Auswertung der black boxes beginnt Freitag
Absturzursache weiter unklar

Nach der Flugzeugkatastrophe über dem Bodensee ist die genaue Ursache der Tragödie weiter unklar. Mit der Auswertung der Magnetaufzeichnungsbänder der black boxes soll am Freitag begonnen werden.

dpa BRAUNSCHWEIG/ÜBERLINGEN. Nach der Flugzeugkatastrophe über dem Bodensee ist die genaue Ursache der Tragödie weiter unklar. Die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) wollten am Freitag mit der Auswertung der Magnetaufzeichnungsbänder der black boxes beginnen. Ergebnisse wurden jedoch zunächst noch nicht erwartet. Insgesamt sind 4 der 69 gefundenen Todesopfer identifiziert. Neben den Piloten der Frachtmaschine konnten zwei Opfer ihren Familien zugeordnet werden. Bei der Kollision einer russischen Passagiermaschine mit einem Frachtflugzeug waren in der Nacht zum Dienstag 71 Menschen gestorben.

Der noch fehlende Flugschreiber der Tupolew war am Freitag in Niedersachsen eingetroffen. Von den am Mittwochabend in Braunschweig abgelieferten Geräten hatte sich eines als nicht angeschlossenes Reservegerät der russischen Maschine herausgestellt, erklärte Axel Thiel, Leiter der Auswertungsabteilung. Wie bei den bereits geöffneten Rekordern könnten laut Thiel auch bei dem vierten Gerät größere Schäden entstanden sein. Die schon geborgenen Bänder sind zum Teil zerrissen.

Am Donnerstag hatten deutsche Ermittler erste gesicherte Erkenntnisse über den Ablauf vor der Kollision präsentiert. Die Schweizer Flugsicherung skyguide habe die Tupolew-Crew lediglich 44 Sekunden vor dem Zusammenstoß zum Sinkflug aufgefordert - weniger als bisher angenommen, hieß es bei der BFU. Ein sanfter Sinkflug erfordere jedoch 90 Sekunden. skyguide versuchte, den Spekulationen und Berichten über ein Versagen oder mögliches Fehlverhalten entgegenzuwirken. Es gebe keine festen Vorschriften über eine Mindestzeit, nach der ein Pilot bei einem drohenden Zusammenstoß gewarnt werden müsse, sagte ein Sprecher.

Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD) plädierte für die Ratifizierung eines Fluglärm-Vertrages mit der Schweiz. Ein Pressesprecher des Verkehrsministeriums hob am Freitag in Berlin hervor, dass bei einem Scheitern des Staatsvertrages die Flugkontrolle im südwestlichen Grenzgebiet aus verfassungsrechtlichen Gründen wieder von Deutschland übernommen werden müsste.

Die bisherige Überwachung des süddeutschen Luftraumes durch die Schweizer Flugsicherung skyguide verstößt laut einem Rechtsgutachten gegen das Grundgesetz. Der Hamburger Anwalt Marco Núñez Müller, der den an die Schweiz grenzenden Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg vertritt, sagte der dpa am Freitag: "Das Grundgesetz regelt die Zuständigkeit in Artikel 87d und 24 eindeutig. Die jetzige Lage verstößt dagegen." Nach Angaben eines Ministeriumssprechers werde die Rechtslage jedoch durch den geplanten Staatsvertrag Deutschlands mit der Schweiz geregelt.

Hunderte Polizisten durchkämmten am Freitag erneut die Absturzstelle. Sie suchten die zwei noch fehlenden Toten, sagte Polizeisprecher Egon Haak. "Wir suchen die Stecknadel im Heuhaufen." Darüber hinaus wurde das Abräumen der Wrackteile fortgesetzt. Bis zum Samstagabend sollen die weit verstreuten Trümmer beseitigt sein. Auch das Heckteil der verunglückten Tupolew in Überlingen-Brachenreuthe soll abtransportiert werden. Hier hatten am Donnerstag Angehörige der russischen Absturzopfer bei einer Abschiedszeremonie Blumen und Kränze niedergelegt. Am Sonntagabend soll hier auch mit einen ökumenischen Feldgottesdienst der Todesopfer gedacht werden.

Unterdessen wurde bekannt, dass am Mittwochabend über der westenglischen Stadt Bristol beinahe zwei Passagiermaschinen der British Airways zusammengestoßen wären. Die automatischen Kollisions- Warngeräte (TCAS) hätten jedoch funktioniert und beide Maschinen voneinander weg gesteuert, als sie sich auf rund 300 Meter näherten, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft.

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