrund.

dpa EDMONTON. «Beim Einspringen habe ich gesehen, dass die Grube nicht richtig zugegraben war», berichtete die 36-jährige Olympiasiegerin nach ihrem Aus am Sonntag in der Qualifikation in Edmonten, «ich wollte der Untiefe ausweichen und da hat es noch in der Luft in den Adduktoren gezuckt.» Dennoch versuchte sie es mit einer Bandage am rechten Oberschenkel, musste aber zwei Versuche abbrechen. «Ich wollte es nicht wahr haben und es wenigstens probieren», begründete sie ihr schmerzhaftes Bemühen. «Ich bin wie betäubt. Es ist wie ein Albtraum», sagte Heike Drechsler, nachdem sie einige Tränen der Enttäuschung vergossen hatte.

Duplizität des Pechs: Vor zwei Jahren bei der WM in Sevilla erlitt die populäre Karlsruherin beim Aufwärmen eine Wadenverletzung und musste passen. «Die WM ist nicht mein Ding. Aber ich bin alt genug, um das zu verarbeiten», meinte Heike Drechsler, die 1983 und 1993 Weltmeisterin wurde. Nicht ausgeschlossen ist, dass ihre WM-Erfolgsserie im Zehn-Jahres-Rhythmus nicht abreißt und sie 2003 in Paris noch ein Mal dabei ist. «Sollte ich bei der Europameisterschaft im nächsten Jahr in München gesund sein und eine Medaille holen, denke ich auch an die WM», kündigte der «Evergreen der Grube» an.

Auf jeden Fall will sie 2002 wieder große Sprünge machen. «Im nächsten Jahr lasse ich nichts anbrennen. Man sollte mich nicht zu früh abschreiben», meinte Heike Drechsler, die es nach ihrer Heldentat von Sydney etwas übertrieben hat. «Es war wohl zu viel», bekannte sie. Dies wurde bereits in den Ergebnissen vor der WM sichtbar, belegte sie doch mit mäßigen 6,79 Meter nur Platz zehn in der Weltrangliste. «Ich hatte aber etwas drauf und war motiviert. Es ist bitter», sagte sie.

Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte Heike Drechsler am Montag in der Poliklinik von Edmonton einen Termin für eine Kernspintomographie. «Es ist eine schwerwiegende Verletzung, möglicherweise auch ein Muskelfaserriss», erklärte Mannschaftsarzt Helmut Schreiber. Unabhängig von der exakten Diagnose der Verletzung kündigte sie jedoch an: «Die Saison ist vorbei. Und ob ich in der Halle antreten werde, weiß ich auch nicht - möglicherweise über 200 Meter, um mal etwas anderes zu machen.»

Trotz ihrer Malaise wird sie bis zum 11. August in der kanadischen Metropole bleiben, um die deutsche Mannschaft zu unterstützen. «Ich will die Daumen drücken. Der Rest des Teams soll sich nicht durch so etwas beeindrucken lassen», sagte Heike Drechsler und fügte angesichts zahlreicher Ausfälle und kleiner Pleiten hinzu: «Wir haben noch keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.» So engagierte Vorbilder wünscht sich der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mehr. Deshalb war DLV-Präsident Clemens Prokop nach einer ganzen Serie von Verletzungen auch betroffen vom Pech seiner Vorzeigeathletin: «Es ist tragisch und tut uns sehr weh.»

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