Auswirkung auf Finanzkrise in der Türkei
Chef der Bankenaufsicht der Türkei zurückgetreten

Nach dem Notenbank-Chef ist nun auch Zekeriya Temizel am Samstag überraschend von seinem Amt zurückgetregen. Er war maßgeblich an der Reform des türkischen Bankensystems beteiligt.

Reuters ANKARA. Der Chef der türkischen Bankenaufsicht Zekeriya Temizel ist am Samstag überraschend zurückgetreten und hat damit Experten zufolge den Optimismus auf eine baldige Erholung des krisengeschüttelten Finanzsystem des Landes wieder etwas gebremst. Temizel begründete in der Mitteilung seinen Schritt jedoch nicht näher. Aus Kreisen um Temizels Mitarbeiterstab hieß es, er reagiere mit seinem Rücktritt darauf, dass er als Leiter der unabhängigen Bankenaufsicht seit Freitag nicht mehr dem Ministerpräsidenten, sondern dem neu ernannten Schatzamtschef Kemal Dervis berichten müsse.

Der Rücktritt Temizels kommt knapp zwei Wochen nach dem Beginn einer neuerlichen Finanzkrise in der Türkei. Temizel galt als "reinigende Hand", nachdem er in den vergangenen Monaten maßgeblich an der noch nicht abgeschlossenen Reform des krisengeschüttelten türkischen Bankensystems mitgewirkt hatte.

Finanzmärkte wegen Streit der türkischen Staatsspitze in Aufruhr

Ein Streit in der türkischen Staatsspitze hatte vor knapp zwei Wochen die Finanzmärkte des Landes in Aufruhr versetzt. Ihren vorläufigen Gipfel erreichte die Finanzkrise, als die Regierung in Ankara den Wechselkurs der türkischen Lira, der bis dahin an einen Korb aus Dollar und Euro gekoppelt war, freigegeben hatte. Die Sätze am Geldmarkt waren daraufhin bis zu 7000 % in die Höhe geschossen. Die Lira verlor in der Spitze zum Dollar 36 % an Wert.

In Reaktion auf die Finanzkrise waren Anfang vergangener Woche bereits Notenbank-Chef Gazi Ercel und der Leiter des türkischen Schatzamtes Selcuk Demiralp zurückgetreten. Ministerpräsident Bülent Ecevit hatte am Freitag den bisherigen stellvertretenden Notenbank-Chef Sureyya Serdengecti zum Zentralbank-Chef und den langjährigen Weltbank-Experten Kemal Dervis zum neuen Schatzamtsleiter ernannt. Doch Dervis, der mehr als 20 Jahre bei der Weltbank in Washington tätig war, wird künftig nicht nur das Schatzamt leiten, sondern auch die Verantwortung für die Bankenaufsicht und andere wichtige Institutionen übernehmen.

Bankenaufsicht soll zukünftig einem Minister berichten

Aus Kreisen um Temizels Mitarbeiterstab hieß es am Samstag, der Rücktritt des Bankenaufsichtschefs hänge vor allem mit der Erweiterung der Kompetenzen des Schatzamtschefs zusammen. Temizel habe nicht akzeptieren können, dass die Bankenaufsicht als unabhängige Behörde künftig nicht mehr dem Ministerpräsidenten, sondern einem Minister berichten müsse. Dervis zeigte sich unterdessen enttäuscht von Temizels Rücktritt. "Es tut mir sehr leid. Er (Temizel) gilt als ehrliche Persönlichkeit, die sein Land liebt. Ich hätte gerne mit ihm zusammengearbeitet", sagte Dervis.

Türkische Medien begrüßten die Ernennung Dervis und die Erweiterung der Kompetenzen des Schatzamtschefs. "Es wird künftig einen einzigen Verteidiger der Wirtschaft geben. Die Türkei hat den angemessensten und besten Namen für diese Mission gefunden", schreibt die türkische Zeitung "Sabah" in ihrer Samstagsausgabe.

Temizel war maßgeblich an Bankenreform beteiligt

Temizel war in den vergangenen Monaten maßgeblich an der noch nicht abgeschlossenen Reform des türkischen Bankensektors beteiligt. Das krisengeschüttelte türkische Bankensystem, das aus rund 80 Instituten besteht, wird von einigen staatlichen Großbanken dominiert, die Analysten zufolge den freien Wettbewerb der Banken verhindern. In der vergangenen Woche war als erstes Finanzinstitut die kleine türkische Bank Ulusal der Finanzkrise zum Opfer gefallen. Wegen massiver Zahlungsschwierigkeiten der Bank hatte ein Fonds der türkischen Bankenaufsicht die Kontrolle über das Institut übernommen. Damit hat die Aufsichtsbehörde innerhalb eines Jahres zwölf Banken unter ihre Kontrolle genommen. Experten befürchten, dass weitere Banken dem Beispiel Ulusals folgen werden. Denn durch die massive Abwertung der Lira steige die Gefahr, dass viele in Dollar verschuldete türkische Institute ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten.

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