Auswirkungen auf andere Branchen noch ungewiss: Irak-Krieg schlägt auf Touristik und Luftfahrt durch

Auswirkungen auf andere Branchen noch ungewiss
Irak-Krieg schlägt auf Touristik und Luftfahrt durch

Eine Woche nach Beginn des Irak-Kriegs schlagen die Folgen der Krise auf die deutsche Reise- und Luftfahrt- Industrie durch. Die ohnehin unter schwachen Buchungen leidende Tourismusbranche schraubt ihre Erwartungen für 2003 herunter und hofft auf ein rasches Ende der Verunsicherung.

HB/dpa HANNOVER/FRANKFURT. Die Lufthansa tritt wie internationale Konkurrenten noch härter auf die Kostenbremse, legt Jets still und dünnt die Flugpläne aus. Hoteliers in Großstädten müssen Millioneneinbußen wegen stornierter Zimmer und Tagungen schlucken. Die Auswirkungen auf andere Branchen sind noch ungewiss.

"Nach Beginn des Irak-Kriegs stehen wir da, wo wir nicht gerne stehen: in der Warteschleife", sagt der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Tourismuswirtschaft, Klaus Laepple. "Der Eingang von Neubuchungen ist sehr, sehr verhalten." Angesichts der Fernsehbilder aus dem Irak gehe derzeit kaum jemand in die Reisebüros, um "14 Tage Türkei all inclusive" zu buchen. Von hoffnungsvollen Ausblicken aus der Zeit vor der Eskalation in Nahost mit bis zu 6 % Markt- Wachstum muss sich die Branche verabschieden. "Wir können froh sein, wenn am Ende des Jahres ein dezentes Plus herauskommt", meint Laepple. Selbst dann wäre das Vorjahresminus aber nicht aufgeholt.

Die Reiseriesen TUI und Thomas Cook setzen vorerst alle Hoffnung auf ein schnelles Ende des Irak-Kriegs. "In der Vergangenheit hat sich immer wieder gezeigt, dass auch solche tragischen Ereignisse dem Tourismus nur kurzfristig und meist auch nur lokal geschadet haben", sagt Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler. Trotz der momentanen Flaute müsse die Reiseindustrie 2003 nicht vorzeitig abschreiben. Auch TUI - Chef Michael Frenzel setzt auf einen Buchungsrückstau, der sich nach Ende des Kriegs auflösen und den Veranstaltern wieder gute Geschäfte sichern soll.

Viele haben Angst vor Anschlägen

Wegen der Unsicherheit der Lage winken die Vorstände derzeit bei der Frage nach Ergebnisprognosen für das laufende Jahr ab. "Da müssen erst ein paar Fragezeichen verschwinden, bevor das wieder seriös möglich ist", sagt TUI-Sprecher Nikolai Juchem. Die Verunsicherung bei Reisenden sitze tief. Gerade hat eine Umfrage des Europäischen Tourismus Instituts gezeigt, dass nach dem Beginn des Irak-Kriegs 41 Prozent der Deutschen Angst vor Anschlägen im Urlaub haben. Zugleich wird es für die Manager dringlicher, bei ausbleibenden Einnahmen umgehend die Fixkosten für Flugzeuge und Hotelkapazitäten zu senken - eine Krisenreaktion, die die einstige Sonnenscheinbranche seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 lernen konnte. Die Konzerne schoben Sparprogramme an, strichen Stellen und stoppten Investitionen. TUI startete jetzt das dritte Sparpaket über 361 Mill. Euro bis Ende 2004. Thomas Cook hat sich Einsparungen von 250 Mill. Euro verordnet, um aus den roten Zahlen herauszukommen. Bei der Lufthansa bleiben 55 Jets der eigenen Flotte und bei Partnern am Boden.

Noch wollen die Reisekonzerne nicht an langfristige Folgen des Irak-Kriegs für ihr Geschäft glauben. Zwar stoppte der Militärschlag vorerst den Aufwind des USA-Tourismus wegen des günstigen Dollar- Kurses. Mehrere hundert Urlauber buchten aus Kriegsfurcht Reisen in die Türkei um. "Aber solange der Konflikt auf den Irak beschränkt bleibt, sehe ich keinen rationalen Grund, warum die Nachfrage nach Zielen in der Türkei oder Ägypten zurückgehen sollte", sagt Thomas- Cook-Chef Pichler. An dem Bedürfnis sich zu erholen ändere der Krieg grundsätzlich nichts.

Für etliche Reisebüros wird die Lage indes noch schwieriger. Schon vergangenes Jahr gaben 700 Büros auf, sagt Verbandspräsident Laepple. Derzeit sind es noch rund 20 000, am Ende des Jahres 2003 werden es weniger sein. Die Auswirkungen auf die gesamte deutsche Wirtschaft seien noch nicht klar vorherzusagen, heißt es beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Wenn der Krieg länger dauert, schadet das der US-Wirtschaft, und das wird Folgen für die gesamte Weltwirtschaft haben", sagt Nahost-Experte Jochen Münker.

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